Viernheim

Tischtennis Viernheimer Sportler Hermann bringt Medaille von Senioren-Weltmeisterschaften in Las Vegas mit / „Für mich Gold wert“

Im Spielerparadies Bronze abgezockt

Viernheim.Die Entscheidung zur Teilnahme fiel spontan, mit einem Erfolg rechnete niemand, umso größer war der Jubel über Platz drei. Tischtennisspieler Hermann Pfenning vom TV 1893 Viernheim hatte sich kurz entschlossen für die Senioren-Weltmeisterschaft in Las Vegas angemeldet und gewann an der Seite von Horst Fischer aus dem brandenburgischen Eisenhüttenstadt in der Altersklasse der über 85-Jährigen die Bronzemedaille.

„Das hätte ich mir niemals träumen lassen“, strahlte der Dauerbrenner des Turnvereins auch Tage nach der Rückkehr noch über das ganze Gesicht. Mit 15 Jahren hatte er mit dem Tischtennisspielen begonnen und stand in der vergangenen Saison noch bei Verbandsspielen an der Platte. Vom 17. bis 26. Juni war der 85-jährige Viernheimer bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft der Senioren vertreten. Im Vorfeld hatte er sogar einen ihm bekannten Doppelpartner gefunden, denn mit Horst Fischer spielte er vor einigen Jahren schon bei den Europameisterschaften der 80-Jährigen in Bremen zusammen, wo es am Ende ebenfalls eine Bronzemedaille zu feiern gab. Das Abenteuer Senioren-WM begann am Viernheimer OEG-Bahnhof. Über Mannheim, Frankfurt und Zürich ging es dann über den großen Teich ins Spielerparadies. „Las Vegas kannte ich allerdings schon, denn wir waren vor Jahren schon einmal im Urlaub dort. Außerdem war es dort tagsüber sehr heiß, weshalb man sich besser in klimatisierten Räumen aufhielt“, berichtete Pfenning von einer in jeder Beziehung heißen Reise. „Alleine die weiten Wege auf den Flughäfen und der Zeitdruck waren doch schon anstrengend“. Viel Zeit zum akklimatisieren blieb allerdings nicht, denn gleich am nächsten Tag standen die Einzelwettbewerbe auf dem Programm. Gespielt wurde in einer riesigen Mehrzweckhalle, wo 250 Tische aufgestellt worden waren.

4100 Teilnehmer dabei

Dort tummelten sich mehr als 4100 Routiniers aus 97 Nationen, darunter einige Ex-Superstars. Über 600 deutsche Spieler hatten gemeldet, dabei war auch der deutsche Tischtennis-Bundestrainer Jörg Rosskopf. Für Pfenning gab es in seiner kleinen Gruppe mit Pierre Farournoux (Frankreich) und Louis Kerekes (USA) nichts zu erben, nach zwei Niederlagen ging es in die Trostrunde, den Consulation-Cup. So blieb genügend Zeit, dem Treiben an den anderen Platten zuzusehen. Beeindruckend sei die Stimmung bei den Asiaten gewesen. Bei den Franzosen fiel Pfenning auf, dass diese quasi Nationaltrikots trugen. Er selbst streifte sich voller Stolz das Shirt des TV 1893 Viernheim über. Als kleine Geschenke hatte der VTV-Kulis eingepackt, freute sich aber auch über Präsente der Gegner aus China und Australien. Auch in der Doppelkonkurrenz war der Start wenig erfolgversprechend, denn zum Auftakt wurde der erste Satz gleich verloren. Danach lief es aber hervorragend. Mit einer Satzbilanz von 9:1 konnte das deutsche Duo seine Gruppe auf Platz eins beenden. Die Mischung im Paar war perfekt. Fischer brillierte mit seinem Offensivspiel, die Stärke von Pfenning war die Defensive.

Dank der sehr guten Bilanz aus der Vorrunde erhielt das deutsche Duo im Viertelfinale ein Freilos und war damit für das Halbfinale qualifiziert. Damit stand auch fest, dass mindestens eine Bronzemedaille im Rückreisegepäck sein wird.

Natürlich war im Vergleich mit den Australiern Hans Pappon und Anthony Herbert jetzt das Endspiel das Ziel. Schnell lag das Duo Fischer/Pfenning aber mit 0:2 in den Sätzen zurück, konnte Satz drei aber für sich entscheiden. „Die Gegner haben dann clever reagiert und ihr Spiel umgestellt und deshalb verdient gewonnen“, hakte Hermann Pfenning die Niederlage schnell ab.

Bei der Siegerehrung bekam das deutsche Duo die Bronzemedaille von Dan Seemiller aus dem Organisationsteam überreicht. Seemiller, mehrmaliger USA-Meister, ist Mitglied der Hall of Fame (Ruhmeshalle) des US-Amerikanischen Tischtennisverbandes und gilt bis heute als der erfolgreichste Spieler der Vereinigten Staaten. Außerdem hat er eine außergewöhnliche Griffhaltung entwickelt, die seinen Namen trägt. Er nutzt für Vor- und Rückhand nur eine Seite des Schlägers, was auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig aussieht. Hermann Pfenning bevorzugt genau die gleiche Schlägerhaltung. Er hatte im Vorfeld auf ein Treffen mit Dan Seemiller gehofft und war am Ende überglücklich, „denn das war ein weiterer Höhepunkt der Reise, die Bronzemedaille ist für mich Gold wert.“

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