Viernheim

Rückblick 1960er und 1970er Jahre prägen Unternehmen und Viernheimer Stadtbild / Kulturelle Ereignisse unterstützt

In kurzer Zeit entstehen 500 Wohnungen

Archivartikel

Viernheim.Fünf Häuser mit 55 Wohnungen entstehen gerade an der Franz-Schubert-Straße, ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen ist an der Kirschenstraße geplant, und für ein Grundstück im Gebiet Am Schmittsberg II wird ein Konzept entwickelt: Die Baugenossenschaft erweitert ihren Gebäudebestand auch heute noch kontinuierlich. „Dennoch sind wir weit von dem entfernt, was in den 1960er und 1970er Jahren möglich war“, erklärt Vorstandsmitglied Reinhard Hölscher. „Auch aufgrund der großen Nachfrage nach Wohnungen hat die BG Grundstücke damals relativ unbürokratisch zugeteilt bekommen. Es gab sehr viel weniger Vorschriften, dafür aber mehr freien Baugrund.“

Zu lesen ist über diese Zeit in einem Buch, das das Unternehmen zu seinem 100-jährigen Bestehen in kleiner Auflage herausgegeben hat. In den 1960er und 1970er Jahren errichtete die BG viele Häuser, Hausgruppen und auch ganze Straßenzüge in Zusammenarbeit mit der Stadt. So entstand etwa die heutige Weststadt. Beispiele für die Bautätigkeit jener Zeit sind die Blöcke an Mannheimer und Karl-Marx-Straße. 1969 wurde die 1000. Mietwohnung fertiggestellt, 1976 bereits die 1500. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass der Bestand der BG Anfang 2020 „nur“ 1862 Wohnungen umfasste. Die BG errichtete in den 1960er und 1970er Jahren auch zahlreiche Eigentumswohnungen, die unter anderem heute noch die Oststadt prägen. 1963 erreichte die Mitgliederzahl die Marke von 1500. Zehn Jahre später zog die BG in ein Bürogebäude in der Mozartstraße 15, wo die Verwaltung noch heute untergebracht ist. 1973 wurde auch die Vertreterversammlung eingeführt. Das Unternehmen hatte damals 27 Mitarbeiter. Zudem gab es bereits mehr als 2500 Mitglieder. Auch am kulturellen Leben Viernheims beteiligte sich die BG zunehmend. 1966 war sie maßgeblich an einer Tulpenschau unter dem damaligen Bürgermeister Hans Mandel beteiligt. Dabei standen unter anderem 100 000 Blüten rund um die Hildegardkirche. Beim in Viernheim veranstalteten Hessentag 1968, der unter dem Motto „Singendes, klingendes Hessenland“ stand, organisierte die BG das Kinderfest. Dazu gehörte auch ein Luftballonwettbewerb, mit mehr als 4000 Ballons. Heute ist die BG noch immer vielseitig in Viernheim engagiert, sponsort etwa die T-Shirts beim Freiwilligentag.

Die Position des Unternehmens bei Bauangelegenheiten ist jedoch weniger privilegiert als in den 1960er Jahren. Das zeige sich zum Beispiel bei der Vergabe von Grundstücken im Baugebiet Bannholzgraben II, so Hölscher. „Wir haben uns ganz normal beworben und durchlaufen wie mehrere andere Unternehmen auch das von der Stadtverwaltung vorgegebene Verfahren.“

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