Viernheim

Lernmobil Cathrin Brinzing trägt Passagen aus „Während die Welt schlief“ von Susan Abdulhawa vor

Intimer Blick auf Nahost-Konflikt

Archivartikel

Viernheim.Jenin im Blumenmonat April im Jahr 1960: Frühmorgens, bevor die Welt um die fünfjährige Amal erwacht, liest ihr Vater, den sie „Baba“ nennt, ihr aus Werken großer arabischer Dichter vor. Es sind Momente des Friedens und der Hoffnung, die Amal ihr Leben lang im Herzen tragen wird. Ein Leben, das im Flüchtlingslager beginnt, nach Amerika führt und dennoch stets geprägt ist vom scheinbar ausweglosen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.

Diese Szene stammt aus dem Roman „Während die Welt schlief“ der palästinensischen Autorin Susan Abdulhawa, der 2014 in deutscher Sprache erschien. Auszüge daraus las nun im Haus am Schlangenpfad nun Cathrin Brinzing. Zu der Veranstaltung hatte der Verein Lernmobil im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Kunst und Kultur im Lernmobil“ in Kooperation mit der Ortsgruppe Viernheim des DGB eingeladen.

In 30 Sprachen übersetzt

Der Roman, der ein internationale Bestseller ist und in fast 30 Sprachen übersetzt wurde, hat auch in Deutschland viele begeisterte Leser gefunden. Unter anderem gehören dazu Brigitta Eckert, eine der pädagogischen Leiter des Vereins Lernmobil, und Rita Walraven-Bernau, die ehemalige Frauenbeauftragte der Stadt Viernheim. Die beiden wählten das Buch für die diesmal unter dem Motto „Spannende Einblicke in fremde Welten“ stehende Veranstaltungsreihe aus.

Brinzing trug sechs ausgewählte Passagen aus „Während die Welt schlief“ eindrucksvoll vor. Sie ist Koordinatorin des Leseförderzentrums für Intensivklassen beim Lernmobil. In ihrem pseudo-biografischen Roman beschreibt die 1970 in Kuwait geborene und größtenteils in den USA aufgewachsene und lebende Susan Abdulhawa die Lebensgeschichte ihrer fiktiven Protagonistin Amal und deren Familie. Dabei wird aus palästinensischer Sicht die Geschichte des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern erzählt. Die Erzählung beginnt im Jahr 1941 und endet im April 2002, als die israelische Armee in ein Flüchtlingslager eindringt, um gegen Gruppen palästinensischer Terroristen, darunter Selbstmordattentäter und Bombenbauer, vorzugehen. Amal verliert 1967 während des Einmarschs der Israelis in das Westjordanland ihren „Baba“, verliebt sich später in den USA in den Arzt Majid und hat mit ihm zusammen eine Tochter Sara. Bei einem Besuch in ihrer Heimat gerät sie mit Sara in die Kämpfe im Flüchtlingslager Jenin.

Susan Abdulhawa vermittelt in ihrem Roman eine menschliche und emotionale Sicht auf Krieg, Flucht und Vertreibung und enthält sich weitgehend politischer Aussagen. Sie hat die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung nie aufgegeben, so Mitorganisatorin Eckart. Von vielen Zuhörern im Haus am Schlangenpfad wurde in der anschließenden Diskussion Abdulhawas schöne und zarte Sprache gewürdigt. Der Kern des Buches ist die Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod, so Cathrin Brinzing. Auch Abulhawas zweiter Roman „Als die Sonne im Meer verschwand“ ist inzwischen zu einem großen Verkaufserfolg geworden. Hierin beschreibt sie unter anderem die Vergewaltigung einer palästinensischen Frau durch einen israelischen Soldaten.

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