Viernheim

Hygiene „Aktion Saubere Hände“ im St.-Josef-Krankenhaus / Personal und Patienten über Verbreitungswege von Erregern informiert

Kampf gegen gefährliche Keime

Viernheim.„Du musst fest reißen“, erklärt Monika Eppel. Ihr gegenüber steht Physiotherapeutin Valerie Rechkemmer. Diese trägt einen weißen Mundschutz, blaue Gummihandschuhe und einen blauen Stoffkittel. Gerade zeigt ihr Eppel, die als Hygienefachkraft am St.-Josef-Krankenhaus arbeitet, wie man die sogenannte „persönliche Schutzausrüstung“ richtig auszieht. Da aus hygienischen Gründen nach der Benutzung sowieso alles im Müll landet, wird der Kittel einfach zerrissen und nicht umständlich aufgeknotet. So soll verhindert werden, dass sich Keime auf die restliche Kleidung oder die Hände übertragen.

Die Einweisung ist Teil des „Tags der Handhygiene“ des Krankenhauses. Eppel organisiert die Veranstaltung seit 2015 einmal jährlich. Als Teil der bundesweiten „Aktion Saubere Hände“ soll dabei über die Gefahren durch Krankenhauskeime aufgeklärt und an die Bedeutung der Händedesinfektion erinnert werden.

In vielen Krankenhäusern fehle dazu häufig die Zeit, erklärt Eppel. Multiresistente Erreger würden aber gerade durch nicht richtig desinfizierte Hände übertragen. Gefährlich werde das zum Beispiel dann, wenn bei einer Operation antibiotikaresistente Keime aus dem Darm an einen Knochen gelangen.

Wie schwierig es ist, sich die Hände richtig zu desinfizieren, zeigt Elmar Engel, Fachberater für Hygiene. Bei ihm kann man sich die Hände mit einem Desinfektionsmittel einreiben, dem ein fluoreszierender Stoff beigemischt wurde, und sie anschließend unter eine Schwarzlichtlampe halten. „Die Teile der Haut, die von Desinfektionsmittel bedeckt sind, leuchten violett. Besonders auf der Rückseite der Finger bleiben aber oft Stellen frei“, erklärt Engel.

Mit einem Sensor, der über ein Kabel mit einem kleinen kastenförmigen Gerät verbunden ist, kann Engel außerdem die Hautfeuchtigkeit der Hände messen. „Wenn die Haut zu trocken ist, öffnet sie sich und Keime setzen sich leichter darin fest.“

Handhygiene ist jedoch nicht alles. Inzwischen werde versucht, gefährliche Keime nach Möglichkeit gar nicht erst ins Krankenhaus gelangen zu lassen, erklärt Eppel. So müssten Patienten vor länger geplanten Operationen nun schon zu Hause einen Fragebogen ausfüllen. Damit würden verschiedene Risikofaktoren abgeklärt, etwa, ob jemand in den letzten sechs Monaten mit Antibiotika behandelt wurde oder ob er regelmäßigen Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren hat. Wenn auch nur eine von acht Fragen mit „Ja“ beantwortet wird, muss sich der Patient einem sogenannten „Screening“ unterziehen. Mit Wattestäbchen werden Abstriche aus dem Rachen und von den Nasenschleimhäuten genommen. „Sollten dabei multiresistente Erreger gefunden werden, wird der Patient erst einmal zu Hause saniert“, berichtet Eppel.

Das bedeute zum Beispiel, dass der Betroffene ein paar Tage vor der Operation mit einem speziellen Mittel duschen muss. Sollte dafür keine Zeit sein, etwa weil ein Eingriff akut notwendig ist, würden Patienten mit Erregern strikt in eigenen Zimmern isoliert, erklärt die Hygienefachkraft. „Wer dann zu ihnen möchte, egal ob Arzt oder Angehöriger, muss immer eine persönliche Schutzausrüstung tragen.“

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