Viernheim

Evangelische Kirchenmusik I Radtour Orgel und Bike nach Vogelstang und Wallstadt / Veranstaltung immer beliebter

Kantoren ziehen alle Register

Viernheim.Nach einem fulminanten Konzert an der Orgel der Auferstehungskirche bedankte sich die Kantorin des evangelischen Dekanats Bergstraße, die Koreanerin Han Kyoung Park-Oelert, für den Applaus des Publikums mit den Worten: "Ihre Orgel hier hat Charakter - schön, dass sie sie hier haben."

Doch der Reihe nach. Zum dritten Mal hatte Martin Stein, Kantor der evangelischen Kirchengemeinden Viernheims, die Fahrradtour Orgel & Bike zu charakteristischen Orgeln in der Viernheimer Umgebung organisiert. Bei strahlender Herbstsonne trafen sich rund 50 Teilnehmer mit ihren Rädern - weit mehr als in den vorangegangen Jahren - auf dem Vorplatz der Auferstehungskirche.

Modernes Stück "Salve Regina"

Über Straßenheim ging es zur ersten Station, dem evangelischen Gemeindezentrum Vogelstang. Dort wurden die Radler von Kantor und Organist Sebastian Osswald empfangen und in Einzelheiten der von Orgelbaumeister Friedrich Lieb im Jahr 2000 gebaute Orgel eingewiesen. Osswald, der neben seinem Studium der Kirchenmusik auch verschiedene Meisterkurse absolviert hatte, spielte das moderne Stück "Salve Regina" des Libanesen Naji Hakim und das Präludium und Fuge Es-Dur von Johann Sebastian Bach.

Überhaupt stand die gesamte "Konzertreise" unter dem Vorzeichen von Johann Sebastian Bach - wie sollte es auch anders sein. Bach gilt als einer der bedeutendsten Orgelkomponisten. Rund ein Fünftel seiner Kompositionen sind für dieses Instrument geschrieben - mehrheitlich in dem von ihm geschätzten virtuosen Fugenstil.

Nach kurzer Fahrt erreichten die Orgelradler dann die im Jahr 1872 gebaute Petruskirche in Mannheim-Wallstadt. Bei dem auf der Empore eingebauten Instrument der Orgelbauwerkstatt Richard Rensch von 2011 griff Kantor Martin Stein selbst in die Tasten; oder vielmehr trat er in die Pedale.

Besonders beeindruckend war, wie er in manchen Passagen nur durch virtuose Beinarbeit (ohne Zuhilfenahme der Hände) die wuchtigen Töne und den charakteristischen treibenden Rhythmus Bachs aus den Orgelpfeifen "zauberte".

Stein füllte den Kirchenraum mit den Klängen von Bachs Präludium C-Dur, dem Choral "O Gott, du frommer Gott" und der Vorstufe zur Toccata und Fuge, der Toccata C-Dur (BWV 564a).

Noch ergriffen von Spiel Steins ging es dann über die Felder wieder zurück zur Auferstehungskirche am Berliner Ring. "Alle Radler haben sich tapfer geschlagen", so Martin Stein. (Nur der Verlust eines Ohrrings war zu beklagen).

Von noch mehr Zuhörern besucht, begann das Konzert dann gleich mit dem wohl beeindruckendsten Orgelstück Bachs, der Toccata und Fuge (d-Moll, BWV 565). Han Kyoung Park-Oeler wusste das 1985 von Orgelbauer Dieter Noeske gebaute Instrument meisterhaft einzusetzen.

Neben zwei weiteren Stücken aus dem 18. Jahrhundert ("Vater unser im Himmelreich" von Georg Böhm und Andante F-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart) bewies die junge Koreanerin, dass sich die Musik der alten Meister auch wirklich ganz hervorragend für moderne Jazz-Variationen eignet.

Mit der Badinerie (tanzartiges Charakterstück) nach BWV 1067 aus Lieslotte Kunkels "Play Bach - Play Jazz" und "Mozart Changes" von Zsolt Gárdonyi riss sie das Publikum zu lang anhaltendem Applaus hin.

Anders als im Gottesdienst

Beim anschließenden Sektempfang des Fördervereins evangelische Kirchenmusik wurden die frischen Eindrücke aus Natur und Musik noch nachhaltig diskutiert.

Für Rolf Berndt, den Zweiten Vorsitzenden des Kirchenvorstandes der Christusgemeinde war das Orgelerlebnis ein komplett anderes als im Gottesdienst. Er ist schon sehr gespannt darauf, im nächsten Jahr weiter Orgeln in der Umgebung Viernheims kennenzulernen.

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