Viernheim

Fastnacht Selina I. gibt Bürgermeister Matthias Baaß den Stadtschlüssel zurück / Letztes Ahoi mit tränenerstickter Stimme

Karnevalisten mutieren zu Trauergemeinde

Viernheim.Es war ein trauriger Anlass und trotzdem ist den Beteiligten des Clubs der Gemütlichen (CdG) der Humor nicht gänzlich abhanden gekommen. Der Aschermittwoch ist für die Narren in der Nation und in Viernheim kein Grund zur Freude, schließlich ist ja alles vorbei. Mit leiser und tränenerstickter Stimme kam gerade noch ein zaghaftes „Ahoi“ über die Lippen, die Mundwinkel zeigten fast nur nach unten. Einzig Bürgermeister Matthias Baaß konnte strahlen, brachte die CdG-Prinzessin Selina I. aus dem Hause Ellemiller doch den Stadtschlüssel wieder zurück ins Rathaus.

„Das gute Stück kommt wieder an einen sicheren Platz“, freute sich das Stadtoberhaupt, auch wenn er gerade seinen Job als erster Sekretär ihrer Lieblichkeit verloren hatte. Baaß begrüßte die närrische Trauergemeinde mit einem lachenden und einem weinenden Auge, zeigte sich aber überrascht, dass der harte Kern der Karnevalisten noch einen so guten Eindruck machte.

Die Obernarren mit Selina I. an der Spitze haben die Stadt würdig vertreten. Ein Sonderlob erhielt die stimmlich noch leicht angeschlagene Stadtprinzessin, weil sie natürlich die größte Last zu tragen hatte.

Repräsentation im „Ausland“

Der CdG-Vorsitzende Karl Reuter wischte sich immer wieder ein Tränchen aus dem Gesicht. „Es war eine lange und tolle Kampagne, in der wir den Verein und die Stadt auch im benachbarten Ausland – wie Baden und der Pfalz – würdig vertreten haben. Nachher werden noch die Fahnen eingerollt und am Abend findet das Heringsessen statt“, war der karnevalistische Haudegen sichtlich gerührt. Er dankte der Stadtverwaltung für die Unterstützung.

Selina I. trug ebenfalls Trauer, war mit der Zeit als Prinzessin aber sehr zufrieden: „Es hat Spaß gemacht, und ich habe viele Leute kennengelernt. So hatte ich mir das vorgestellt“. Deshalb fiel es ihr schwer, sich vom Stadtschlüssel zu trennen und sich langsam wieder an den Alltagstrott zu gewöhnen. Auch die Herrschaften vom Elferrat trugen gestern Trauer, die Orden wurden umgedreht vor der Brust getragen und waren mit Trauerflor versehen. Am Ende folgte mit leiser Euphorie aber noch der Blick in die fastnachtliche Zukunft: „Es sind ja nur noch acht Monate.“ JR

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