Viernheim

Kein Bedarf an weiteren Plätzen

Archivartikel

Zu „Beschämende und unsachliche Diskussion“, „SHM“ vom 16.11.

Das Forum der Senioren (FdS) befindet sich schon seit Jahren in Konkurrenz mit anderen Pflegeeinrichtungen. Das FdS ist im nahen Umkreis von zahlreichen stationären Einrichtungen sowie verschiedenen Dienstleistern, wie zum Beispiel ambulanten Diensten, Anbietern von ambulant betreuten Wohngemeinschaften oder Hospizen umgeben, die (Pflege-)Leistungen für ältere Menschen erbringen.

Die pflegerische Versorgung wird dabei zu je einem Viertel in stationären Einrichtungen sowie durch die ambulanten Dienste erbracht. Die Hälfte aller Pflegebedürftigen aber beziehen Pflegegelder, werden zu Hause betreut und stellen dabei die größte Versorgungsgruppe da. Die Betrachtung der UBV verkennt diese im letzten Jahrzehnt entstandene pflegerische Angebotsvielfalt. Sie vermittelt den Eindruck, dass Pflege nur im klassischen Altenheim stattfinden kann. Auch scheint die UBV die jährlich ihr vorgelegten Wirtschaftspläne des FdS nicht zu lesen, sonst wüssten diese, dass die Investitionen für ältere pflegebedürftige Menschen weitaus höher liegen „als ein Blumenstrauß“: In 2014/2015 wurden 1,5 Millionen Euro investiert, um 25 neue stationäre Pflegeplätze zu schaffen (jetzt 154), 500 000 Euro für Dach und Fassade, aktuell 900 000 Euro für Umbau und Modernisierung eines ganzen Wohnbereichs, weitere 100 000 Euro für das Betreute Wohnen in der Seegartenstraße sowie nochmals rund 250 000 Euro in die Wärme- und Stromversorgung.

Auch die tatsächlichen Fakten in Bezug auf den Bedarf an Pflegeplätzen sind interessant: Der zitierte Altenhilfeplan 2017 des Kreises Bergstraße kommt auf Seite 35 zu dem Schluss: „Auf den gesamten Kreis gesehen, ist das Angebot an Pflegeplätzen mehr als ausreichend.“ Es besteht, je nach Rechengröße, hiernach ein Überhang von 594 bis 1271 Pflegeplätzen im Kreis Bergstraße.

Das Ergebnis der Stadt Mannheim in ihrem „Bericht zur Lebenslage älterer Menschen“ (2015, Seite 65): „Insgesamt ist in den letzten Jahren das Pflegeplatzangebot in Mannheim schneller als die Nachfrage gewachsen.“ Und: „Viele Betreiber der Pflegeheime stehen in Mannheim heute vor Belegungsschwierigkeiten, auch im benachbarten Ludwigshafen bestehen Überkapazitäten.“

Von erheblicher Bedeutung ist auch die konkrete Belegungssituation im FdS: Aktuell und durchschnittlich kommen „nur“ rund 75 Prozent der Bewohner direkt aus Viernheim. Im Umkehrschluss kommen 37 Bewohner, also rund 25 Prozent, aus der Region (Weinheim, Heddesheim, Mannheim). Das belegt, dass die stationäre Altenhilfe zwar einen örtlichen Bezug hat, längst aber regional handeln muss.

Das Forum der Senioren braucht also aktuell auch auswärtige Bewohner, damit eine wirtschaftliche Auslastung erreicht werden kann, ansonsten wäre heute sehr wahrscheinlich ein Großteil der Viernheimer Plätze nicht belegt.

Als Fazit ist festzustellen: Aktuell besteht kein Bedarf an zusätzlichen stationären Pflegeplätzen in Viernheim und auch nicht in der Region. Perspektivisch kann dies anders werden: Es gilt, die Entwicklungen am Pflegemarkt genau zu beobachten und entsprechend zu reagieren. Man muss mit den Akteuren im ständigen Gespräch sein und bleiben. Genau dies erfolgt.

Matthias Baaß, Bürgermeister

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