Viernheim

Fußball Nachwuchs des TSV Amicitia absolviert in der Corona-Krise Alternativprogramm / B-Jugend steht als Meister fest

Kicker beweisen viel Kreativität

Archivartikel

Viernheim.Wenn an diesem Wochenende die Spiele der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga im Fernsehen übertragen werden, dann sind sicher auch ganz viele junge Fußballer unter den Zuschauern. Selbst dürfen die Stars von morgen und übermorgen aber noch nicht ins Geschehen eingreifen. Das Training in Viernheim beginnt voraussichtlich erst in einigen Wochen.

Auch die Nachwuchstrainer des TSV Amicitia leiden mit ihren Spielern, versuchen aus der Situation aber des Beste zu machen. Die Kommunikation läuft meist über soziale Medien. Dort tauscht man sich aus, und die Kinder und Jugendlichen bekommen Übungsvideos des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des badischen Fußballverbandes (bfv) geschickt, die Trainingsmöglichkeiten selbst im heimischen Wohnzimmer aufzeigen.

„Bisher gab es auch von Seiten der Eltern noch keine vermehrten Absagen. Die Trainer stehen in ständigem Kontakt und berichten über die aktuelle Lage. Dass die Saison jetzt abgebrochen wurde, ist zwar schmerzhaft, es war aber keine andere Entscheidung zu erwarten“, ist Uwe Beck, Jugendkoordinator der Blau-Grünen, froh, dass endlich Klarheit herrscht.

Besonders ruhig ist es bei den Bambini, die das kleine Fußball-Einmaleins lernen. „Zuletzt musste unser eigenes Spielfest leider abgesagt worden, zwei Tage später dann sämtliches Training. In der Whats-App-Gruppe gab es fast keine Rückmeldungen“, sagt Trainer Jörg Heiland. Zu Beginn der trainingsfreien Zeit wurden die Fitness-Videos und Übungen, zum Beispiel von Alba Berlin oder vom Fußballverband, verlinkt. „Ich muss gestehen, dass ich den Motivierungsmeldungen zur Wiederaufnahme des Trainings überhaupt nichts Positives entnehmen kann. Auch wenn wir nur in Kleingruppen trainieren würden mit Übungen, die den Abstand sicherstellen, macht das gerade bei den Bambini keinen Sinn“, erklärt der Übungsleiter.

Enttäuschte E-Junioren

Bei der F-Jugend des Jahrgangs 2012 waren zuletzt 31 Kinder im Training, betreut von vier Trainern. „Der Kontakt läuft natürlich über die Eltern, die über die Entwicklung informiert werden. Die Trainer haben ihre Spieler mit einem Video überrascht, in dem wir mitgeteilt haben, wie sehr wir die Jungs vermissen. Das Feedback war grandios“, ist sich Selcuk Demirel sicher, dass alle bei der Stange bleiben werden. Bei den E-Junioren war die Enttäuschung über die Verbote riesengroß. „Eigentlich wollten wir die Sportschule Schöneck besuchen. Wir hatten uns schon das ganze Jahr darauf gefreut“, berichtet Igor Nadarevic. Da die Jungs noch nicht alle ein Handy haben, wurde der Kontakt über die Elterngruppe gehalten. „Zusätzlich habe ich eine WhatsApp-Gruppe für diejenigen Kinder erstellt, die schon ein Handy haben. So konnten sich die Spieler wenigstens online sehen.“ Um alle bei Laune zu halten, wurde der Link #kickathome verschickt.

„Ich war dafür, dass wir die Saison beenden und erst nach den Sommerferien wieder beginnen. Dann dürften sich auch die Bedenken einiger Eltern erledigt haben“, so Nadarevic weiter. Auch bei der D1 lief der Kontakt bisher über das Internet. Dort wurden auch besondere Übungen angeboten. „Wir machen aber erst wieder mit dem Training weiter, wenn wir alle gesundheitsrelevanten Vorsichtsmaßnahmen umsetzten können“, sagt der Übungsleiter.

Mit einer U17-Corona-Challenge aus Geschicklichkeitsspielen hält B-Trainer Tobias Kleiner Spieler und Eltern auf Trab. So gab es ein Vater-Sohn-Workout, oder die Mütter mussten sich beim Balljonglieren messen. Das alles wurde per Video dokumentiert. Es wurden auch „Kettenreaktionsbahnen“ durch Wohnungen und Häuser gebaut und kreative Videolösungen für so manches Problem entwickelt.

„Die Mannschaft wünscht sich einfach nur wieder, ordentlich Fußball spielen zu können“, gibt Kleiner das Stimmungsbild wieder. Dass man durch den Abbruch vorzeitig Meister wurde und in die Verbandsliga aufsteigt, ist eher zweitrangig. Jetzt verfolgen alle die Diskussion über die Reisebeschränkungen, denn im Spätsommer soll es eigentlich zu einem internationalen Turnier nach Schweden gehen.

„Die Jungs wurden stets über die aktuelle Lage informiert, so dass der Kontakt nie komplett abgebrochen ist. Es gab virtuelle Aktivitäten, in denen Aufgaben bewältigt werden mussten“, stellt A-Jugendtrainer Lukas Cambeis zufrieden fest, dass der Teamgeist noch lebt. In den Trainingsplänen ging es darum, die Fitness zu erhalten. Verschiedene Ausdauerläufe, Sprung- und Schnellkraftübungen, Zirkeltraining sowie Workouts standen auf dem Programm. Mit dem Abbruch der Saison kann Cambeis gut leben, „denn jetzt haben alle Beteiligten Planungssicherheit“. JR

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