Viernheim

Erziehung Bundesjustizministerin Christine Lambrecht besucht AWO-Familienzentrum Kirschenstraße / Praxis-integrierte Ausbildung richtet sich an Quereinsteiger

„Kinder brauchen qualifizierte Betreuer“

Viernheim.„Wir wollen keine Verwahranstalten für Kinder“, sagt Christine Lambrecht bestimmt. „Wir wollen, dass Kinder von qualifiziertem Personal betreut werden und wollen deshalb den Erzieherberuf noch interessanter machen.“

Die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz informiert sich im AWO-Familienzentrum Kirschenstraße über die Auswirkungen des Bundesprogramms „Fachkräfteoffensive“. „In der Theorie hat mir das Programm des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend schon gut gefallen“, betont die Bundestagsabgeordnete, „jetzt will ich sehen, wie es umgesetzt wird.“ 300 Millionen Euro wurden in dem Programm bereitgestellt, um mehr qualifiziertes Personal für Kindertagesstätten zu gewinnen. Thomas Sebert, Leiter des Familienzentrums, erzählt, dass sich die Arbeiterwohlfahrt (AWO) erfolgreich um Fördermittel beworben hat.

Seit August absolviert Manuel Klemm die Ausbildung zum Erzieher als praxis-integrierte Ausbildung (PiA). Das Modell richtet sich an Erwachsene, die bereits eine andere Qualifikation haben. Klemm hat 20 Jahre lang in einer Werbeagentur gearbeitet und orientiert sich nun beruflich um. „Durch das Ausbildungsgehalt ist es durchaus attraktiv“, meint er, denn erstmals werden Erzieher in Ausbildung vom ersten Jahr an bezahlt.

Die Kosten übernimmt der Bund mit dem Programm „Fachkräfteoffensive“ – im ersten Jahr komplett, dann durch einen Zuschuss im zweiten Jahr zu 70 Prozent und im dritten Jahr zu 30 Prozent. Die AWO als Träger kommt für den Rest der Personalkosten auf.

Die PiA-Ausbildung dauert drei Jahre. „An drei Tagen ist Schule, mit zehn Unterrichtsstunden, an den zwei anderen Tagen sind wir in der Einrichtung“, berichtet Manuel Klemm von den ersten Wochen. „Man muss die gleichen Ausbildungsinhalte in kürzerer Zeit vermitteln“, erläutert Christian Hörnle von der Elisabeth-Selbert-Schule den straffen Zeitrahmen.

Thomas Sebert hätte den Auszubildenden gern öfter in der Tagesstätte. „Die Praxis kommt doch ein wenig zu kurz“, findet der Chef. Immerhin bleiben die PiA-Auszubildenden, anders als bei der herkömmlichen Erzieher-Ausbildung, drei Jahre lang in der gleichen Einrichtung.

Bindung aufbauen

Das ist auch für Eltern ein positiver Aspekt: „Die Kinder können so eine Bindung zu dem Erzieher aufbauen“, sagt Elternvertreterin Catherine Dewald. „Sie müssen sich nicht ständig an eine neue Bezugsperson gewöhnen.“ Thomas Sebert lobt auch die Zielsetzung des Programms, die Auszubildenden nach dem Abschluss in der Einrichtung zu halten. Als zusätzlichen Anreiz gibt es zwei Jahre lang einen Gehaltszuschlag, wenn der staatlich geprüfte Erzieher eine Spezialaufgabe in der Einrichtung übernimmt.

Der Vorsitzende der Bergsträßer SPD, Marius Schmidt, kennt weitere Träger im Kreis, die an dem Bundesprogramm teilnehmen. „Das Programm erfüllt die Forderung, die Kita-Träger zu entlasten. Es ist ein guter Einstieg, der unbedingt fortgeführt werden muss.“ Darauf setzt auch AWO-Vorsitzende Jutta Schmiddem: „Wir brauchen dringend noch mehr Erzieher.“ Das hat sich auch Christine Lambrecht, neben allen weiteren Informationen, notiert und wird es an das Familienministerium weitermelden.

Ein Bild aus der praktischen Arbeit im AWO-Familienzentrum kann sich die Ministerin auch noch machen. Als Abschluss der Projektwochen zum Thema Erntedank findet ein Markttag auf dem Freigelände statt – mit Waffeln, frisch gekeltertem Apfelsaft, mit eingekochtem Apfelgelee und gebastelten Herbstwindlichtern.

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