Viernheim

Freizeit 48 junge Nachwuchswissenschaftler machen bei der Ferienaktion im Stadtmuseum Viernheim zahlreiche Experimente aus der Jungsteinzeit

Kinder wandeln auf Ötzis Spuren

Archivartikel

Viernheim.Akribisch bemalte Noelle (elf Jahre alt) mit ihrem selbst gebasteltem Pinsel ein Mammut, so wie es wohl Ötzi bei seiner Wanderung durch das Ötztal vor 5250 Jahren begegnet sein könnte. Einen massiven brauen Körper mit hellen Stoßzähnen. Den Pinsel dafür hat Noelle selbst gebastelt. Auch Ötzi selbst konnte in der Jungsteinzeit nicht einfach in den Baumarkt gehen, um sich einen Pinsel zu kaufen.

Noelle nahm zusammen mit 47 anderen Kindern im Grundschulalter an der Mit-Mach-Aktion „Auf Ötzi’s Spuren“ des Stadtmuseums Viernheim teil. Seit 2009 werden unter dem Motto des Museums „Bewahren, Erforschen, Erleben, Vermitteln“ solche Aktionen in den Oster-und Herbstferien für wissensdurstige Nachwuchsforscher angeboten.

Die Projektleiterin, die sich immer neue spannende Themen ausdenkt – wie zum Beispiel „Adventure in Space“, „Wilder Westen“, „Mittelalter“ oder „Medien – früher und heute“ – ist die Kunsthistorikerin Antje Gräfe. Tatkräftig unterstützt von der „guten Seele des Museums“, Markus Müller. An vier Tagen in der Woche nach Ostern trafen sich die Kinder jeweils von 9 bis 13 Uhr, um das Rad der Geschichte zurückzudrehen und auf den Spuren des Jägers- und Sammlers „Ötzi“ in der Jungsteinzeit zu wandeln.

Farben aus Erde und Kohle

Das Mal-Gerät mit dem Noelle hantierte, bestand aus einem kleinen Ast, in dem eine Kerbe geritzt wurde, in die dann eine Vogelfeder gesteckt wurde. Abschließend wurde dann das Ganze mit Muskelsehnen – heute natürlich aus Kunststoff – zusammengebunden. Die Farben wurden aus zerriebenen Erdpigmenten oder geraspelter Kohle gemischt. Schon vor rund 40 000 Jahren hatten die damaligen Menschen begonnen, die Wände ihrer Wohnhöhlen mit Tierbildnissen und Jagdszenen auszuschmücken. Sei es aus religiösen Gründen, aus künstlerischer Kreativität oder einfach nur, um ihre Alltagserlebnisse zu verarbeiten.

Neben der Station „Höhlenmalerei“ gab es noch „Höhlenlampen“, „Töpferei“ und „Birkenrindengefäße“. Jeden Tag wechselten dann die Gruppen und bewiesen bei einem anderen Experiment ihre Fertigkeiten. Durch die Arbeit mit steinzeitlichen Stein-und Knochenwerkzeugen konnten sie die Geschicklichkeit und den Erfindungsreichtum der Steinzeitmenschen hautnah nachvollziehen.

Ältere Schüler unterstützen

Jede Gruppe arbeitete unter der Leitung von Museumsmitarbeitern – die Gruppe „Höhlenlampen“ beispielsweise mit Frank Tauscher – und wurde zusätzlich von zwei Schülern im Alter von 14 bis 18 Jahren betreut. Die unterstützenden Schüler kamen von der Friedrich-Fröbel-Schule, der Alexander-von-Humboldt-Schule und der Albert-Magnus-Schule. Aber auch vom Moll-Gymnasium in Mannheim und aus Speyer.

Antje Gräfe selbst betreute die Gruppe „Birkenrindengefäße“, die Ötzi auch als steinzeitliches Feuerzeug benutzt hatte, indem er dort glimmende Kohlereste mit sich führte, die er dann zum Entfachen eines Feuers nutzen konnte. Hierbei konnten die Kinder geschickt mit Messern aus Knochen Kreise und Rechtecke aus Birkenrinde ausschneiden. Diese wurden dann mit Muskelsehen zu zylindrischen Behältern zusammen genäht. Andere Herangehensweise beim Fertigen einer Kerze: Mit einem harten Stein wurde eine Kuhle in einen weichen Stein gebohrt, geschmolzenes Bienenwachs eingefüllt und ein Docht dazugeben – fertig war die Kerze.

Bevor die 48 Schüler in ihre jeweiligen Gruppen gingen, gab es noch ein lustiges Geräuscheraten, bei dem man grunzende Schweine, das Schöpfen von Wasser aus dem Fluss oder das Mahlen von Getreide hören und erraten konnte.

Besonders spannend fanden die Schüler auch die echten Funde, welche in Viernheim ausgegraben wurden. So zum Beispiel eine bronzene Tasse aus der mittleren Urnenfelderzeit ungefähr 1200 Jahre vor Christus.

Das Konzept der Mitmach-Aktionen, die Antje Gräfe und ihr Team entwickeln, kommt gut an. Die Geschicklichkeit und der Erfindungsreichtum wurden den Kindern mit den zahlreichen Experimenten – wie dem Feuer machen – gut vermittelt. Viele Schüler waren bereits bei früheren Aktionstagen des Stadtmuseums dabei. Alle sind schon gespannt, welche abenteuerliche Zeitreisen in den nächsten Ferien wieder angeboten werden.

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