Viernheim

Integration Kooperationsprojekt ermöglicht insbesondere Müttern die Teilnahme an Sprachkursen / Räume im Kettelerheim

Kinderbetreuung hilft Zugewanderten

Archivartikel

Viernheim.„Für die Zukunft von Zugewanderten ist es wichtig, über hinreichende Sprachkenntnisse zu verfügen“, erklärt Bürgermeister Matthias Baaß. Bisher hätten vor allem die Frauen das Problem gehabt, das Sprachelernen mit der Kinderbetreuung zu verbinden.

„Die Frauen sind zuhause geblieben und haben auf die Kinder aufgepasst, statt Deutsch zu lernen“, sagt Baaß. Seit November allerdings ist diese Problematik in Viernheim entschärft – durch eine spezielle Kinderbetreuung an fünf Tagen in der Woche. 21 Kinder, zwischen einem und vier Jahren alt, werden im Kettelerheim betreut, während ihre Eltern die Sprachkurse besuchen. „Das ist ein Gemeinschaftswerk verschiedener Organisationen“, stellt der Bürgermeister das Betreuungsprojekt vor, das nicht mit dem Betreuungsangebot von Tagesstätten gleichzusetzen sei.

Der Verein Lernmobil hatte bislang schon punktuell Kinder betreut, wenn Eltern an Sprachkursen teilnahmen. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat im vergangenen Jahr bestimmt, dass alle Eltern ein Recht auf Kinderbetreuung haben, wenn sie einen Sprachkurs besuchen“, erläutert Brigitta Eckert, die pädagogische Leiterin des Lernmobils. Statt maximal acht Kinder waren nun plötzlich bis zu 25 Kinder zu betreuen – das war weder personell noch räumlich zu leisten. Die Stadt Viernheim unterstützte bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten. Gefunden wurden sie im Kettelerheim neben der Apostelkirche, das von der Gemeinde für die Werktage angemietet wurde.

Mehrere Partner

„Das Bundesamt sieht eine reine Aufsicht der Kinder vor, ohne pädagogischen Auftrag“, berichtet Eckert. Das Lernmobil wolle aber die Chance nutzen, die Kinder zu fördern, die bis zu 20 Stunden in der Woche betreut werden. „Kinder sollen bestmöglich auf den Kindergarten vorbereitet werden“, setzt Brigitta Eckert auf eine qualitativ gute Kinderbetreuung. Dazu holte sich das Lernmobil verschiedene Partner: Die pädagogische Leitung hat Impuls Viernheim übernommen, ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe. „Wir sorgen für die Struktur und leiten die Betreuer bei der täglichen Arbeit an“, sagt Nadine Hätscher, die sich die Aufgabe mit Kathrin Michelhans teilt.

Für die Impuls-Geschäftsführerin Franziska Hartmann rentiert sich das Engagement: „Wir werden in ein paar Jahren sehen, dass sich diese frühe Arbeit mit den Kinder auszahlt.“ Das Familienbildungswerk unterstützt nicht nur durch das Opstapje-Projekt, bei dem Mitarbeiterinnen in die Familien gehen. „Wir haben außerdem eine grundsätzliche Schulung für die Frauen durchgeführt, die die Kinder betreuen“, berichtet FBW-Leiterin Silvia Schoeneck. Die Betreuerinnen seien nämlich keine Fachkräfte.

„In monatlichen Treffen besprechen wir Themen wie Regeln in der Gruppe, Struktur, Eingewöhnung oder Ernährung“, zählt Michaela Mann vom Familienbildungswerk auf, wie die Betreuerinnen unterstützt werden. su

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