Viernheim

Kirche im Wandel: Umnutzung von Gebäuden kann gelingen

Archivartikel

Zum diskutierten Umbau der Marienkirche in eine Kita

Die Kirche befindet sich im Wandel. Kirchenbesucher, Gläubige und im Dienst der Kirche Engagierte sind zahlenmäßig rückläufig. In logischer Konsequenz besteht vielerorts bereits jetzt eine Überkapazität an Kirchengebäuden. Veränderungen sind unumgänglich. Bieten sie auf der einen Seite die Chance auf Neues und die Möglichkeit, Potenziale zu heben, so sorgen sie andererseits auch für Ängste und Widerstand.

Nicht nur die Kirche in Viernheim steht vor dieser Herausforderung. National wie international sind gelungene Beispiele zu finden, in denen Kirchengebäude für eine breitere Nutzung geöffnet wurden oder auch eine Umnutzung erfahren haben. Das Finden einer sinnvollen Nutzungsmöglichkeit muss dabei stets vor dem Hintergrund eines kulturellen, kunsthistorischen und nicht zuletzt psychologischen Wertmaßstabs geschehen.

Die Nachricht über eine angedachte Umnutzung der Marienkirche sorgt aktuell für rege Diskussion. Die Tatsache, dies beiläufig der Tagespresse entnehmen zu müssen, empfinde ich als unglücklich; der skizzierte Vorschlag selbst löst auch in mir erhebliche Irritation aus. Bei allem Verständnis über die Notwendigkeit von Veränderung: Eine Umnutzung der Marienkirche als Kindertagesstätte hätte sicher einen drastischen Umbau zur Folge. Dies scheint mir weder dem kulturellen und kunsthistorischen Wert angemessen noch finanziell sinnvoll. Ich bin grundsätzlich davon überzeugt: Veränderung kann gelingen. Eine offene Kommunikation ist Voraussetzung. Allem voran sollte geklärt sein, wie ein Transformationsprozess in Bezug auf die alternative Nutzung einzelner Gebäude ganzheitlich gestaltet werden kann. Erst danach ist der zentralen Fragestellung nachzugehen, wobei größer gedacht werden sollte als es mit in den Raum gestellten Einzelideen geschehen kann: Welcher Bedarf existiert und welche kirchlichen Gebäude können im Falle einer alternativen Nutzung einen Beitrag leisten, der sich für Kirche und Stadt nachhaltig darstellt. Dabei ist ein objektiver Bewertungsmaßstab anzulegen, der zum Ziel hat, die beste Lösung zu finden.

Vor dem Hintergrund der oben genannten Kriterien sind die Kirchen auf alternative Nutzbarkeit zu prüfen: Auf der einen Seite zwei historisch wertvolle Sakralbauten, auf der anderen Seite zwei Gotteshäuser im Stil der 50er und 60er Jahre. Der Bedarf in unserer Stadt ist immens. Ob Ratssaal, Bürger-, Konzert-, Proben- und Veranstaltungsräume, Betreuungseinrichtungen für Kinder: Vieles fehlt oder liegt im Argen.

Die katholische Kirche hat vermutlich ein bis zwei Kirchengebäude in ihrem Immobilienbestand, die für Gottesdienste nicht mehr erforderlich sein werden. Ich erhoffe mir eine ganzheitliche Bewertung, wie die einzelnen Kirchen in ihrer Nutzung transformiert werden können und welche Lücken in unserer Stadt sie dadurch helfen können zu schließen. Warum nicht in Form eines offenen Wettbewerbs zur Ideenfindung. Möglicherweise erklären sich Architekturbüros bereit, ihre Fachexpertise mit einzubringen.

In Bezug auf die ehemaligen Pfarreigrenzen herrscht womöglich noch immer gestriges Denken vor. Von einem strukturierten, sachlichen Ansatz verspreche ich mir, dass diese Haltung aufgehoben und Pfarreigrenzendenken in den Hintergrund gerückt wird. Ziel darf es nicht sein, einen schwachen, ausgleichenden Kompromiss zu finden, sondern eine starke Lösung zu erarbeiten.

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