Viernheim

Vortrag Heilpraktiker Kai Strugalla referiert über Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom / Risiko für andere psychische Erkrankungen

Kreativität und Chaos im Kopf

Viernheim.Eckart von Hirschhausen, Jan Ullrich, Sascha Lobo, Britney Spears und Will Smith haben eins gemeinsam: Aus medizinischer Sicht sind sie alle verhaltensgestört. Dass die Diagnose Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom aber kein Stigma sein muss und die Erkrankung durchaus positive Seiten hat, erklärte der Viernheimer Heilpraktiker Kai Strugalla bei einem Vortrag in der Kulturscheune.

Zunächst stellte Strugalla den rund 20 Zuhörern die Symptome der beiden Ausprägungen ADS und ADHS vor: So hätten Betroffene Probleme mit der Aufmerksamkeit, der Impulskontrolle, könnten sich nur selten an Absprachen halten und hätten Schwierigkeiten bei der Priorisierung ihrer Aufgaben. „Man will immer alles gleichzeitig machen und verzettelt sich am Ende“, sagte der Heilpraktiker. Im Falle von ADHS käme noch Hyperaktivität dazu, die zusätzlich zu körperlicher Unruhe und innerer Getriebenheit führe. „Wie stark die Symptome beim Einzelnen ausgeprägt sind, ist aber ganz unterschiedlich.“

Die Ursache der Störung liege im Gehirn, führte Strugalla weiter aus. So würden wichtige Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin von den Synapsen zu schnell abgebaut: „Es kommt zu einem Datencrash, und die Betroffenen sind nicht mehr in der Lage, die Fülle an Informationen sinnvoll zu sortieren beziehungsweise ausreichend zu bewerten“, erklärte der Redner.

In Deutschland leiden zwischen fünf und sieben Prozent der Kinder an der Verhaltensstörung, wobei Jungen viel häufiger als Mädchen (4:1) betroffen sind. „Sie sind nicht faul oder dumm und schreiben nicht mit Absicht schlechte Noten“, betonte Strugalla. Den Kindern die Schuld an ihrem Verhalten zu geben, würde vielmehr dazu führen, „dass sie ihr Selbstvertrauen verlieren und die Situation für die Kinder und die Familie noch belastender wird, als sie sowieso schon ist“.

Mehr als die Hälfte wird süchtig

Besser sollte man offen über AD(H)S sprechen, Verständnis zeigen und gemeinsam durch Therapien oder Medikamenteneinsatz die Situation verbessern, machte er den Anwesenden deutlich. Gleiches gelte bei Beziehungsproblemen, die durch die Verhaltensstörung ausgelöst werden. Etwas mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder würden auch noch im Erwachsenenalter an AD(H)S leiden, wobei das Verhältnis Männer zu Frauen bei 1,5:1 liege.

Das Risiko, im Lauf des Lebens noch an einer anderen psychischen Störung zu erkranken, sei mit AD(H)S erhöht, sagte Sturgalle und nannte Zahlen: So erkranken unter anderem rund 40 Prozent an Depressionen, 50 Prozent an Angstzuständen und mehr als die Hälfte entwickelt eine Suchterkrankung.

Trotzdem habe AD(H)S auch positive Seiten. Die Betroffen seien in vielen Bereichen ungewöhnlich kreativ und loyal in Partnerschaft und Freundschaft, hätten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, seien fürsorglich und meist interessante Persönlichkeiten. „Wenn sie ihre Nische gefunden haben, können Menschen mit AD(H)S überdurchschnittlich erfolgreich sein“, erklärte Strugalla. Nicht jede Ausprägung sei behandlungsbedürftig. „Erst einmal ist AD(H)S eine besondere Art zu sein“, betonte er abschließend. cao

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