Viernheim

Kirche Türkisch-Islamischer Kulturverein darf im Gewerbegebiet bauen / Finanzierung durch Spenden der Mitglieder

Kreis genehmigt neue Moschee

Archivartikel

Viernheim.Der Neubau der Eyüp-Sultan-Moschee in der Fritz-Haber-Straße in Viernheim ist genehmigt. Das hat der Kreis Bergstraße auf Anfrage dieser Redaktion mitgeteilt. Abdulkerim Balci vom Vorstand des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Viernheim erklärte, die geplante Ausführung sei bewilligt worden. Weitere Angaben wie etwa über den Baubeginn könne er im Moment nicht machen, weil sich der Vereinsvorstand in Urlaub befinde, sagte Balci.

Zunächst müsse ein Nebengebäude abgerissen werden. Ob mit dem Neubau noch in diesem Jahr begonnen werden könne, sei ungewiss. Die Vorbereitungsarbeiten würden nach den Sommerferien beginnen.

Der Türkisch-Islamische Kulturverein als Träger hatte seine Absicht, eine neue Moschee zu bauen, 2017 öffentlich gemacht. Wie mehrfach berichtet, soll am Standort der bestehenden Moschee zwischen Fritz-Haber- und Max-Planck-Straße ein Nebengebäude abgerissen werden, um dem Neubau Platz zu machen. Die neue Moschee, so der Plan des Vereins, hat eine Grundfläche von 465 Quadratmetern. Vorgesehen sind drei Stockwerke und zwei Kuppeln von je etwa 16 Metern Höhe, das Minarett würde rund 24 Meter hoch. Es diene als Symbol und sei nicht begehbar, erklärte der Kulturverein.

Im Erdgeschoss sollen Büros, Sozial- und Waschräume untergebracht werden, der Gebetsraum, das Archiv und Unterrichtssäle im ersten Stock. Im dritten Stockwerk soll sich der Gebetsraum der Frauen sowie ein Spielzimmer befinden. Der Flachbau, in dem sich die bestehende Moschee befindet, soll für kleinere Veranstaltungen wie Empfänge und Seminare genutzt werden. Der Bauherr hat Kosten von mindestens 1,1 Millionen Euro kalkuliert. Das Geld soll durch Spenden aus dem Kreis der Vereinsmitglieder zusammenkommen. Der rund 150 Mitglieder zählende Verein rechnet bei Gebeten und Veranstaltungen mit bis zu 300 Besuchern. Wobei auf dem Gelände selbst sowie auf dem Platz eines kooperierenden Unternehmens in der Nachbarschaft ausreichend Parkfläche gegeben sei, sagte Vorstandsmitglied Abdulkerim Balci.

Der geplante Neubau im Gewerbegebiet hatte in Viernheim teils hohe Wellen geschlagen. Das Vorhaben wurde in der Bevölkerung sowie in der Kommunalpolitik kontrovers diskutiert, zumal die Viernheimer Moschee dem türkischen Dachverband DITIB angehört. Kritiker sehen in DITIB den verlängerten Arm der türkischen Staatsmacht in Deutschland. 2018 etwa hatte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ihre Kooperation mit dem umstrittenen Islamverband auf Eis gelegt, weil er der türkischen Regierung zu nahe stehe.

Baaß: Viernheimer Einrichtung

Viernheims Bürgermeister Matthias Baaß hatte bereits bei Bekanntwerden der Neubau-Absichten 2017 eine Lanze für den Verein am Ort gebrochen, und er tut dies heute noch. Zum einen habe er als Ortspolizeibehörde keinerlei Informationen über staatsfeindliche Umtriebe in der Moschee und ihrem Umfeld. Zum anderen habe sich der Türkisch-Islamische Kulturverein in den 27 Jahren seines Bestehens um die Integration überaus verdient gemacht, betonte Baaß. Der Bürgermeister bezeichnete die Eyüp-Sultan-Moschee als „Viernheimer Einrichtung“.

An den Kosten für seinen Neubau beteilige sich DITIB nicht, erklärte der Kulturverein.

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