Viernheim

Wildes Parken Bund für Umwelt und Naturschutz Viernheim fordert von der Stadt, Fußgänger und Radfahrer mehr zu berücksichtigen

„Kriminell wird es gegen Abend, spätestens ab 17 Uhr“

Viernheim.Eine Radfahrerin bahnt sich ihren Weg über den Bürgersteig in der Weinheimer Straße, vorne im Kindersitz sitzt ihr kleiner Sohn, mit etwas Abstand folgt die sechsjährige Tochter auf dem eigenen Rad. Nach einiger Zeit wird die Mutter langsamer, manövriert ihr Rad an einem schwarzen Audi vorbei, der auf dem Gehweg geparkt hat. Sie muss kurz anhalten, sich mit einem Fuß abstützen, um an Häuserwand und Auto vorbeizukommen. Für die 40-jährige Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, eine alltägliche Situation. „Wenn wir auf dem Gehweg unterwegs sind, müssen wir eigentlich immer ausweichen“, sagt die Frau, die in der Innenstadt wohnt und mit ihren Kindern an diesem Tag zum Einkaufen fährt. „Für kleine Kinder wie meine Tochter ist das oftmals schwer, weil sie noch nicht so präzise lenken können.“ Die Frau ergänzt: „Es hängt aber auch immer von der Tageszeit ab, gegen Feierabend wird es immer schwerer durchzukommen.“

Maßnahmenkatalog vorgestellt

Peter Dresen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Viernheim beobachtet die Situation für Fahrradfahrer und Fußgänger auf Viernheims Straßen – insbesondere auf den Bürgersteigen – schon länger und ist besorgt: „Die Situation ist zunehmend schlechter geworden. Schwierig wird es insbesondere, wenn Autos auf dem Gehweg parken und zusätzlich noch Verteilerkästen oder Verkehrsschilder im Weg sind. Kriminell wird es in vielen Durchgangsstraßen gegen Abend, spätestens ab 17 Uhr.“

Um das Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer erträglicher zu machen, fordert der BUND, die Bedürfnisse der Fußgänger und Fahrradfahrer künftig stärker zu berücksichtigen. Insbesondere bei engen Straßen sei auf „eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer zu achten“, wie es in einer Mitteilung des Vereins heißt. Um dies zu erreichen, schlägt der Ortsverband einen sechs Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog vor: In diesem heißt es unter anderem, dass der Abstand zwischen einem geparkten Auto und einer Häuserwand 1,50 Meter nicht unterschreiten dürfe und dass enge Straßen ohne Bürgersteige künftig in Spielstraßen umgewandelt werden sollen. Aktuell werden nach Angaben des Ordnungsamtes Bußgelder erst erhoben, wenn der Mindestabstand von einem Meter nicht eingehalten wird. „Wir wollen keine Revolution“, sagt Dresen. „Uns ist klar, dass dies nicht sofort umgesetzt werden kann, aber es wäre schön, wenn es Schritt für Schritt veranlasst werden würde.“ Dresen ergänzt: „Uns geht es vor allem darum, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Auch Eltern mit Kinderwagen oder Behinderte mit einem Rollstuhl sollen noch durchkommen.“ Der BUND hat seine Vorschläge für ein „fußgängerfreundliches Viernheim“ auch schon bei einem Treffen der Verkehrs-AG, zu der auch die städtische Verkehrsbehörde gehört, am 17. April vorgestellt. Der Verkehrs-AG gehören nach Angaben der Stadt öffentliche und private Institutionen mit Verantwortung für die Sicherheit im Straßenverkehr an. Nach Angaben von Dresen wurden die Vorschläge des Vereins „positiv angenommen“. Dies bestätigt auch Erster Stadtrat Jens Bolze: „Die Vorschläge des BUND passen sehr gut in die aktuelle Diskussion des Landes Hessen zu einer verbesserten Verkehrsmobilität. Sie sind nutzerorientiert und ergebnisoffen und werden bei der Bearbeitung des Mobilitätskonzeptes Berücksichtigung finden.“ Hierzu soll den Gremien in den nächsten Monaten Bericht erstattet werden.

Das Mobilitätskonzept wurde nach Angaben von Pressesprecher Hermann Wunderle von der Stadtverwaltung in Auftrag gegeben, um die Wege für Fußgänger zu verbessern und das Gehsteig-Parken in den Griff zu bekommen.

Kein Durchkommen mit Rollator

Auch Albert Brechtel, 85 Jahre alt, wünscht sich mehr Platz auf dem Gehweg. An diesem sonnigen Tag ist er, wie jeden Tag, mit seinem Rollator in der Weinheimer Straße unterwegs. Insbesondere in der angrenzenden „Blauehutstraße“ gebe es für ihn oft kein Durchkommen.

„Da stehen die Autos, insbesondere Kombis, so eng an der Wand, dass ich auf die Straße ausweichen muss“, berichtet Brechtel. Und jetzt, da in der Straße auch noch eine Baustelle ist, sei es „noch schlimmer als sonst“. Auch Gisela Lammer, 70 Jahre alt, ärgert sich oft über zugeparkte Gehwege – in der Oststadt, wo sie wohnt. „Da kommt kein Kinderwagen durch“, sagt sie. „Und auch als Radfahrer muss man sehr viel aufpassen.“

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