Viernheim

St. HiMi Pfarrer Stipinovich findet deutliche Worte beim Helferfest / Gottesdienst im Sozialzentrum

Kritik am „Zwangszölibat“

Archivartikel

Viernheim.Die Reihen der aufgestellten Bierzeltbänke waren dicht besetzt, als Pfarrer Angelo Stipinovich im Vorbereitungsraum der Tafel im Katholischen Sozialzentrum die Eucharistiefeier zelebrierte. Der mit rund 100 Personen recht gut besuchte Gottesdienst war der Auftakt zum diesjährigen Sommerfest der Ehrenamtlichen. Hier sagten in lockerer Atmosphäre die Hauptamtlichen der Gemeinde St. Hildegard/St. Michael den vielen ehrenamtlichen Helfern ein herzliches Dankeschön. Nach dem Gottesdienst gab es einen Sektempfang, der anschließend in ein gemütliches Beisammensein im aufgebauten Zelt bei Bratwürsten und gegrilltem Schafskäse überging.

Der Gottesdienst wich in mehrerer Hinsicht von gewohnten Gottesdiensten ab. Zum einen der etwas ungewöhnliche Ort: der mit einem Kreuz und einem Wandteppich geschmückte Vorbereitungsraum des Tafel-Ladens. Zum anderen aber auch durch sein Motto und den Inhalt der Predigt. Pfarrer Angelo Stipinovich hatte den Gottesdienst unter das Motto „Freiheit“ gestellt: „Wie werde ich frei?“.

Der erste Schritt zur Beantwortung dieser Frage war eine von Gemeindereferent Herbert Kohl erzählte Tierfabel aus Indien. In ihr lebte eine Kolonie von Fröschen in der Tiefe eines Brunnens. Ihre Welt bestand nur aus dem dunklen Schacht und dem oben zu sehenden hellen Himmel. Eines Tages wagte es ein besonders neugieriger Frosch, in einen Eimer zu springen, der zum Wasserholen heruntergelassen worden war. Selbstverständlich traf ihn der Bannstrahl der Verachtung der zurückgebliebenen konservativen Froschgemeinschaft. Schließlich kam er aber noch einmal zurück und erzählte den Fröschen von der wunderbaren Welt außerhalb des Brunnens. Ab dieser Zeit flohen immer mehr neugierig gewordene Frösche aus ihrer engen Gemeinschaft mit Hilfe der heruntergelassenen Eimer.

Darauf aufbauend kam Pfarrer Angelo Stipinovich auf drängende Probleme der katholischen Kirche zu sprechen. In ihr gelten viele Gesetze, die ursprünglich ihren Sinn hatten, die aber möglicherweise heute zu einem Hemmnis ihrer Entwicklung geworden sind.

Frauen als Priesterinnen?

Dies werde auch durch etliche Kindesmissbrauchsskandale deutlich (wie jetzt wieder in Chile und Irland). Zwar verurteile Papst Franziskus das Verhalten der Täter aufs Schärfste und kündigte eine rigorose Aufklärung an, doch gäbe es – so Stipinovich – auch systematische Ursachen, die in überkommenen Gesetzen der katholischen Kirche begründet seien. Hier nannte er insbesondere das „Zwangszölibat“ und die Weigerung der katholischen Kirche, Frauen als Priesterinnen zu ordinieren.

Die Freiheit beginne nicht beim Papst oder den Bischöfen, sondern bei jedem Einzelnen. Wenn sich die Gläubigen der katholischen Kirche nicht trauen, in den Eimer zu springen, werden sie ewig im Loch des Brunnens verharren, und so die wahre Freiheit nie kennenlernen. Jesus Christus predigte „Freiheit“ und versprach ein „Leben in Fülle“, zu dem die Freiheit unabdingbar gehöre; er wurde aber gekreuzigt, da er sinnlose Gesetze nicht eingehalten hatte. Stipinovich schloss seine Predigt mit dem Appell, die Kirche in größere Freiheit zu führen. In diesem Sinne dankte er den vielen freiwilligen Helfern in der Gemeinde, beim Sozialzentrum, in der Flüchtlingshilfe, der Caritas und in den vielen weiteren Gruppen der Gemeinde für ihren „Gottes-Dienst“. kos

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