Viernheim

Vernissage Doppelausstellung bis zum 30. Juni mit Arbeiten von Patricia Kranz und Annette Zobel in der Rathausstraße 36

Kunst aus Plastiktüten fasziniert

Viernheim.Die Arbeiten der beiden Künstlerinnen können kaum unterschiedlicher sein. So scheint es eine Spezialität von Fritz Stier, dem Leiter des Viernheimer Kunstvereins bei Doppelausstellungen zu sein, möglichst unterschiedliche Stilrichtungen in der Kunst zu vereinen. Dies ist ihm auch bei der Ausstellung „Pigment und Plastik“ gelungen.

Die Objektkünstlerin Patricia Kranz, wohnhaft in Sachsen-Anhalt, formt fantasievolle Raumobjekte aus Plastiktüten und Plastikfolien, während die Mannheimer Künstlerin Annette Zobel gemalte, einfarbige Flächen zueinander in Beziehung setzt. Neben der persönlichen Gemeinsamkeit, dass sie miteinander befreundet sind und in Mainz an der Kunstakademie studiert haben, lassen sich auch künstlerische und im sozialen Engagement begründete, Gemeinsamkeiten finden. Dies legte der Kunsthistoriker Dietmar Schuth bei seiner Einführung in die Ausstellung dem Publikum dar. Fritz Stier brachte bei seiner Begrüßung seine Freude zum Ausdruck, dass diese Ausstellung von dem künstlerischen Multifunktionalist Schuth eröffnet wurde. Schuth ist promovierter Kunsthistoriker und künstlerischer Leiter der Kunstvereine in Schwetzingen und Worms. Zudem betreibt er sein eigenes Privatmuseum in Schwetzingen, das ganz der Farbe Blau gewidmet ist.

Verpackung aus dem Handel

Bei Patricia Kranz legte er ihre Technik dar. Hauptmaterial sind handelsübliche Plastiktüten, die sie in Bahnen zerschneidet. Das so entstandene Netzwerk wird dann mit Heißluft angeschmolzen und mit ausgefeilten Wickeltechniken verformt. Oftmals werden daran auch Gegenstände wie Holzstücke oder Steine abgeformt.

Durch die bizarren Formen, die dadurch entstehen, überwindet sie ästhetisch die „schnöde Konsumwelt“ – so Schuth. So entstehen filigrane, skulpturale Objekte, denen auch etwas Zufälliges und Unvorhergesehenes innewohnt. In ihrer neusten Werkgruppe „Moult“ (im Obergeschoss zu sehen) verwendet sie Stretchfolie, die üblicherweise zum Verpacken gestapelter Palettenware genutzt wird. Diese wird dann mit Ausformungen von Natur- und Alltagsgegenständen wie Ästen, Steinen und Auspufftöpfen transformiert. So verweisen diese ständig auf das Spannungsverhältnis zwischen Künstlichem und Natürlichem.

Auch Annette Zoble aus Mannheim ist mit zwei Werkgruppen vertreten. Im Erdgeschoss hängen die „Grünen Bilder“ in denen sie selbst gemischte „grüne Erden“ Pigmente zu minimalistischen grünen (einfarbigen) Farbfeldern verarbeitet. Werden dabei Landschaften oder Gebäude sichtbar? Die Interpretation will die Künstlerin ganz dem Betrachter überlassen.

Wichtig ist allerdings hierbei die Konzentration auf die Farbe Grün. Sie ist nicht nur durch das Chlorophyll die häufigste in der Natur vorkommende Farbe, „Grün“ hat auch von allen Farben die beruhigendste Wirkung. Kein Wunder, dass sie auch die im Erdgeschoss liegende Matratze mit einem grünen Überzug versehen hat.

Annette Zobel hat sich aber auch viel Gedanken um die Rolle der aktuellen Malerei gemacht. In ihrer Werkgruppe „Rotationen“ (im ersten Obergeschoss) rotieren sechs Felder, welche aus drei Farben bestehen jeweils umeinander: Die Malerei dreht sich um sich selbst.

Beide Künstlerinnen verbindet ihr Interesse am Material sowie ihre Sensibilität für Farben. Bei beiden ist auch ein permanentes Schwingen zwischen bewusstem Schaffen und Zufälligkeiten auszumachen. Beide verbindet ebenfalls ihr soziales Engagement, indem sie die Zerstörung der Umwelt anprangern, die in eine globale Katastrophe führen könnte.

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