Viernheim

Club der Gemütlichen Prinzessin Melanie I. gibt ihre „Regierungserklärung“ ab

„Legt endlich los – bevor das Rathaus zusammenfällt!“

Archivartikel

Viernheim.Sie gehören zur Tradition der fünften Jahreszeit – die närrischen Paragrafen der Fastnachtsprinzessinnen. Beim Stadtempfang im Ratssaal gab Melanie I., Prinzessin des Clubs der Gemütlichen, ihre „Regierungserklärung“ ab.

§ 1: Dem Bürgermeister unserer Stadt sowie dem hohen Ministerium des CdG übertrage ich mit dem heutigen Datum die Verantwortung für die Durchführung meiner dienstlichen und närrischen Verfügungen und Befehle. Desweiteren ist Herr Matthias Baaß ab sofort bis zum Aschermittwoch als mein Erster Sekretär tätig. Da Viernheim zum dritten Mal hintereinander einen ausgeglichenen Haushalt präsentierte, darf der Landesschutzschirm verlassen werden. In der Hoffnung, dass auch im nächsten Jahr ordentlich gehaushaltet wird, können wir die Verantwortung für die Stadtkasse in den behördlichen Händen belassen.

§ 2: Im Jahre 1999 hat man sich das erste Mal mit der Sanierung des Rathauses befasst. Ja, im letzten Jahr hatte dieses Projekt 20-jähriges Jubiläum! Wie wir heute sehen, sind die Planungen noch nicht abgeschlossen. Es muss ja auch jedes Detail durchdacht werden. Wer will schon ein Desaster erleben, wie das Projekt Flughafen Berlin? Meine Anweisung lautet: Legt endlich los, bevor das Rathaus in sich zusammenfällt!

§ 3: Seit dem 1. August 2019 ist Bastian Kempf Erster Stadtrat von Viernheim. Wir, der Karnevalverein Club der Gemütlichen, wünschen Herrn Kempf für sein Amt viel Erfolg, Gesundheit und Schaffenskraft. Als Narren würden wir es dennoch begrüßen, wenn er, wie schon sein Vorgänger im Amt, für den ein oder anderen Bolzen sorgen könnte, um somit das Verfassen der künftigen Regierungserklärungen zu erleichtern.

§ 4: Die Ampelanlage im Kreuzungsbereich Berliner Ring/Karl-Marx-Straße/RNV-Schienen ist seit Monaten außer Betrieb. Wir wissen, dass dies nicht in der Verantwortung der Stadt Viernheim liegt. Es nervt trotzdem! Ich weise deshalb an, dass dort der Verkehr manuell geregelt wird. Hierfür ist der Elferrat der Großen Drei im Schichtbetrieb rund um die Uhr einzusetzen.

§ 5: Die Saarlandstraße: 30 Parkplätze sollen durch die Sanierung wegfallen. Nun soll das Konzept angepasst werden. Mehr Radwege, mehr Parkplätze, mehr Grün? Alles geht nicht! Ich ordne an, dass das neu überarbeitete Konzept alle Beteiligten mit einbindet. Aber ohne Kompromisse wird es nicht gehen.

§ 6: Immer mehr Viernheimer nutzen zur Fortbewegung das Fahrrad. Das ist nicht nur aus ökologischen Gründen sehr lobenswert. Allerdings scheinen manche Zeitgenossen nicht nur das Licht an ihrem Fahrrad, sondern auch das Gehirn ausgeschaltet zu haben, wenn sie mit ihrem Gefährt unterwegs sind. Hier ist nicht nur Polizei und Ordnungsamt gefragt, vielmehr sollte im Elternhaus, in Schulen und Vereinen erzieherisch auf die Verkehrsteilnehmer eingewirkt werden.

§ 7: In den letzten Monaten hat sich kein Begriff so stark entwickelt wie die Nachhaltigkeit. Wenn man nachforscht, landet man im 17. Jahrhundert. Damals wurde der Begriff auf die Waldwirtschaft übertragen. Sieht man die Schuldenberge in diesem Land, dann hat das nicht viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Es ist aber höchste Zeit nachhaltig zu handeln!

§ 8: „Marienkirche vor neuer Nutzung! Kindergarten im Gespräch!“ Ich denke, hier schießen die Spekulationen, wie so oft, weit über das Ziel hinaus. Eine Kita in einem denkmalgeschützten katholischen Gotteshaus, das ist schon visionäres Denken. Warten wir auf die nächsten Schlagzeilen. „St. Michael – Neues Vereinsheim der Großen Drei“ oder „St. Hildegard wird Viernheims Veranstaltungshaus, die Brundtland-Philharmonie“. Ich würde das Bürgerhaus sehr vermissen.

§ 9: Die Situation für alle Hallensportler hat sich extrem verschärft. Die Rudolf-Harbig-Halle ist wegen Bauschäden gesperrt, die Waldsporthalle wird saniert, und die Sporthalle der AMS ist nach einem Wasserschaden noch nicht nutzbar. Für eine sportbegeisterte Stadt wie Viernheim ein unzumutbarer Zustand. Ich weise alle Verantwortlichen an, mit Nachdruck an einer Entschärfung dieser Situation zu arbeiten. Oder St. Michael wird doch nicht das Vereinsheim der Großen Drei, sondern Viernheims neue Multifunktions-Sporthalle.

§ 10: Viernheims Vereinslandschaft befindet sich im Wandel. Vereine verschwinden, andere Vereine kämpfen um ihren Erhalt. Die zwei großen Sportvereine unserer Stadt, die Amicitia und der TSV haben sich bereits 2008 zusammengeschlossen. Nun bahnt sich ein weiterer Zusammenschluss an. Die Herolde, das Stadtorchester und das Musikcorps der Feuerwehr werden demnächst als Musik hoch drei gemeinsam den musikalischen Weg bestreiten. Dies sollte ein positives Signal für alle Vereine sein, gemeinsame Interessen zu bündeln und gewisse Wege gemeinsam zu gehen.

§ 11: Seit über 100 Jahren besteht der Club der Gemütlichen in Viernheim. Seit nunmehr 66 Jahren hat unser Verein aktive Tanzgarden. Wir sind stolz auf das Erreichte, wir haben nachhaltig gearbeitet. Aber was wären wir Fastnachter ohne Euch! Ohne Euch als Publikum, unsere Gäste und Unterstützer wäre das alles nicht möglich! Deshalb rufe ich Ihnen heute zu, feiern Sie mit uns unsere Viernheimer Fastnacht, besuchen Sie unsere Veranstaltungen, lassen Sie mit uns den Alltag und die Sorgen eine Weile nicht so wichtig erscheinen! red

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