Viernheim

Entwicklungshilfe Bouma Bazie informiert Jugendliche über Alltag in Burkina Faso

Lehrer berichtet von Dorfleben

Archivartikel

Viernheim.Bouma Bazie begrüßt andere gerne mit einem „Morsche“ in hessischem Dialekt. Der Lehrer für Metalltechnik und Deutsch stammt zwar aus Koudougou in Burkina Faso, wohnt aber schon viele Jahre in Deutschland. In Viernheim ist er immer wieder für den Afrikaverein Focus als Dolmetscher tätigt, wenn Besuch aus der Partnergemeinde Silly kommt.

Nun war Bazie in einigen Schulen der Metropolregion unterwegs, unter anderem auch an der Viernheimer Albertus-Magnus-Schule, und informierte dabei gut 1000 Schüler aus erster Hand über das Leben in seinem Herkunftsland. Er hat seine Kindheit in einem kleinen Dorf verbracht und ist deshalb mit den dortigen Sitten und Gebräuchen bestens vertraut.

Als zwanzigjähriger Stipendiat hatte er die Chance, bei der Höchst AG in Frankfurt eine Ausbildung als Industriemechaniker zu absolvieren. Dabei eignete er sich nicht nur die Fachkenntnisse in Metalltechnik, sondern auch die deutsche Sprache an. Bouma Bazie berichtete vom Alltagsleben in Silly, einer der armen ländlichen Regionen in Burkina Faso und beantwortete unzählige Fragen der Schüler.

Mehlbrei als Hauptmahlzeit

„Die Hauptmahlzeit besteht aus To, dabei wird Hirse- oder Maismehl in kochendes Wasser gerührt bis es einen festen Brei ergibt. Dazu tragen die Mädchen und Frauen auf dem Kopf das Wasser in Behältern, die 30 bis 40 Liter fassen, von den Brunnen und Wasserlöchern in die oft weit entfernten Gehöfte“, so Bazie. Der Vater und Chef der Familie würde nie auf die Idee kommen, sich selbst Trinkwasser zu holen, er beauftragt eines seiner Kinder oder seine Ehefrau damit. Dabei wird immer noch verunreinigtes Wasser aus selbst gegrabenen Wasserlöchern getrunken, was im besten Falle Magenschmerzen verursache. Dadurch könnten aber auch Krankheiten wie Typhus, Cholera und Bilharziose übertragen werden.

An der Berufsschule, an der er unterrichtet, fühlt sich Bouma Bazie privilegiert, da er nur gut 30 Schüler in einer Klasse hat. Grundschulklassen mit bis zu 120 Schülern sind in Burkina nämlich keine Seltenheit. Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Ländern ist in Burkina Faso die dort verbreitete Naturreligion ein verbindendes Element für die rund 60 verschiedenen Ethnien im Land. „Meine Mutter und meine Brüder sind katholisch, meine Cousins sind Muslime, ich bin evangelisch, trotzdem fühlen sich alle Burkinabé verbunden durch die Naturreligion, der mein Vater angehört“, verrät Bazie.

In den Klassen der Oberstufe wurden insbesondere Fragen zu politischen und wirtschaftlichen Themen angesprochen. Dabei ging es sowohl um den Export von Hähnchenteilen und Milchpulver aus der EU nach Afrika als auch um den Verfall der Weltmarktpreise für bestimmte Agrarprodukte, die laut Bazie so manchen Landwirt in den Ruin treiben. JR

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