Viernheim

Glaube Viernheims Christen feiern die Auferstehung Jesu Christi / Katholiken und Protestanten entzünden Osterfeuer / Verkaufsaktion der Emmaus-Gruppe

Licht vertreibt das Dunkel der Sünde

Archivartikel

Viernheim.Ein Pfarrer hat einen Termin beim Psychiater. Dieser will herausfinden, was ihn bedrückt und fragt: „Reden Sie im Schlaf?“ „Nein“, antwortete der Pfarrer. „Ich rede nur, wenn andere schlafen.“ Dies war einer von drei Witzen, die Markus Eichler beim Ostergottesdienst am frühen Morgen des Ostersonntags von der Kanzel herunter erzählte. Vorher war bei trockenem Wetter, in familiärer Runde auf dem Rasen vor der evangelischen Auferstehungskirche die Osterkerze am Osterfeuer entzündet und mit den Worten „Christus, Licht der Welt“ in die dunkle Auferstehungskirche getragen worden. Für Pfarrer Eichler ist die entscheidende Frage, wie Christen ihren Glauben und ihre Osterfreuden authentisch leben und miteinander teilen können?

„Ostern ist ein fröhliches Fest. Die Botschaft verändert Leben. Schenkt neue Hoffnung. Sie lässt befreit aufatmen. Lasst uns lebendig und fröhlich unseren christlichen Glauben bekennen. Denn Gott hat uns in seinem Sohn, Jesus Christus, zu einem neuen Leben befreit“. Die Auferstehung Jesus Christi nach seinem Tod am Kreuz ist das Zentrum und Fundament des christlichen Glaubens, so dass Abermillionen von Christen auf der ganzen Welt die Osterfeiertage festlich begehen.

Neun Stunden vorher hatten schon die Katholiken an der Marienkirche und vor St. Hildegard Osterfeuer entzündet. Pünktlich um 21 Uhr am Karsamstag hatte sich so eine große Schar von Gläubigen um die Rasenfläche zwischen der Marienkirche sowie dem Pfarr-und Jugendhaus versammelt. Pfarrer Ronald Givens und Kaplan Christian Kaschub, unterstützt von einer großen Schar Ministranten, entzündeten dort das hellleuchtende Osterfeuer. Mit den Worten „Das ist die Nacht, in der das Licht das Dunkel der Sünde vertrieben hat“, entzündete Pfarrer Givens die Osterkerze, die dann mit den Worten „Lumen Christi“ feierlich in die stockdunkle Marienkirche getragen wurde und diese mit ihrem Glanz erhellte.

In der Folge entfaltete sich ein katholischer Gottesdienst mit Eucharistiefeier mit der höchsten liturgischen Prachtentfaltung, deren die katholische Kirche fähig ist: Fünf Lesungen, die Allerheiligenlitanei, Gesang der Kantoren Schola mit dem Lied „Here I am“, Gebete, Fürbitten, Psalmen, Kirchenlieder und dies mit viel Weihrauch umhüllt. Schließlich segnete Pfarrer Dr. Givens auch das Taufwasser im Taufbecken in der Mitte der Marienkirche feierlich.

In seiner Predigt führte Pfarrer Givens die Negativbeispiele des Pharaos, der die Israeliten als Sklaven gefangen hielt, Abrahams, der seinen Sohn opfern wollte, des hohen Priesters Kajaphas, der das Pessachfest nicht gestört wissen wollte oder des Gouverneurs Pontius Pilatus, der keinen Aufruhr wollte, an. Diese Leute konnten nur Erfolg, haben, wenn andere darunter litten.

Gott braucht keine Opfer

„Damit sie leben, kostet es anderen das Leben.“ Aber heute Nacht stehe der auf, der fest daran glaubte, dass Gott keine Opfer braucht. Gott rief in dieser Nacht denjenigen ins Leben zurück, der nicht verletzt, sondern geheilt, der nicht geknickt, sondern aufgerichtet und nicht genommen, sondern Brot, Liebe, Vergebung und Hoffnung gebracht hat. „Heute Nacht ist die Nacht, in der wir uns entscheiden müssen, wem wir nachfolgen: dem Tod und seinen klugen Begründungen oder dem Leben und seinem Evangelium. Ostern ist die Gelegenheit, nachzudenken, was Jesus Christus so unverzichtbar für den christlichen Glauben und die Gläubigen macht. Eine kleine Minderheit der Christen, die sich „liberale Christen“ nennt, sieht in ihm einen Propheten – keinen Sohn Gottes – der das Reich Gottes gepredigt hat, das aus den Menschen selbst herauskommen werde. Gemeint ist damit, dass Gott da gegenwärtig und erfahrbar ist, wo Menschen aus dem Geist der Liebe handeln.

Wenn nun Gott, wie die christlichen Kirchen lehren, gütig, allwissend und allmächtig ist, was macht dann Jesus Christus zum unverzichtbaren Bestandteil des christlichen Glaubens? Das müsste der Kern der Osterbotschaft sein. Pfarrer Givens nennt hier ein entscheidendes Argument: „Es bedurfte eines Menschen – trotz der tödlichen Gefahr, in der er sich befand - der radikal darauf vertraute, dass die göttliche Botschaft wahr ist“. Pfarrer Markus Eichler betont zunächst, dass es in der Christologie so gut wie keine Unterschiede zwischen der evangelischen und katholischen Kirche gibt (beide glauben zum Beispiel an die Jungfrauengeburt und selbstverständlich gehen beide von der Dreieinigkeit Gottes mit Gottvater, Sohn und Heiliger Geist aus).

Jesus hat seinen Anspruch, Gottes Sohn zu sein, auch im Angesicht seines Todes, nicht aufgegeben. Er ist der Garant für die Erlösung der Gläubigen. Gott habe sich durch Jesus erfahrbar und sichtbar gemacht. Gott hat quasi ein Gesicht bekommen. Jesus ist sowohl der Retter als auch das Vorbild der Christen. Durch die Auferstehung hat Gott auch einen Beweis seiner Macht über den Tod erbracht – so Eichler.

Dass Christen an der Verwirklichung des Reichs Gottes aus den Menschen heraus arbeiten, dafür gaben die Frauen und Männer der Emmaus-Gruppe der Gemeinde Johannes XXIII. ein leuchtendes Beispiel. Gegründet aus einer Pilgerfahrt ins Heilige Land im Jahr 2007 verkaufen sie mehrmals im Jahr – an Weihnachten, beim Erntedankfest und an Ostern, selbst gebackenen Kuchen. So auch am Karsamstag vor St. Aposteln. Cornelia Wetzel erzählt die ergreifende Geschichte, wie sie damals das Beit Emmaus, ein Pflegeheim für behinderte und alte Menschen in Israel besuchten und feststellten, dass die Arbeit der dortigen Schwestern unverzichtbar ist. Seitdem spenden sie regelmäßig die Erlöse ihrer Verkaufsaktion, um die Arbeit dort zu unterstützen.

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