Viernheim

Albertus-Magnus-Schule Vortrag „Energievision 2050“ soll Hoffnung angesichts des Klimawandels machen / Redner leistet sich Fauxpas

„Machen Sie doch das Licht aus“

Archivartikel

Viernheim.Schlagwörter wie Klimawandel und CO2-Emissionen, Energiewende, Greta Thunberg oder Mikroplastik sind dem Großteil der Schüler an der Albertus-Magnus-Schule (AMS) ein Begriff. Was sich aber genau dahinter verbirgt und welche gesellschaftlichen Veränderungen mit dem Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, einhergehen müssen, ist vielen Jungen und Mädchen nicht klar. Das sagt Björn Wiele vom Verein Die Multivision, der mit dem bundesweiten Bildungsprojekt „Energievision 2050 – Unser Klima. Meine Energie. Deine Zukunft“ in der AMS Station macht. „Auch wenn die Jugendlichen diejenigen sind, die durch Fridays for Future das Thema in den Mittelpunkt der politischen Diskussion gerückt haben“.

Ziel des Vortrags mit Filmbeiträgen und anschließenden Diskussionen ist es, „Hoffnung zu vermitteln, aufzuzeigen, dass CO2-Neutralität möglich ist und jeder einen Beitrag leisten kann und muss“, betont Wiele. Damit steigt der Politikwissenschaftler auch schon zu Beginn seines Vortrags ein, an dem in drei Gruppen insgesamt rund 750 AMS-Schüler teilnehmen.

Als einen Projektträger der Bildungskampagne stellt er die Initiative „Plant for the Planet“ vor, die sich weltweit dem Pflanzen von Bäumen verschrieben hat, um durch deren Wachstum CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Es geht ein beeindrucktes Raunen durch die Aula, als der Moderator erzählt, dass ein neunjähriger Schüler nach einem Referat die Idee dazu hatte und seit 2007 im Rahmen seines Projekts schon über 15 Milliarden Bäume gepflanzt wurden. Viel Applaus erntet Philipp Granzow vom Viernheimer Brundtlandbüro, das gemeinsam mit den Stadtwerken Sponsor der Veranstaltung ist. Er berichtet den Schülern vom 25-jährigen Klima-Engagement in der Stadt und wie durch Windkraft, Wärmedämmung und Solaranalgen auf den Dächern die Treibhausgase reduziert wurden.

Reaktion auf negative Ereignisse

Die beiden Redner wollen deutlich machen, dass jeder auch mit kleinen Maßnahmen etwas bewirken kann, man müsse nur die Initiative ergreifen. Das vermitteln auch die Filmbeiträge, in denen zum Beispiel eine Jugend-forscht-Gewinnerin ihren langlebigeren Akku vorstellt, mit dem sich Ökostrom gut speichern lässt. „Leider reagieren wir Menschen auf negative Nachrichten immer viel stärker als auf positive“, macht Wiele deutlich. Oft brauche es erst große Katastrophen, bis die Leute erkennen, dass sie etwas ändern müssen. „Aber dann ist es zu spät. Ein ,weiter so‘ darf es nicht geben.“

Jeder sollte sich die weltweiten Folgen des Klimawandels deutlich bewusstmachen, aber deshalb keinesfalls in den Gedanken verfallen: Das bisschen, was ich machen kann, nützt doch sowieso nichts. Granzow erklärt, dass auch in Deutschland die Sommer immer heißer werden. „In Brandenburg und Niedersachsen sind die Ernteerträge massiv eingebrochen. Wir haben hier das Geld, um uns Importe leisten zu können, die Regale sind trotz zweijähriger Dürre voll mit Brot. In ärmeren Ländern müssen die Menschen dagegen hungern.“

Während die Filmclips laufen, ist das Licht in der Aula aus. Aber sobald sie zu Ende sind, schaltet Wiele die Lampen wieder ein. „Machen Sie doch das Licht aus, es ist hell genug hier drin“, bittet ihn Zehntklässlerin Elisabeth. Wiele verneint – „ich muss doch sehen, wer sich meldet“ – und lässt sich auch nicht umstimmen, als ein anderer Schüler ihn nochmals dazu auffordert. Elisabeth kann das nicht verstehen: „Wir hätten doch einfach die Vorhänge weiter aufziehen oder uns hinstellen können, statt uns zu melden, das hätte er bestimmt gesehen. Es wäre auf jeden Fall auch ohne Licht gegangen“, sagt sie im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“. Schließlich habe die Botschaft des Vortrags gelautet, dass selbst die kleinsten Maßnahmen in der Summe relevant sind.

Von diesem Fauxpas abgesehen, fällt die Rückmeldung der Schüler aber positiv aus. „Ich fand den Vortrag gut, obwohl mir die Fakten bekannt sind“, sagt Fabius. „Dass sie mit Zahlen und Grafiken verdeutlicht wurden, hat mich aber noch mal zum Nachdenken angeregt.“ Er wolle jetzt weniger Fleisch essen und würde auch den vorgestellten Burger aus Insekten probieren. „Aber ich glaube, wir ändern uns erst wirklich, wenn auch hier der Meeresspiegel steigt.“ Dem widerspricht Finja: „Meine Schwester und ich haben unsere Eltern schon dazu gebracht, Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt statt im Supermarkt zu kaufen und auch darauf zu achten, weniger Plastik zu verbrauchen.“

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