Viernheim

Mehr als Stein und Stuck

Mit der Frage, wie nicht mehr gebrauchte Kirchengebäude in Zukunft genutzt werden sollen, müssen sich die Verantwortlichen in den Bistümern immer häufiger beschäftigen. Mehrere hundert katholische Gotteshäuser wurden in Deutschland seit der Jahrtausendwende unter anderem aufgrund sinkender Mitgliederzahlen aufgegeben. Weitere sollen folgen. Dass die in Teilen noch aus dem 17. Jahrhundert stammende Marienkirche in diesem Zusammenhang auftaucht, ist allerdings bemerkenswert. Denn in den vergangenen Jahren wurden zumindest in Westdeutschland fast nur Gotteshäuser geschlossen, die im 20. Jahrhundert errichtet worden waren.

Eher traurig sind die Ideen, die für die Zukunft der Marienkirche genannt werden. Mit den Plänen für ein Meditationszentrum verfolgt Werner Gutperle ein ähnliches Ziel wie die Verantwortlichen in der Viernheimer Pfarrgruppe, die eine Nutzung als Kindertagesstätte ins Spiel gebracht haben: Sie alle wollen die Kirche als Bauwerk erhalten.

Die Marienkirche ist aber weit mehr als Stein, Holz und Stuck. Ihre Bedeutung für die Viernheimer Bürger besteht auch in ihrer jahrhundertelangen und noch immer andauernden Nutzung als Gotteshaus. Zahlreiche Menschen wurden dort getauft, haben geheiratet oder waren wie Gutperle Messdiener.

Mit den damit verbundenen schönen Erinnerungen begründet der Unternehmer auch seine Bereitschaft, sich für den Erhalt der Marienkirche einzusetzen. Diese Erinnerungen hätte er jedoch weder in einem Meditationszentrum noch in einer Kindertagesstätte sammeln können. Und selbst wenn, wie er sagt, bei einer Erhaltung der jetzigen Funktion irgendwann nur noch „fünf Leute“ in der Marienkirche sitzen: Sie wäre trotzdem noch immer eine Kirche.

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