Viernheim

Interview Vom Abitur an der AMS bis zur Foto-Reise nach Kuba / Thomas Hofmann zeigt seine Bilder in der Kulturscheune

"Menschen sind herzlich und gastfreundlich"

Archivartikel

München/Viernheim.Arbeiter der Cohiba-Zigarrenfabrik oder Langustenfischer, gemütliche Mütter oder lachende Kinder: Das wahre Kuba kann man ab morgen in Bildern erleben. Der gebürtige Viernheimer Thomas Hofmann stellt rund 40 großformative Fotos aus, die bei einer Reise 2014 entstanden sind. Faszinierende Landschaften und aussagekräftige Porträts bringen das kubanische Lebensgefühl nach Viernheim - und das der Kulturscheune als einer ehemaligen "Tabakscheune", was hervorragend zu Kuba und Zigarren passt. Im Vorfeld der Ausstellung hat der "Südhessen Morgen" mit Hofmann gesprochen.

Wie kommt ein Marketing-Fachmann dazu, eine Foto-Ausstellung über Kuba auf die Beine zu stellen?

Thomas Hofmann: Fotografie hat mich immer interessiert, während meiner Schulzeit in der Albertus-Magnus-Schule war ich in der Foto-AG. In meinem Beruf hatte und habe ich immer wieder Kontakt mit der Materie, mit Fotos und der Wirkung von Bildern. Selbst zur Kamera gegriffen habe ich erst wieder, um die Familie zu fotografieren. Und richtig los gelegt habe ich 2014, als es relativ spontan nach Kuba ging.

Sie waren dann mehrere Wochen auf Kuba. Wie kam es zu der Reise?

Hofmann: Ich habe bei einer Veranstaltung einen Journalisten getroffen, wir sind über Fotografie und Reisen ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir, dass er seit 15 Jahren regelmäßig nach Kuba fliege und gerade wieder eine Reise plane. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich mich entschieden, mitzufahren. Kuba stand auf meiner Reise-Wunschliste ohnehin weit oben, und es reizte mich, das Land mit dem persönlichen Zugang des Kollegen kennenzulernen. Meine Eindrücke wollte ich auf jeden Fall auch in Bildern festhalten, ich hatte mir sogar eine neue Kamera gekauft. Ich hatte nur einen groben Plan. Aber schon Kurt Tucholsky sagte: "Entwirf deinen Reiseplan im Großen - und lass dich im Einzelnen von der bunten Stunde treiben". Nirgendwo geht das besser als auf Kuba.

Auf viele Bilder schaut man und erkennt sofort: Das ist Kuba. Wie haben Sie das typische Kuba in Bildern eingefangen? Was macht Land und Bewohner ihrer Meinung nach aus?

Hofmann: Es war gar nicht so schwer, das Lebensgefühl in Bildern festzuhalten. Eine Fotografie eines Ortes oder einer Reise ist ja nichts als die Reflexion einer persönlichen, inneren Erfahrung. Es hilft, wenn man mit den Menschen ein bisschen ins Gespräch kommt. Vor allen Dingen die Porträts werden dann besser, wenn sich die Personen nicht "abfotografiert" fühlen, sondern tatsächlich porträtiert. Die Fotos sind nicht gestellt, aber auch keine richtigen Schnappschüsse. Die Menschen haben wahrgenommen, dass ich sie fotografiere. Einige haben sich in Pose geworfen, die meisten sind einfach in der Situation geblieben - wie der Tabakbauer zum Beispiel, der stolz seine Arbeit macht.

Haben Sie ein Lieblingsbild?

Hofmann: Ich hatte mehrere hundert Bilder von der Reise, und habe 40 für die Ausstellung ausgewählt. Das sind also alles "Lieblingsbilder", die Kuba auch umfassend darstellen, wie ich es erlebt habe. Generell mag ich die Porträts, weil die Menschen mit ihrer Ausstrahlung wichtig für das Gesamtbild sind, aber auch das Bild des roten Oldtimers, vor den Kolonialbauten.

Welche Eindrücke haben Sie aus Kuba mitgenommen, wie sehen Sie die Situation des Landes?

Hofmann: Die Menschen sind natürlich, herzlich und gastfreundlich - so habe ich die Kubaner erlebt. Trotz einfacher Verhältnisse und schwieriger Bedingungen geht es ihnen gut. Sie haben keinen mitteleuropäischen Komfort, aber sie lieben ihr Leben. Das war mein Eindruck. Auch wenn es in Havanna teilweise beengte Wohnverhältnisse gibt, muss keiner hungern. Das Gesundheits- und das Bildungssystem stimmen auch, also funktioniert das Gemeinwesen ganz gut. Heute steht Kuba auch mehr in der Öffentlichkeit: Der Papst war dort, Barack Obama und die Rolling Stones auch. Das Interesse an Kuba ist groß - ich hoffe deshalb, dass auch meine Bilder gern und viel betrachtet werden.

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