Viernheim

Gesundheit Elf städtische Einrichtungen erhalten Defibrillatoren /Johanniter weisen Mitarbeiter ein

„Minuten sind entscheidend“

Viernheim.Im Rahmen des Projekts „Viernheimer retten Leben!“ hat die Verwaltung elf städtische Einrichtungen mit Defibrillatoren ausgestattet. Die jeweiligen Mitarbeiter nahmen die Geräte im Rathaus in Empfang. Dabei wiesen der Notfallsanitäter Christian Blaufuß und Roger Deuser, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Viernheimer Hilfsorganisationen (AVH) und Ortsbeauftragter der Johanniter-Unfall-Hilfe, sie in die Benutzung der Geräte ein.

Beim Öffnen des Defibrillators wird der Nutzer automatisch Schritt für Schritt durch eine elektronische Stimme angeleitet. Sobald die Elektroden eines Geräts am Oberkörper eines Patienten angebracht sind, analysiert es den Herzrhythmus.

„Der Defibrillator erkennt selbstständig, ob ein Herzkammerflimmern oder ein Herzstillstand vorliegt“, erklärt Deuser im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“. Wenn eine Person plötzlich leblos zusammensacke, sei in einer Vielzahl der Fälle Kammerflimmern die Ursache. „Dabei schlägt das Herz mit einer Frequenz von mehr als 200 Schlägen pro Minute statt der üblichen 60 bis 80.“ Der Defibrillator helfe durch Impulse, den normalen Rhythmus wiederherzustellen. Ebenso könne er bei einem Herzstillstand einen Schock abgeben, der das Organ wieder zum Schlagen bringe.

„Als Ergänzung ist aber immer eine Herzdruckmassage und gegebenenfalls Beatmung notwendig“, erklärt Deuser. Vor allem sei Schnelligkeit gefragt. „Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff sterben die ersten Gehirnzellen ab. Danach sinkt die Chance, den Patienten zurückholen zu können, mit jeder Minute um zehn Prozent.“ In der Regel sei im Körper zwar noch genug Sauerstoff vorhanden, um das Gehirn bis zum Eintreffen des Notarztes zu versorgen. Das Problem sei aber, dass der Sauerstoff nicht transportiert werde, wenn das Herz nicht mehr richtig schlage.

Derzeit gibt es laut Deuser 23 öffentlich zugängliche Defibrillatoren in Viernheim. Bis zum Jahresende sollen es 30 werden. „Die Chancen dafür stehen gut, da sich zum Beispiel immer wieder Unternehmen, die die Geräte anschaffen, bei uns melden.“

Die neuen Defibrillatoren sind laut Stadt im Eingangsbereich des Rathauses, im Bürgerhaus, in der Kulturscheune, auf dem neuen und dem alten Friedhof, beim Stadtbetrieb, in der Seniorenbegegnungsstätte, im Treff im Bahnhof, im Museum, im Familiensportpark West und im Waldstadion verfügbar. „Ein weiteres Gerät kann für Veranstaltungen, zum Beispiel von Vereinen, bei der Stadt ausgeliehen werden“, berichtet Deuser.

Hinweisschilder angebracht

Laut Verwaltung werden, sofern nicht bereits geschehen, in den nächsten Tagen Hinweisschilder an den Eingangstüren beziehungsweise Schaukästen der Einrichtungen angebracht. Sobald die Geräte montiert sind, werden sie im Internet von der AVH registriert. Die genauen Standorte können dann bei Bedarf schnell über die Seite www.defikataster.de ausfindig gemacht werden.

Das Projekt „Viernheimer retten Leben!“ wurde im November 2018 von der AVH in Zusammenarbeit mit der Stadt ins Leben gerufen. „Der Bürgermeister ist damals auf uns zugekommen“, erinnert sich Deuser. Auch bei der Übergabe der Geräte im Rathaus erklärte Matthias Baaß: „Leider gibt es in Viernheim noch zu wenige öffentlich zugängliche Defibrillatoren, die bei Notfällen Menschen retten können. Das wollen wir ändern.“

Außer in städtischen Einrichtungen finden sich Defibrillatoren in der Hauptfiliale der Sparkasse Starkenburg in der Schulstraße, in der Waldsporthalle, in der Rudolf-Harbig-Halle, im Hallenbad beziehungsweise im Waldschwimmbad, bei der Feuerwehr, im Bowling-Center, im Rhein-Neckar-Zentrum (bei der Kundeninformation und bei der Rhein-Neckar-Apotheke), in der Zahnarztpraxis Günter Hook in der Rathausstraße, beim Golfclub Mannheim-Viernheim sowie beim Tanzsportclub Rot-Weiss.

Standorte weiterer Defibrillatoren können bei Alexandra Busalt unter Telefon 06204/98 82 38 oder per E-Mail an abusalt@viernheim.de gemeldet werden.

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