Viernheim

Apostelplatz Biker trotzen Wind und Nieselregen beim Treffen mit Pfarrer Givens / Idee entstand in Viernheim vor 30 Jahren

Mit Gottes Segen in die neue Motorradsaison

VIERNHEIM.„3, 2, 1,…“: Klaus Bauer zählt den Countdown herunter. Und auf Kommando starten dann rund 40 Motorradfahrer ihre Maschinen. Die Scheinwerfer gehen an, es riecht nach Benzin, die Motoren röhren und knattern - für einen Moment herrscht ohrenbetäubender Lärm auf dem Apostelplatz.

Die beeindruckende Kulisse macht für einen Moment auch das Wetter vergessen. Es ist alles andere als freundlich. Bei der 30. Motorradsegnung in Viernheim sind die dicke Lederkluft mit Schutzjacke und Helm ganz praktisch, denn es ist kalt und windig und immer wieder setzt leichter Nieselregen ein. Trotzdem haben es sich viele Biker nicht nehmen lassen, mit ihren heißen Öfen in die Innenstadt zu kommen.

„Sie wollen ihr Fahren unter den Segen Gottes stellen“, freut sich Pfarrer Ronald Givens über die doch stattliche Zahl an Motorradfahrern. Zwischen Rathaus und Apostelplatz sind die Motorräder aufgestellt – schwere Zweiräder von BMW oder Honda, glänzende Harley-Davidsons oder sportliche Kawasaki-Maschinen. Vor 30 Jahren ist die Idee zur Motorradsegnung entstanden, 1990 wurden die Fahrer der heißen Öfen zum ersten Mal gesegnet. „Wer war denn damals schon dabei und seitdem ununterbrochen?“, fragt Klaus Bauer in die Runde. Tatsächlich ist der Organisator von damals und heute der einzige, der auch die 30. Auflage mitmacht. Immer wieder sind in vergangenen Jahren neue Biker dazu gekommen. Diesmal sind gleich fünf oder sechs Motorradfahrer das erste Mal dabei - das zeigt, dass die Idee von damals immer noch zeitgemäß ist. In der Gaststätte „Deutsches Haus“ wurde sie geboren, in den Wintermonaten 1989/90 erarbeiteten der damalige Kaplan Bernhard Gugerel, Klaus Bauer und Michael Wunderle ein Konzept für die erste Segnung am 13. Mai 1990 aus. Aufgrund der großen Resonanz wurde die Motorradsegnung beibehalten und Jahr für Jahr mit immer wieder wechselnden Geistlichen vorbereitet. Jährlich nutzen viele Biker die Möglichkeit, sich den Segen Gottes für die anstehende Saison abzuholen. Nach christlichem Verständnis kann man nämlich nur Menschen segnen, nicht aber unbeseelte Dinge – Autos, Maschinen, Bauwerke oder eben Motorräder.

Kaffee bei den Johannitern

Zum Segen für die Fahrsaison 2019 hat Pfarrer Givens ein Bild mitgebracht: Herzen, die als Graffiti auf Verkehrszeichen gesprüht wurden. „Sie sollen zeigen, dass man beim Fahren mit dem Herzen dabei sein soll. Aber auch daran erinnern, welche Herzen darauf warten, dass man wieder heil zuhause ankommt“, mahnt der Geistliche zu begeistertem, aber auch vorsichtigem Fahren auf Straßen und Autobahnen.

„Fahret hin in Frieden“, schickt Pfarrer Givens die Biker nach dem Segen auf die gemeinsame Ausfahrt. Allerdings wird die geplante Tour wegen des Wetters ein bisschen verkürzt. Und so freuen sich die Motorradfreunde schon früher auf Kaffee und Kuchen in der Rettungswache der Johanniter - die Teile ihrer Motorradstaffel natürlich auch zur Segnung geschickt hatte. su

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