Viernheim

Bildung Hochkarätig besetzter Kammermusikabend zum Thema „Herbstromanze“ in der Aula der Albertus-Magnus-Schule

Mit viel Spielwitz interpretiert

Viernheim.Der November ist allgemein für sein eher tristes Wetter bekannt – wer sich an der Albertus-Magnus-Schule (AMS) auskennt, weiß aber, dass der stets im November stattfindende Kammermusikabend einen bunten Kontrast zum trüben Herbstwetter setzt. Auch in diesem Jahr stellte Martin S. Gehrling, stellvertretender Schulleiter und Musiklehrer an der AMS, wieder ein hochkarätig besetztes Programm zusammen. Getreu dem Motto „Herbstromanzen“ lag der Fokus dabei auf Werken der Romantik. Volkslieder, klassische Werke und Filmmusik rundeten das Konzertprogramm ab.

Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen sowie Lehrer, Ehemalige und Gäste traten wie gewohnt bunt gemischt auf der Bühne in der Aula der Schule auf. Sophia Kramer aus der fünften Klasse eröffnete den Kammermusikabend furios am Klavier. Sie spielte zunächst das „Allegro“ aus Mozarts Sonate in C-Dur. Dabei stach den Besuchern die große technische Finesse und Bühnensicherheit der jungen Künstlerin ins Auge: Sie meisterte schnelle Läufe und spannungsgeladene Passagen mit Bravour. Auch Burgmüllers „Spinnerlied“ interpretierte sie mit Spielwitz und überzeugte mit souveränem Auftreten.

Christian Pawin spielte an der Viola in Begleitung seiner Mutter Ludmila am Klavier Johann Kalliwodas romantische „Nocturne“. Dabei gelangen dem jungen Künstler die Variationen in Spannung und Intensität besonders gut. Denise Albert trug an der Violine in Begleitung von Xenia Scharf Oskar Riedings „Konzert in h-Moll“ vor, dabei setzte sie auch in anspruchsvollen Passagen ihr „Vibrato“ gut in Szene und harmonierte gut mit der Klavierstimme.

Talentierte Solisten

Eine besonders stimmungsvolle Darbietung gelang Natalja Timer mit Chopins „Regentropfen-Prélude“ am Klavier, das Publikum konnte hier das Plätschern der Wassertropfen förmlich spüren. Natalja stellte ihre Vielseitigkeit gleich im nächsten Beitrag unter Beweis, als sie vom Klavierhocker an die Akustikgitarre wechselte: In Begleitung von Svetlana Schwandt spielte sie passend zum Motto des Abends Vicente Gomez‘ „Romance de amor“, wobei die beiden Künstlerinnen das spanische Temperament der Komposition gut zur Geltung brachten.

Erste Bühnenerfahrung beim Kammermusikabend konnten mit Finn Sprenger an der Gitarre, Richard Scharf am Akkordeon und Emilia Träger am Klavier gleich drei Sextaner sammeln. Auch Finja Kempf am Klavier überzeugte mit Yann Tiersens bekannter Komposition „Comptine d‘une autre été“ aus dem Film „Die zauberhafte Welt der Amélie“.

Ein besonderer Höhepunkt des Konzerts stellte der Auftritt des ehemaligen Schülers Jamie Creek am Kontrabass dar. In Begleitung von Martin S. Gehrling am Klavier präsentierte er Johann Baptist Vanhals „Konzert in E-Dur“. Dabei glänzte Creek mit technischer Brillanz und meisterte die teils sehr großen Sprünge auf dem Griffbrett des großen Streichinstrumentes mit Leichtigkeit. Auch in schnellen Passagen glänzte er mit viel Ausdruck, bei Frage-Antwort-Passagen variierte er Dynamik und Intensität und ließ die Zuhörer an der Dramatik des Werkes teilhaben.

Als Solist interpretierte Gehrling Leopold Godowskys „Wienerisch“, dabei gelangen ihm bei dem virtuosen Werk die Wechsel zwischen träumerischen und energischen Passagen besonders gut. Magdalena Gehrling spielte in Begleitung ihres Vaters Gabriel Faurés „Berceuse“ auf der Violine. Dabei brachte sie den verträumten und schwärmerischen Charakter des Werkes zur Geltung. Auch Amelie Hoppler zauberte bei Chopins berühmter „Nocturne Es-Dur“ am Flügel eine verträumte Stimmung in die Aula und glänzte dabei in den zahlreichen verspielten Passagen mit Leichtigkeit und Ausdrucksstärke.

Politischer Abschluss

Geschichtslehrer Jürgen Tunn brachte mit zwei politischen Liedern passend zu den kürzlich begangenen Gedenktagen angesichts der Schrecken zweier Weltkriege nachdenkliche Töne ins Konzert ein. So sang er Hans Drachs 1935 geschriebenes Lied „Mein Vater wird gesucht“, welches von der brutalen Repression der NS-Diktatur handelt.

Bertold Brechts 1943 im Exil geschriebenes „Lied von der Moldau“ interpretierte Tunn mit Leidenschaft und Hingabe und brachte dabei den melancholischen Charakter des Werkes zum Ausdruck. Zum Abschluss eines facettenreichen Konzertabends spielten Martin S. Gehrling und Musiklehrerin Martina Weis mit Schostakowitschs „Walzer“ noch ein zeitgenössisches Werk, welches zum Thema passte und das Konzert stimmungsvoll abrundete.

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