Viernheim

Kultur Apostelspielschar und Starkenburg Philharmoniker präsentieren bei Pfingstfestspielen Premiere der Operette „Frau Luna“ / Flotte Meldodien

Musikalische Reise zum Mond begeistert

Viernheim.Die fast in Vergessenheit geratene Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke haben die Apostelspielschar und die Starkenburg Philharmoniker für ihre Pfingstfestspiele mit neuem Leben erfüllt. Mehr als 100 Jahre nach der Uraufführung des Stücks kam die glänzende Inszenierung beim Publikum sehr gut an. Im Gegensatz zu den Wiener Operetten mit Sonne, Wein und Walzerseligkeit präsentiert Linckes Berliner Komposition flotte Melodien in mitreißendem Marschrhythmus. Lincke prägte damit die aus der Lokalposse entstandene Operette der Hauptstadt.

Mit der Ouvertüre laden Günther Stegmüller und die Starkenburg Philharmoniker das Publikum zu einem Besuch Berlins in der Zeit um 1900 ein. Man lernt in der Mansardenwohnung des Mechanikers Fritz Steppke (Markus Busalt) dessen Freunde, den Schneider Lämmermeier (Engelbert Renner), den Pensionär Pannecke (Martin Ringhof) sowie die Witwe Pusebach (Sigrid Haas) kennen.

Dieses Quartett gestaltet im Wesentlichen den ersten Akt. Schon hier bewundert man die heiteren Dialoge, die fröhlichen Gesangsszenen und die resoluten Einwände der Frau Pusebach gegen die Pläne Steppkes. Er hat ein Fluggerät gebaut, mit dem er und seine beiden Freunde zum Mond fliegen wollen. Nach den nötigen Vorbereitungen hebt das Mondgefährt schließlich ab, wobei im letzten Augenblick auch Frau Pusebach noch aufspringt.

Nach ihrer Landung erfahren die Berliner Besucher zu ihrer Überraschung, dass der Mond nicht von einem Mann, sondern von der zauberhaften Frau Luna (Rebecca Käser) regiert wird. Zu ihrem Hofstaat gehören der Haushofmeister Theophil (Harald Hofmann), die Zofe Stelle (Stephanie Käser), das originell verpackte Mondgroompaar (Gerlinde Schmitt-Helfferich und Richard Werle) sowie eine Mondelfe und ein Mondelf (Eva Gutperle und Nick Sykora). Willkommene Gäste sind Venus und Mars (Eva-Maria Renner und Maren Mai) sowie als Stargast Prinz Sternschnuppe (Clemens Knapp) in seinem Sphärenauto. Alle Männer sind in Frau Luna verliebt, die jedoch besonderen Gefallen an Fritz Steppke findet. Es herrscht viel Eifersucht.

Schmachtender Prinz

Erst als Prinz Sternschnuppe mit seinem Sphärenauto auch noch Steppkes Verlobte Mariechen (Veronika Käser) auf den Mond holt, lösen sich die Spannungen. Mariechen bekommt ihren Fritz Steppke, Mathilde Pusebach ihren Pannecke und Frau Luna erhört endlich den schmachtenden Prinz Sternschnuppe. Bei dem turbulenten Geschehen wirbeln auch Tänzerinnen in fantasievollen Kostümen sowie Sterne und Planeten über die Bühne.

Da sich das Orchester nicht vor, sondern neben der Bühne befindet, ist es für Stegmüller besonders schwer, Musiker und Sänger zusammen zu führen. Doch es gelingt ihm perfekt. Da merkt man die Musizierfreude der Starkenburg Philharmoniker, die den Schwung der Handlung mit vertrauten Melodien und Ohrwürmern untermalen. Und schon singen viele Besucher leise mit: „Lass’ den Kopf nicht hängen“, „Berliner Luft, Luft, Luft“, Schlösser, die im Monde liegen“, „Ist die Welt auch rund und schön“ , „Oh Theophil, oh Theophil, du bist mein Alles in der Welt“.

Das Publikum bestaunt die schönen Stimmen und die sichere Szenengestaltung der Darsteller, erfreut sich an Soli, Duetten, Terzetten und großen Chorpartien, umgeben von einem attraktiven Bühnenbild und einer aufwendigen Ausstattung mit originellen Kostümen.

Die Inszenierung von Birgit Käser ist erfüllt von Berliner Schwung, den nicht nur die Hauptdarsteller, sondern auch die Szenen mit allen Mitwirkenden haben. Käser erzählt mit der Inszenierung ein heiteres Operetten-Märchen, sehr zur Freude des Publikums. Jürgen Gutperle wies bei seiner Begrüßung darauf hin, dass der Ertrag aus den drei Vorstellungen im Pfarrgarten für die Innenrenovierung der Apostelkirche verwendet wird und dankte allen Beteiligten.

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