Viernheim

Islam Gemeinsames Fastenbrechen in der Eyüp-Sultan-Moschee / Türkischer Generalkonsul Burak Kararti und Bürgermeister Matthias Baaß sprechen

Muslime gedenken schicksalhafter Nacht

Archivartikel

Viernheim.Als die Sonne untergeht, ruft Imam Irfan Isik zum Abendgebet. Die Gemeindemitglieder in der Eyüp-Sultan-Moschee beten leise mit. Dann beginnt das Fastenbrechen, es wird gegessen und getrunken. Der türkisch-islamische Kulturverein Viernheim lädt an den Wochenenden im Fastenmonat Ramadan zum gemeinsamen Fastenbrechen in die Moschee ein. „Das macht jede islamische Gemeinde anders“, erzählt Ahmet Dogan vom Vorstand des Vereins, „wir feiern und beten immer freitags, samstags und sonntags gemeinsam. Das stärkt die Gemeinschaft.“

Nach Geschlechtern getrennt

Die Tische im Außenbereich der Moschee sind gedeckt, darauf stehen schon Wasser und Fladenbrot. Männer, Frauen und Kinder kommen kurz vor Sonnenuntergang zusammen, nehmen Platz. Frauen und Männer sitzen dabei getrennt. Auch Gäste sind dabei. Matthias Baaß bedankt sich für die Einladung zum Fastenbrechen. „Das steht für ein gutes Miteinander der Religionen“, meint der Bürgermeister.

Auch Christina Feifer, Erika Hofmann und Herbert Kempf vom Viernheimer „Forum der Religionen“ nehmen teil, dazu sind Gäste aus den islamischen Gemeinden der Umgebung gekommen. Und es gibt hohen Besuch: Der türkische Generalkonsul aus Frankfurt, Burak Kararti, und der Attaché für Religionsangelegenheiten, Siddik Yildirim, besuchen die Viernheimer Gemeinde. Der viertletzte Tag des Ramadans ist nämlich eine besondere Nacht für Muslime – es ist die „Kadr-Nacht“. Gemeindemitglied Abdulkerim Balci erklärt: „Nach unserem Glauben wurden dem Propheten Mohammed in dieser Nacht zum ersten Mal die Suren des Koran offenbart.“ Die Moslems nennen sie die „Nacht der Allmacht“, „Nacht des Schicksals“ und auch „Nacht der Bestimmung“. Hülya Dogan erklärt, was die Nacht zu etwas Besonderem macht: „Unsere Gebete werden tausendmal mehr gehört als an den anderen Tagen im Jahr. Deshalb beten wir auch die ganze Nacht, bis zum Morgengrauen.“

Imam Isik zitiert zu Beginn des Fastenbrechens deshalb auch die Sure aus dem Koran, in der es um „kadr“, um die Suche und Bestimmung geht. Generalkonsul Kararti begrüßt die Viernheimer Gemeinde und ihre Gäste und stimmt Bürgermeister Baaß zu: „Es zeigt, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zusammen leben können.“

Der Generalkonsul betont, wie wichtig der Ramadan sei: „Er erinnert uns daran, ein guter Mensch zu sein.“ Das Fastenbrechen bringe Muslime in den Gemeinden zusammen, egal welche Nationalität sie hätten oder welche wirtschaftlichen Möglichkeiten.

In Viernheim haben Gemeindemitglieder die Speisen zum Fastenbrechen vorbereitet. Der Imam ruft zum Abendgebet, dann wird für alle eine Suppe serviert. Die Männer tragen die Teller nach draußen, die von den Frauen gerichtet werden. Dazu spricht der Imam ein Tischgebet. Nach der Suppe gibt es Fleisch mit Reis und einen süßen Nachtisch.

Nur für Kinder

Die Nacht verbringen die Gläubigen mit Beten, mit Ausruhen, mit Teetrinken. Der Fastenmonat Ramadan, der sich an den Mond- und Sonnenphasen ausrichtet, endet in der Nacht von Montag auf Dienstag, das Ende wird am Dienstag gefeiert. Und Hülya Dogan räumt mit einem Missverständnis in Bezug auf dieses Ereignis auf: „Es heißt nicht Zuckerfest, das nennen wir nur für die Kinder so. Das Ende des Fastenmonats wird mit dem Ramadanfest gefeiert.“

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