Viernheim

Wohnungssituation Projekt „Vermiete doch an die Stadt!“ läuft seit zwei Jahren / Verwaltung garantiert pünktliche Zahlungen

Neue Heimat für 138 Menschen

Archivartikel

Viernheim.„Seit zwei Jahren läuft die Aktion ,Vermiete doch an die Stadt!’ Und sie läuft gut. Die Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: Bereits für 138 Personen konnten von 32 verschiedenen Vermietern 41 leerstehende Wohnungen im ganzen Stadtgebiet angemietet werden“, heißt es in einer Mitteilung der städtischen Pressestelle.

Bürgermeister Matthias Baaß zeigt sich erfreut über dieses positive Ergebnis, wirbt aber weiter um Hausbesitzer, Wohnungseigentümer und Vermieter, die sich bereiterklären, leerstehenden Wohnraum in Kooperation mit der Stadt zu vermieten. „Die Stadt bietet eine Miet- und Ausfallgarantie. Den Nutzen haben alle: die Mieter aus allen Bevölkerungsteilen, die dringend eine Wohnung suchen, die Vermieter und die Allgemeinheit, die keine zusätzlichen Wohnungen neu bauen muss. Bitte einfach melden.“ Dabei tritt die Stadt keineswegs in Konkurrenz zu denen, die privat vermieten.

Das Viernheimer Modell imponiert auch Kreisbeigeordnetem Karsten Krug, der sich von der Viernheimer Verwaltung über Details näher informieren ließ. Er lobt die Stadt für die unkonventionelle Herangehensweise und kann sich vorstellen, dieses Projekt auf den Kreis Bergstraße zu übertragen, heißt es in einer Pressemitteilung der städtischen Presse- und Informationsstelle. Auch andere Kommunen haben hiervon erfahren, die Viernheimer Aktion aufgegriffen und diese ihrerseits umgesetzt.

Baaß betont: „Der Vorteil für den Vermieter liegt auf der Hand. Die Miete zahlt die Stadt, die die Wohnungen an Wohnungssuchende untervermietet. Neben der Mietgarantie noch ein weiterer Pluspunkt: Die Stadt – und nicht der Untermieter - ist in allen Belangen (Miete, Renovierung, Mietdauer) – erster Ansprechpartner für den Vermieter.“

500 Wohnungssuchende

Der Wohnungsbedarf ist nach wie vor groß. In Viernheim sind bei der städtischen Wohnungsstelle ca. 500 Wohnungssuchende gemeldet, ca. 400 zugewiesene Flüchtlinge auf Wohnraum angewiesen. Dieser Personenkreis kann mit Wohnungen über den sozialen Wohnungsbau nicht zeitnah versorgt werden. Aus diesem Grunde hat die Stadt Viernheim das Projekt „Vermiete doch an die Stadt!“ ins Leben gerufen, mit dem Ziel, private Vermieter zu gewinnen, die bereit sind, freie Wohnungen an die Stadt Viernheim für diesen Personenkreis zu vermieten.

Heutzutage ist es schwer, preisgünstige Wohnungen zu finden. Dies gilt insbesondere für Familien, Einzelpersonen mit Handicaps und schwer vermittelbare Wohnungssuchende. Deshalb startete Bürgermeister Matthias Baaß vor zwei Jahren die Aktion „Vermiete doch an die Stadt!“. Dabei wandte er sich direkt an Viernheimer Mitbürger, Hausbesitzer und Wohnungseigentümer, bat um Unterstützung bei der Suche nach leerstehendem Wohnraum. „Am Anfang ließ der erhoffte Erfolg auf sich warten. Aber dann konnten wir immer mehr Vermieter von den triftigen, leicht nachvollziehbaren Vorteilen überzeugen: Mietsicherheit und Stadt als verlässlichen Vertragspartner.“ Baaß dankt insbesondere Josef Benz (Amt für Sozialwesen) und Reiner Schneider (Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamt) für die oft zeitaufwendigen Gespräche und intensive Vorarbeit: „Manchmal muss man viel Überzeugungsarbeit leisten und einen langen Atem besitzen. Nicht immer stellt sich der gewünschte Erfolg von jetzt auf nachher ein.“

Mit der Aktion „Vermiete doch an die Stadt!“ konnten leerstehende Wohnungen für alle Teile der Viernheimer Bevölkerung gefunden und an diese untervermietet werden. Die Mietverträge sind auf unbestimmte Zeit abgeschlossen, können unter Einhaltung gesetzlicher Kündigungsfristen von beiden Seiten wieder aufgehoben werden. Selbstredend bemüht sich die Stadt um ein möglichst störungsfreies Miteinander der Untermieter mit den Wohnungseigentümern. Darüber hinaus haben Vermieter bei der Auswahl der Mieter ein Mitspracherecht.

Um weitere Haushalte mit preisgünstigem Wohnraum versorgen zu können, hat sich die Stadt entschlossen, den Förderantrag der Baugenossenschaft an das Land Hessen auf Bewilligung von Fördergeldern für die Vergabe von Belegungsrechten an Mieter unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen zu unterstützen. Bisher konnten durch das Angebot 25 Belegungsrechte erworben und die Wohnungen vermietet werden. Auch in den Neubaugebieten soll passender Wohnraum entstehen. Zufrieden ist Baaß mit der wirtschaftlichen Betrachtung der Aktion „Vermiete doch an die Stadt“: „Die Ausgaben der Stadt für Miete werden zu 95 Prozent durch Einnahmen refinanziert.“ red

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