Viernheim

Rathaus Maria Lauxen-Ulbrich setzt sich als Gleichstellungsbeauftragte für die Integration von Frauen ein / Rubrik „Mädchen und Jungen“ soll online aufklären

Neues Angebot für Jugendliche entsteht

Archivartikel

Viernheim.Maria Lauxen-Ulbrich ist seit drei Monaten die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Bei ihrer Vorstellung lobte Bürgermeister Matthias Baaß ihr bisheriges Engagement als Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Kreis Bergstraße. Er zeigte sich im März sicher, dass sie ihre langjährigen Erfahrungen gut einbringen werde – innerhalb der Stadtverwaltung sowie auch extern, etwa bei „der Unterstützung für die vielen zugewanderten Frauen in Sachen Integration, Ausbildung, Berufsfindung sowie beim Vermitteln von Kompetenzen“. Im Interview zieht die 54-Jährige eine erste Bilanz ihrer bisherigen Arbeit in Viernheim.

Frau Lauxen-Ulbrich, was waren Ihre ersten Aufgaben als neue Gleichstellungsbeauftragte?

Maria Lauxen-Ulbrich: Die Stelle war ja 15 Monate lang nicht besetzt. Ich musste mich zuerst einarbeiten, um an die tolle Arbeit meiner Vorgängerin Rita Walraven-Bernau anzuknüpfen. Ich wollte prüfen, was davon unbedingt weiter geführt werden muss, welche Themen verstärkt angegangen werden sollten und ausbaufähig sind.

Und in welchen Bereichen wollen Sie sich verstärkt engagieren?

Lauxen-Ulbrich: Das Thema Integration ist mir sehr wichtig. Das war es auch für meine Vorgängerin – das Internationale Frauencafé beispielsweise gibt es ja schon seit etlichen Jahren. Ich möchte mich dem Thema aber noch stärker widmen und mich dabei vor allem auf die Integration von Frauen konzentrieren. Dabei ist es wichtig, bedarfsgerecht zu agieren: immer mit Blick auf die ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der verschiedenen Nationalitäten. Viernheim nimmt da bereits eine Vorreiterrolle in der Region ein, auch dank der guten Arbeit von Bürgermeister Baaß. Darüber hinaus spielt das von meiner Vorgängerin ins Leben gerufene soziale Netzwerk eine wesentliche Rolle bei meiner Arbeit. Es ermöglicht eine rege Kommunikation verschiedenster Organisationen in der Stadt. So gelingt es, auf allen Ebenen die besten Möglichkeiten zu schaffen und immer bedarfsgerecht zu handeln. Aus dem Netzwerk sind viele Kooperationsangebote geschaffen worden.

Ihre Vorgängerin trug noch den Titel Frauenbeauftragte. Haben Sie als Gleichstellungsbeauftragte jetzt verstärkt Männer im Blick?

Lauxen-Ulbrich: (lacht) Jeder kann zu mir kommen, ganz unabhängig vom Geschlecht. Das war auch bei meiner Vorgängerin so, nur die Amtsbezeichnung hat sich geändert. Unsere Aufgaben sind ja im Hessischen Gleichberechtigungsgesetz sowie durch die Gemeindeordnung genau definiert. Wenn ich mit Männern im Gespräch bin, versuche ich immer, motivierend klar zu machen, welchen Gewinn die Übernahme von Familien- und Pflegeaufgaben für sie bringen kann. Und wenn der Mann in einer Führungsposition ist, zeige ich gerne Wege auf, wie er als Führungskraft weibliche Beschäftigte in der Wahrnehmung von Karrierechancen fördern kann.

Was tun Sie für die Chancengleichheit bei Kindern?

Lauxen-Ulbrich: Die Bildung ist hier der Schlüssel. Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund ist eine frühe Sprachförderung sehr wichtig. Alle Kinder, die aufgrund ihrer Herkunft ungünstigere Startbedingungen haben, sind besonders in den Blick zu nehmen. Deshalb liegt der Ausbau der Kinderbetreuung allen Beteiligten sehr am Herzen.

Wie treten Sie mit den Viernheimer Jugendlichen in Kontakt und welche Themen sind hier wichtig?

Lauxen-Ulbrich: Wir sind gerade dabei, eine neue Rubrik auf der Webseite der Stadt zu gestalten. Unter dem Titel „Mädchen und Jungen“ wollen wir die Themen Pubertät, Sexualität und Geschlechteridentität ansprechen sowie zum Nachdenken über die geschlechtstypische Berufswahl anregen.

Wie sieht die Präventionsarbeit zum Thema Gewalt aus?

Lauxen-Ulbrich: Da ist einerseits das Frauennachttaxi zu nennen, das abends den sicheren Heimweg garantiert. Häusliche Gewalt bestimmt zwar nicht den Alltag einer Gleichstellungsbeauftragten, aber es gibt sie. Betroffene finden im Einzelgespräch sowie auch im jetzt wiederbelebten Gesprächskreis „Trennung – Scheidung – Neubeginn“ Gehör und können sich untereinander austauschen. Gemeinsam mit der Anwältin Patricia Neff besprechen wir auch rechtliche Fragen. Der Gesprächskreis stärkt das Selbstwertgefühl massiv und hilft den Frauen, bei Problemen mit dem Partner klare Grenzen zu ziehen, für sich neue Lebensperspektiven zu entwickeln und Herausforderungen mit betroffenen Kindern zu bewältigen.

Welche Aufgaben kommen in Zukunft noch auf Sie zu?

Lauxen-Ulbrich: 2020 feiert das Gleichstellungsbüro sein 30-jähriges Bestehen. Über das Jahr verteilt wollen wir unter anderem Veranstaltungen zu den Themen Frauen und Arbeit, Migration und Integration oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie organisieren. Die Menschen in Viernheim dürfen sich dann auf tolle Aktionen und Infostände freuen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional