Viernheim

Wirtschaftsförderung Rund 30 Firmenvertreter informieren sich über das Thema Unternehmensnachfolge im Sitzungssaal des Rathauses

Oft sitzt niemand auf dem Chefsessel

Viernheim.Alexander Schwarz schiebt einen leeren Schreibtischstuhl vor sich her. „In vielen Betrieben ist dieser Stuhl leer, es gibt keinen, der sich auf den Chefsessel setzt“, weiß der Wirtschaftsförderer der Stadt Viernheim, dass bei vielen Unternehmen in Viernheim, im Kreis, in Hessen und bundesweit die Frage einer Nachfolge nicht geklärt ist. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße hat sich dem hochkomplexen Thema der Unternehmensnachfolge angenommen und zu einem Informationsabend eingeladen. Rund 30 Unternehmensvertreter aus dem Kreis Bergstraße nutzten die Gelegenheit, sich von Fachleuten nützliche Anregungen und grundlegende Informationen geben zu lassen. Als Referenten konnten Hans-Jürgen Reibold, Manuel Heinzmann und Holger Walter aus der Kanzlei Reibold, Guthier und Partner (Hepenheim/Weinheim) gewonnen werden sowie Marco Kreutzer, der das „Forum Unternehmensnachfolge Bergstraße“ vorstellte (siehe Infobox). „Nur fünf Prozent aller Unternehmen haben einen Notfallplan und alles für einen eventuellen Todesfall geregelt“, berichtet Manuel Heinzmann anfangs aus der Statistik. Häufiger vorgebrachte Gründe für eine Beendigung des Geschäftsbetriebs seien vielmehr Alter und Gesundheit oder der Wunsch nach mehr Zeit. „Fangen Sie früh genug an, sich mit dem Thema zu befassen“, rät Dr. Matthias Zürker.

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bergstraße weiß aus der Praxis, dass sich die meisten Betriebe melden, wenn es eigentlich schon zu spät ist. „Nehmen Sie sich Zeit, die Nachfolge zu regeln“, rät auch Hans-Jürgen Reibold – durchschnittlich dauere so ein Prozess rund drei Jahre. Bei der Nachfolgeregelung könne man als erstes die familiäre Lösung in Betracht ziehen, wenn Kinder das Unternehmen übernehmen könnten. Eine andere Möglichkeit ist die interne Übergabe, wenn Mitarbeiter die Verantwortung übernehmen.

Die unterschiedlichen Varianten stellt Holger Walter näher vor und erläutert, worauf Betriebe bei interner oder externer Übergabe, bei Finanzierung und Absicherung achten sollten. Und er zeigt auf, welche Spannungsfelder sich in dem Prozess ergeben könnten. Eine Firmenübergabe kann entgeltlich und unentgeltlich erfolgen. Zum Verkauf des Unternehmens gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie Walter beispielhaft darlegt.

Vorschriften und Regeln

Aber auch bei unentgeltlichen Übernahmen gibt es Vorschriften und Regeln zu beachten, wie die Besteuerung bei Übergabe, Schenkung und Erbschaft. Für jede einzelne Firma, ob Kleinunternehmen, mittelständischer Betrieb oder Konzern, gilt es individuell festzulegen, welche Art der Unternehmensnachfolge in Frage kommt und wie es umgesetzt wird. Beim „Come-Together“ nach dem Vortrag stehen die Experten für jegliche Anfragen zur Verfügung und kommen detaillierter ins Gespräch mit den Geschäftsinhabern.

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