Viernheim

Albertus-Magnus-Schule Siebt- und Achtklässler beschäftigen sich in speziellem Kurs mit altägyptischen Schriftzeichen

Pfiffikusse lernen Hieroglyphen

Archivartikel

Viernheim.„Schesched“, liest Michael Höveler-Müller vor, wie die fünf Zeichen an der Tafel ausgesprochen werden. „Es bedeutet Lotus. Das ist der älteste Vorname der Welt “, erklärt der Ägyptologe gleich.

Die Siebt- und Achtklässler aus dem aktuellen Pfiffikus-Kurs der Albertus-Magnus-Schule (AMS) sind völlig vertieft in die Hieroglyphen, in die Bildsprache des Alten Ägypten. Der Pfiffikus-Kurs hat an der AMS eine jahrelange Tradition. Besonders begabte Schülern erhalten zusätzliche Förderung durch Themen außerhalb des normalen Unterrichtsstoffs. Der Kurs läuft über zwei Jahre, die einzelnen Themen werden in Doppelstunden anstelle des Regelunterrichts behandelt.

Für einen Block ist Ägyptologe Michael Höveler-Müller an der Schule und bringt den Pfiffikussen die Geheimnisse des Alten Ägypten und seiner Hieroglyphen bei. Der Autor vermittelt, wie man die ältesten Schriften der Menschheit entziffern kann. „Es gibt über 750 verschiedene Bilder, die unterschiedliche Laute haben“, erzählt Eric. Louis ergänzt: „Die Laute können einen oder zwei Konsonanten haben.“ Zur besseren Aussprache fügt man ein „e“ dazwischen. Ein Beispiel dafür steht an der Tafel: Die Ente hat den Laut „sa“, die Viper „f“ – und stehen beide Symbole zusammen, spricht man „saef“, was mit „Sohn“ übersetzt wird. „Weibliche Nomen erkennt man an einem speziellen Symbol“, erklärt Marc den „Brotlaib“, „das wird dann mit einem „t“ am Ende ausgesprochen.“

Einen Teil der 750 Hieroglyphen und Laute haben die begabten AMSeln in den vergangenen Stunden kennengelernt. Mit dem Wissen können sie schon einfache Grabinschriften entziffern. Michael Höveler-Müller zeigt ein Bild von vier Ägyptern – und gemeinsam kriegen die AMS-Schüler heraus, wer die Personen sind und welche Aufgaben sie haben.

Köpfe geben Leserichtung vor

Auch eine ganze Wand voller Hieroglyphen schreckt die Schüler nicht ab. „Die Köpfe der Tiersymbole geben die Leserichtung vor“, weiß Julian, ob eine Zeile von links nach rechts und eine Spalte von oben nach unten gelesen werden soll. Ganz oft ist dabei der Name eines Königs zu lesen. „Pepi“ fügt Corvin die Laute richtig zusammen.

Und Michael Höveler-Müller erklärt, warum die Hieroglyphen mehrfach zu sehen sind: „Der Pharao soll immer zu erkennen sein, auch wenn ein Teil der Inschrift nicht mehr lesbar ist.“ Ursula Kubera schaut den Pfiffikussen beim Entschlüsseln der Hieroglyphen über die Schulter. „Es ist immer wieder spannend, welche neuen Einblicke man bekommen kann“, ist die Schulleiterin ganz angetan vom Programm der Begabtenförderung.

Das aktuelle Pfiffikus-Angebot hat Thomas Wöhlke, zuständig für die Koordination der Begabtenförderung an der AMS, zusammengestellt: Der Kurs umfasst 18 Stunden und beinhaltet außer dem Hieroglyphen-Projekt noch den Biochemie-Kurs „Lebensmittel in unserem Alltag“ mit Patrick Gebhardt sowie „praktische Physik“ mit Angelika Abeln.

Für die Siebt- und Achtklässler ist es der letzte Durchlauf des Förderprogramms – nachdem sie unter anderem „etwas andere Mathestunden“ erlebt haben, sich in Philosophie versucht und sogar erste Sprachversuche auf Schwedisch unternommen haben. Im zweiten Halbjahr des laufenden Schuljahrs beginnt der neue Pfiffikus-Kurs, für die besonders begabten Schüler aus den Jahrgangsstufen fünf und sechs.

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