Viernheim

Chemie AvH-Schüler Nico Gregorincic und Gleb Kalashnik entwickeln Verfahren für Phosphat-Recycling / BASF zeigt sich interessiert

Prämierte Nachwuchsforscher

Archivartikel

Viernheim.„Das Tolle an der Chemie ist, dass ich beim Experimentieren direkt eine Visualisierung von der Theorie habe“, sagt Nico Gregorincic im Gespräch mit dem „Südhessen Morgen“. Gleb Kalashnik nickt zustimmend. „Es ist klasse, wenn man sieht, wie sich Stoffe verändern können.“ Gemeinsam forschen die zwei 16-Jährigen erfolgreich in der Chemie-AG der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH), haben schon Preise, unter anderem von Jugend forscht und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI), gewonnen. Neben Laptops und Urkunden für die beiden wurde Nico als Gruppenleiter zusätzlich mit einem Praktikumsplatz bei der BASF belohnt. „Die waren sehr interessiert an unserem Projekt zu Rotschlamm“, erklärt der Elftklässler stolz.

Konkret haben die AvH-Schüler unter der Aufsicht von AG-Leiter Ruthard Friedel bei ihrem jüngsten Experiment herausgefunden, dass sich Rotschlamm – „also Eisenoxid-Hydroxid“, nennt Nico die chemische Bezeichnung – prima für das Recycling von Phosphat eignet. Wird Phosphat im Klärwerk nicht dem Wasser entzogen, kann das zu einer Überdüngung von Seen oder Meeren, verbunden mit starkem Algenwuchs, führen.

„Fault der Algenteppich, entzieht das dem Gewässer Sauerstoff und ein Fischsterben kann die Folge sein. Und wenn es sich dabei um giftige Blaualgen handelt, kann das auch für den Menschen schnell gefährlich werden“, betont Friedel. Phosphat ist eine wichtige Grundlage für das Pflanzenwachstum, der deutsche Chemiker Justus von Liebig bezeichnete es als „Minimum-Nährstoff“. „Ohne Phosphat als Bestandteil von Düngern könnte die moderne Landwirtschaft heute gar nicht mehr alle Menschen auf der Welt ernähren“, sagt Nico und macht die Bedeutung des Stoffes deutlich.

Nachhaltige Methode

Deutschland habe keine eigenen Phosphatvorkommen, müsse den Rohstoff importieren und etwa aus Klärschlamm recyceln. „Und genau da setzt die Forschung der Schüler an“, erzählt Friedel. Noch werde das Phosphat im Klärschlamm durch die Hinzugabe von Eisensalzen herausgelöst. „Wir haben entdeckt, dass das quasi genauso gut mit Rotschlamm funktioniert“, beschreibt Nico die Ergebnisse seiner Gruppe.

Der eisenhaltige aber ungiftige Rotschlamm wird in Wasserwerken aus dem Trinkwasser gefiltert und dann normalerweise auf Deponien entsorgt. „Das ist eigentlich Verschwendung und kostet gleichzeitig Geld“, erklärt Gleb. Die reinen Entsorgungskosten belaufen sich auf rund 340 Euro pro Tonne. „Es wäre viel nachhaltiger, wenn er zum Recyceln von Phosphat genutzt werden würde“, wirbt der Zehntklässler für seine neue Methode.

Die zwei Schüler sind nicht die einzigen, die an der AvH ihre Forschung dem Umweltschutz widmen. Mit einer anderen Gruppe erforschte Friedel, der als pensionierter Lehrer die Leitung einiger AGs übernommen hat, etwa die Herstellung von Bio-Kunststoffen. „Wir haben allein im Bereich der naturwissenschaftlichen MINT-Fächer rund zehn AGs“, erklärt Fachbereichsleiter Jens Römer. Den Schülern sei Naturschutz wichtig, immer wieder ständen Projekte unter diesem übergeordneten Ziel. „Der Name Alexander von Humboldt verbindet unsere Schule ja schon damit“, sagt Römer und lacht.

Feldversuch im Klärwerk

Der Pädagoge animiere die Nachwuchsforscher stets, mit ihren Projekten an Wettbewerben teilzunehmen. „Urkunden bereichern die Bewerbung für einen Ausbildungs- oder Studienplatz später enorm.“ Immer wieder gehe er in die Klassen und werbe für die AGs. „Für alle Klassenstufen gibt es Angebote.“

Was Nico und Gleb in diesem Schuljahr erforschen, stehe noch nicht genau fest, sagen die beiden. „Entweder wir machen was ganz Neues oder wir experimentieren mit dem Rotschlamm weiter“, verrät Nico. Gerne würden die beiden ihren Laborversuch in einem Klärwerk testen. In Weinheim wurde eine Anfrage der Nachwuchsforscher jedoch abgelehnt – „wir wollen es jetzt noch in Mannheim versuchen“, sagt Friedel.

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