Viernheim

Digitalisierung Daniel Süss referiert zum Auftakt der Medientage des Kreises Bergstraße

Probleme wie bei der „stillen Post“

Archivartikel

Viernheim.Wie beeinflussen digitale Medien das Zusammenleben von Familien, Kindern und Jugendlichen? Und: Woran kann man das erkennen? Diese Fragen gehörten zu den wichtigsten, die bei der Auftaktveranstaltung der Medientage des Kreises Bergstraße im Viernheimer Bürgerhaus gestellt wurden. Dazu wurden auch gleich mehrere Antworten gegeben, allerdings präsentierten die Redner kein Allheilmittel für die mit der Mediennutzung verbundenen Probleme.

Schon bei den Begrüßungsworten zu der mehrstündigen Veranstaltung nannten Redner Beispiele dafür, wie Alt und Jung mit digitalen Medien umgehen. Der Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt wird, wie er erzählte, morgens um 6 Uhr von seinem Smartphone geweckt und kontrolliert anschließend gleich die eingegangenen Nachrichten. „Auch den ganzen Tag über geht es nicht ohne Handy, sei es, um zu kommunizieren oder sich zu informieren“, so Engelhardt.

Landrat setzt auf moderne Technik

Seine beiden Töchter nutzten mittlerweile ebenso moderne Medien, „allerdings zeitlich begrenzt und kontrolliert, was die Inhalte betrifft. Wir müssen es den Kindern durch die Schulen ermöglichen, sich einer schnell verändernden Medienwelt anzupassen. Dafür müssen die technischen Voraussetzungen gegeben sein.“ Auch Viernheims Bürgermeister Matthias Baaß setzt auf Medienmündigkeit, warnte aber vor einer Empörungsdemokratie, in der nur reißerisch aufgemachte Themen geteilt würden. „Wenn man früher wissen wollte, wie das Wetter wird, hat man aus dem Fenster geschaut, heute macht man das mit einer App. Und wenn es in die Ferienfreizeit ging, hatten Kinder und Eltern zwei oder drei Wochen keinen Kontakt, außer es war ein öffentliches Telefon in der Nähe“, schilderte das Stadtoberhaupt seine Erfahrungen.

Wissenschaftlich, aber auch amüsant, beleuchtete Daniel Süss von der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in seinem Vortrag das Thema. Dabei ging er auf das Leben und Aufwachsen in einer digitalisierten Welt ein. „Man sollte frühzeitig mit der Vermittlung von Medienkompetenz beginnen, damit Kinder den richtigen Umgang mit Informationen erlernen. Was früher bei dem beliebten Kinderspiel ,stille Post’ passierte, ist heute ein Problem bei der Kommunikation mit elektronischen Medien. Am Ende bliebt nicht viel von der ursprünglichen Nachricht übrig.“

Für die gut 160 Teilnehmer, überwiegend Lehrer, Erzieher und Eltern, hatte Süss auch einige interessante Ergebnisse von Umfragen parat. Die Daten zeigten zum Beispiel, wo Menschen die Gefahren und Vorteile der modernen Medien sehen.

Zu den Medientagen gehören noch zwei weitere Veranstaltungen. Am 5. März heißt es „WhatsApp, Instagram und Snapchat: Was geht uns das an?“ und am 4. Juni dreht sich alles um zukünftige Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen in der digitalen Welt. Die Veranstaltungsorte stehen noch nicht fest. JR

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