Viernheim

Schauspiel Theater-AG der Albertus-Magnus-Schule begeistert mit dem amerikanischen Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“

Psychospiele um dunkle Geheimnisse

Archivartikel

Viernheim.„Dreckloch, verdammtes!“ Martha lässt keinen Zweifel daran, was sie von ihrem Alltag an der Seite ihres Ehemanns George hält. Die beiden jungen Schauspieler Mareike Pich und Lukas Ahrens liefern sich auf der Bühne der AMS-Aula heftige Wortgefechte mit Beleidigungen und verbalen Tiefschlägen, verbunden mit dem übermäßigen Genuss von Brandy. Das Publikum zeigt sich begeistert von der Aufführung des Stückes „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Als es zu später Stunde an der Tür klopft und das junge Paar Nick (Nils Tegethoff) und Putzi (Hannah Andreas) zu Besuch kommt, entwickeln sich weitere Situationen, die von Frustration bei allen Beteiligten geprägt sind.

Unzählige Flaschen als Bühnenbild

„Diesmal war das Bühnenbild nicht ganz so aufwendig wie bei früheren Aufführungen. Wir hatten bei einigen Viernheimer Gastronomiebetrieben angefragt und viele Spirituosenflaschen erhalten, natürlich leer“, erklärte Regisseur Patrick Mertens, wie die besondere Dekoration entstanden ist. Mertens leitet seit zehn Jahren die Theater-AG der Albertus-Magnus-Schule und hat in dieser Zeit 22 Stücke produziert. Die Vorlaufzeit für eine Aufführung beträgt laut dem Regisseur bis zu 18 Monate. „Das beginnt mit der Auswahl des Stücks, die wir in der Theater-AG treffen, danach werden Texte und Musik festgelegt, ein Jahr lang wird geprobt und an der Aufführung gearbeitet“, schildert Mertens die Vorgehensweise.

Diesmal hat sich die Gruppe für Edward Albees Schauspiel „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ entschieden, einen wahren Klassiker der amerikanischen Theaterliteratur. Das Vier-Personen-Stück hat spätestens seit der Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton Weltruhm erlangt.

Im Zentrum des Dramas steht das Ehepaar George und Martha, das nach einer ausschweifenden College-Party auf einen Absacker zu sich nach Hause einlädt. Der ambitionierte junge Biologieprofessor Nick nimmt die Einladung seines älteren Kollegen dankend an, hofft er doch, hierdurch seine Karriere vorantreiben zu können. Zusammen mit seiner schon reichlich angetrunkenen Ehefrau Putzi macht er sich auf den Weg zu George und Martha, doch der Abend entwickelt sich völlig anders als erhofft.

„Ich habe das Stück und die Musik bewusst auch statisch und rhythmisch angelegt und damit etwas Swing in die Aktionen gebracht, um die Zwanghaftigkeit des älteren Ehepaars zu unterbrechen“, erklärte der Regisseur. „Am Ende führt allerdings alles zielgerichtet und betrunken in Richtung Katastrophe.“

Mit einer Reihe kurioser Spiele fühlt das ältere Ehepaar seinen jungen Gästen auf den Zahn und deckt dabei dunkle Geheimnisse auf, die besser nie ans Licht gekommen wären. George und Martha führen das junge Paar vor, um hierdurch ihre eigenen Eheprobleme und ihre eigene Verzweiflung ertragbar zu machen. Der Alkohol fließt in Strömen, bald eskaliert die Situation vollständig, und der Abend endet in einer Katastrophe.

Einmal mehr präsentierte die Theater-AG der AMS ein großes Werk der Theatergeschichte mit vielen ursprünglichen Elementen, aber auch angepasst an die heutige Zeit. Hervorragend dargeboten wurde das Stück von aktuellen und ehemaligen AMS-Schülern.

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