Viernheim

Kultur Eröffnung von zwei Fotoausstellungen zur Natur an der Friedrich-Fröbel-Schule

Reise in verborgene Reiche

Viernheim.„Meine Aufnahmen sollen mehr darstellen als hübsche Wandbehänge. Meine fotografischen Werke sind das Resultat meiner Liebe zur Natur, der Handwerkskunst und meiner unbändigen fortwährenden kindlichen Begeisterung“, so beschreibt die Fotokünstlerin Annekathrin Geitner ihre Ausstellung „Photopsia“ und erklärt damit ihr künstlerisches Selbstverständnis. Dabei hat sie aber kein idealisiertes Naturverständnis – wie es heute oftmals vorherrschend ist – sondern für sie ist die Natur wild und wundersam, wie es an anderer Stelle auf einer ihrer Schautafeln zu lesen ist. Im Foyer und in den Gängen der Friedrich-Fröbel-Schule hängen 50 Fotografien von Geitner.

In den gleichen Räumlichkeiten ist noch eine zweite Ausstellung von Fotografien aus der belebten Umwelt zu sehen: Sie heißt „Natur so nah“ und zeigt ebenfalls 50 Fotografien der Gruppe Bildkommunikation des Europäischen Fotozentrums für junge Fotografie an der Friedrich-Fröbel-Schule. Die 15 Schüler der Jahrgangsstufe Zehn „erspürten“ in ihren Bildern Blumen, Pflanzen und Insekten, die sie im Tivolipark und in den anliegenden Gärten um die Fröbelschule vorfanden. Diese Doppelausstellung wurde mit einer Vernissage von Schulleiter Markus Taube eröffnet.

Eickmeier führt in Ausstellung ein

Sein Fazit: Jedes Bild trägt seine eigene Geschichte und das mache diese Ausstellung so großartig. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage mit schwungvoller Musik der Band des Wahlpflichtkurses Musik der zehnten Klassen unter der Leitung von Adam Zientek.

Die fachliche Einführung in die Doppel-Ausstellung hielt die Leiterin des Europäischen Fotozentrums für junge Fotografie, Tanja Eickmeier. Sie hatte Annekathrin Geitner an deren Stand auf der Frankfurter Buchmesse kennengelernt und war gleich von ihren stimmungsvollen, mystischen und feinsinnigen Bildern angezogen, so dass sie die Ausstellung in der Fröbelschule arrangierte. Mit dem Titel der Ausstellung: „Photopsia“ – der gleichfalls der Künstlername von Annekathrin Geitner ist – verweist sie auf das Phänomen von Lichtreflexen im Inneren des Auges wie Blitze, Flimmern, Funken oder Sternchen. Dieses medizinisch-neurologische Phänomen tritt beispielsweise auf, wenn man das geschlossene Auge reibt.

Für Annekathrin Geitner ist die Fotografie ein Ausgleich zu ihrem anstrengenden Beruf als Krankenpflegerin. Ihre Motive findet sie spontan beim Durchstreifen der heimatlichen Wälder in der fränkischen Schweiz – oder gelegentlich bei Urlaubsreisen nach Portugal, Mallorca oder an den Küsten. Mit dem Geschenk einer Nikon-Kamera und eines Makroobjektivs von ihrem Vater begann für sie eine Reise in bis dato „verborgene Reiche“. Ihre Fotografien besitzen eine geheimnisvolle, nach innen gekehrte Traumversunkenheit. Hier ein lichtdurchspieltes Flimmern, dort das Aufblitzen sonniger Gegenlichtstrahlen. Gedämpfte und duftige Farben tauchen ihre Pflanzen in einen weichen Nebel.

Die andere Ausstellung „Der Natur so nah“ entstand aus einem Übungsprojekt zur genauen Motivwahl und zur Einstellung der Blende und der Belichtungszeit, erklärt Tanja Eickmeier. Mit Konzentration und Hingabe ertasteten sich die 15 Jugendlichen ihre Bildmotive von Pflanzen, Blüten, Gräsern, Käfern, Wespen und Bienen, meist in bunten, leuchtenden Farben.

Angeregt wurde das Projekt durch die Naturausstellung „Vorsicht: Wir beißen! Achtung: Wir stechen manchmal!“ des Umweltvereins Kompass und des Europäischen Fotozentrums. „Die Naturthematik hatte die Heranwachsenden tief berührt“, erklärte Eickmeier.

Auffallend sind die Empathie und das Zartgefühl, das die jungen Menschen gegenüber Pflanzen und Tieren zeigten, wodurch sich ihre Sehnsucht nach einer natürlichen Umwelt – fern von den Schreckensszenarien von Umweltverschmutzung und Klimawandel – manifestiere. Somit verwiesen ihre Fotografien auf einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel. kos

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