Viernheim

Glockenbuckel Kreisbeigeordneter Karsten Krug informiert sich über Landschaftspflege im Flora-Fauna-Habitat

Schafe schützen seltenes Ökosystem

Archivartikel

Viernheim.Immer wieder bleibt Simone Häfele auf dem staubigen Pfad stehen. Die Strecke vom Parkplatz Am Sandhöfer Weg hinauf auf Viernheims höchste Erhebung ist nicht lang, aber die studierte Biologin entdeckt alle paar hundert Meter seltene Pflanzen und Tiere, die in dem Naturschutzgebiet am Glockenbuckel gedeihen und leben. Vom Kolkraben über italienische Schönschrecken, Blauschiller- und Silbergras bis hin zur Grauen Skabiose weist sie auf die Besonderheiten des ausgewiesenen Flora-Fauna-Habitats (FFH-Gebiet) hin. Bei seinem Vor-Ort-Besuch nimmt sich Kreisbeigeordneter Karsten Krug viel Zeit, um sich in seiner Funktion als Dezernent des Umweltamtes ein Bild von der Landschaftspflege auf dem Glockenbuckel zu machen.

Sensibles Gleichgewicht

„Das ganze Ökosystem hier ist ein sehr seltenes und muss erhalten werden“, macht Häfele deutlich. Schädlich für das sensible Gleichgewicht seien Gewächse wie etwa das Land-Reitgras, die in Konkurrenz zu den zu schützenden Pflanzen stehen, deren Lebensraum stark einschränken. „Mit Mähen oder Fräsen ist es sehr aufwendig, deren Wachstum einzudämmen, zumal dadurch auch die seltenen Pflanzen geschädigt oder zum Beispiel Bodenbrüter wie der Ziegenmelker gestört werden“, ergänzt Werner Klug vom Forstamt Lampertheim.

Seit zehn Jahren beauftrage er deshalb Simone Häfele, mit ihren Schafen, Ziegen und Eseln das FFH-Gebiet zu beweiden. „Zwei Wochen werden die Tiere brauchen, um die 15 Hektar abzufressen“, informiert Häfele den Kreisbeigeordneten. Jedes Jahr sei das zwei Mal auf den Glockenbuckel notwendig.

Als Krug nach dem Mehrwert für die Umwelt durch die natürliche Beweidung fragt, antwortet die Biologin: „Die Schafe fressen nicht alle Pflanzen, selektieren und lassen die seltenen und nährstoffarmen Gewächse auf den Binnendünen stehen.“ Dabei müsse sie genau darauf achten, wie viele Tiere sie über welchen Zeitraum auf die Weideflächen lasse. „An machen Orten bleiben wir Tage, über andere Flächen ziehen wir nur rüber, das kommt auf die Beschaffenheit des Ökosystems an.“

Einen weiteren Vorteil sieht die Schäferin darin, dass ihre Tiere auch bei der Verbreitung der Pflanzen helfen. „Die Samen bleiben zum Beispiel in der Wolle hängen, bis sie woanders wieder abfallen. Oder sie werden gefressen und an einem anderen Ort wieder ausgeschieden.“

Schwierigkeiten bei der Landschaftspflege bereiten Häfele dagegen Hundebesitzer und Hobbyfotografen. „Viele sind rücksichtsvoll und bleiben auf den Wegen. Manche lassen ihre Vierbeiner aber in die geschützten Flächen oder stören die Vögel nur für ein schönes Motiv.“ Um die Menschen zu informieren – „oft ist es einfach Unwissenheit“ –, sei die Naturschutzwacht des Forstamtes im Frühjahr ein gutes Mittel.

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