Viernheim

Projekttag Albertus-Magnus-Schule informiert Jugendliche über Risiken im Straßenverkehr

„Schaltet einfach euer Hirn ein“

Archivartikel

Viernheim.„Trümmerteile der Autos lagen hunderte Meter entfernt, es sah aus, als wäre hier ein Flugzeug abgestürzt“. Jörn Metzler erinnert sich genau an das Bild, das ihn und seine Polizeikollegen nach einem Unfall erwartete. Und das Bild der vier Opfer hat sich in sein Gedächtnis gebrannt: „Die Gesichter waren eigentlich nicht mehr zu erkennen…“ Er berichtet den Schülern der Albertus-Magnus-Schule (AMS) von dem Unfall nach einer Disconacht, als der Fahrer angetrunken und übermüdet am Steuer eingeschlafen war und drei andere junge Menschen mit in den Tod nahm.

Und der Polizeihauptkommissar schildert die beklemmende Situation, wenn Eltern ihre Kinder in der Leichenhalle identifizieren müssen. Beim Projekttag „Schleuderdrama“, unterstützt vom Verein Bürger und Polizei, sollen die AMS-Schüler der Jahrgangsstufe zehn für angemessenes Verhalten im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Die verantwortlichen Lehrer Anke Hollenberg und Johann Harmgarth haben dafür erneut das Projektteam „Schleuderdrama“ in die AMS geholt.

Vertreter der Polizei, der Notfallseelsorge, der Rettungskräfte und Schulpsychologen ergründen mit den 88 Schülern in kleinen Gruppen, wie Alkohol und Drogen, oder auch Handynutzung, sich auf das Verhalten im Straßenverkehr auswirken. Im ersten zentralen Teil für alle Zehntklässler werden Filme und Bilder von Unfällen auf der großen Leinwand gezeigt.

Videos erschreckend realistisch

Die Schüler halten sich teilweise die Augen zu, so erschreckend realistisch sind die Videoclips von schlimmen Verkehrsunfällen, in denen Körper durch Fensterscheiben fliegen und Köpfe mit voller Wucht aneinander knallen. Die Videos werden immer wieder von Erzählungen unterbrochen – und auch die persönlichen Schilderungen der Einsatzkräfte nehmen die Schüler sichtlich mit. „Es gibt Einsätze, die werfen einen schon aus der Bahn…“ erzählt Jens-Peter Kern von einem Einsatz. Am Unfallort musste die Feuerwehr vor allem technische Hilfe leisten, damit die schwer verletzte Frau befreit und abtransportiert werden konnte.

„Dann kam ein Freund gefahren und suchte nach seiner Frau – und da habe ich realisiert, dass ich das Opfer gut kannte“, erinnert sich der Stadtbrandinspektor aus Bensheim. „Sie hat es leider nicht geschafft. Damit hatte ihr Mann zu kämpfen – und ich auch…“

Steffi Beckmann und ihre Kollegen von der Notfallseelsorge betreuen die Angehörigen nach schweren Unfällen. „So ein Ereignis verändert das ganze Leben, nichts ist mehr, wie es vorher war“ weiß sie aus den zahlreichen Einsätzen. Auch das Team der Schulpsychologen betreut diejenigen, die nach Unfällen zurückbleiben, oft mit vielen unbeantworteten Fragen. Tobias Knapp nennt den Schülern das Beispiel eines verunglückten Pärchens und versetzt sie in die Gefühlslage der Mitschüler, des schwer verletzten Mädchens und des Unfallverursachers. „Man kann Verkehrsunfälle auch überleben“ weiß Jörg Meinhof vom Pflegeteam Odenwald aus seiner Arbeit. Er erzählt aber nicht von Patienten mit schweren neurologischen Schädigungen, sondern von einem guten Bekannten. „Er hat Zivildienst bei uns gemacht und hat bei uns seine Frau kennengelernt. Sie haben geheiratet und ein Kind bekommen“, schildert er den Lebensweg, der abrupt endete: „Vor ein paar Tagen hatte er einen Motorradunfall – und ist gestorben.“

Lebensträume sind zerplatzt, weil man selbst nicht aufmerksam war, sich überschätzt hat oder einfach unbeteiligt mitgerissen wurde. „Haltet euch einfach an die Regeln“, mahnt Peter Hoffmann (Jugendkoordinator Polizeidirektion Südhessen und Mitinitiator von „Schleuderdrama“ am Ende, damit die Schüler ihre eigenen Träume auch umsetzen können. Jörg Meinhof formuliert es plakativer: „Schaltet einfach euer Hirn ein!“

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