Viernheim

Kriminalität Staatsanwaltschaft erwartet Ergebnisse der Rechtsmedizin in zwei Wochen

Schicksal des Säuglings unklar

Viernheim.Es war ein Baby, das Unbekannte in dem Waldstück direkt hinter dem Viernheimer Waldfriedhof in einer Tasche abgelegt haben. Denn wie die Staatsanwaltschaft in Darmstadt und die Polizei in einer gemeinsamen Presseerklärung erläuterten, handelt es sich bei den Knochen, die ein Pilzsammler am vergangenen Samstag dort gefunden hatte, um das Skelett eines Säuglings. Dies hätten erste Untersuchungen ergeben. Allerdings sind noch viele Fragen offen.

Beispielsweise ist die Identität des Säuglings unklar. Die Gerichtsmedizin habe bisher noch nicht einmal das Geschlecht des Babys herausfinden können. Auch wissen die Ermittler noch nicht, wie lange das Baby bereits tot ist und wie lange es in der Tasche in dem Waldstück gelegen hat.

Auch Totgeburt denkbar

"Unsere Ermittlungen konzentrieren sich zunächst einmal darauf, die Identität des Kindes zu klären", sagte der Darmstädter Oberstaatsanwalt Robert Hartmann. Es stelle sich auch die Frage, ob das Baby eines gewaltsamen Todes gestorben sei oder ob es überhaupt gelebt habe. Denkbar sei nämlich auch, dass es sich um eine Totgeburt gehandelt haben könnte, die jemand dort deponiert habe. "Das wird allerdings wohl schwierig herauszufinden", sagt der Staatsanwalt mit Verweis auf entsprechende Informationen aus der Gerichtsmedizin. Da es sich bei dem Fund um Knochen gehandelt habe, geht Hartmann davon aus, dass der Verwesungsprozess der Babyleiche schon sehr weit fortgeschritten war. "Wir hoffen sehr, dass die Gerichtsmedizin uns ein belastbares Ergebnis liefern kann." Mit einem Bericht rechnet der Staatsanwalt in etwa zwei Wochen.

Über die Stofftasche, in der der Leichnam des Säuglings gelegen hat, will der Oberstaatsanwalt zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Einzelheiten berichten. Schließlich gehe es dabei um Details, die unter Umständen nur Personen wissen könnten, die eng und direkt mit dem Fall zu tun haben. Aber gegebenenfalls werde man zu einem späteren Zeitpunkt auch Bilder von der Tasche veröffentlichen, um die Bevölkerung um Mithilfe zu bitten. Die Tasche solle in jedem Fall dabei helfen, Hinweise auf die Eltern oder mögliche dritte Personen zu geben, die etwas über den Tod des Säuglings und die Hintergründe sagen können.

Aus diesen sogenannten "ermittlungstaktischen Gründen" will Hartmann auch zum aktuellen Zeitpunkt nicht verraten, ob sich möglicherweise außer den Säuglingsknochen noch weitere Gegenstände in der Tasche befunden haben. "Das könnte möglicherweise Zeugenaussagen verfälschen", erläutert der Jurist die Ermittlungsstrategie. Und falls es sich herausstellt, dass es sich um ein Kapitalverbrechen handelt, könnte solches Wissen von entscheidender Bedeutung sein.

Wie bereits in unserer Dienstagausgabe berichtet, hatte ein Pilzsammler am Samstag die Tasche mit den Knochen des Säuglings in einem Waldstück hinter dem Viernheimer Friedhof gefunden und die Polizei alarmiert. Dem äußeren Anschein nach habe die Tasche, eine Art Sporttasche, wohl schon länger in der freien Natur gelegen.

Gegenstände sichergestellt

Daraufhin hatten 20 Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei im Beisein zweier Kripo-Beamtinnen der Heppenheimer Polizeidirektion ein Waldgelände von mehreren Hundert Quadratmetern Größe abgesucht. Deren Ziel war, weitere Spuren im Zusammenhang mit dem grausigen Fund zu entdecken.

Tatsächlich habe man einige Gegenstände gefunden und sichergestellt, bestätigte Bernd Hochstädter, als Polizeisprecher zuständig für den Kreis Bergstraße. Ob diese Gegenstände jedoch mit dem Fall der unbekannten Säuglingsleiche in Zusammenhang stehen, darüber konnte Hochstädter gestern noch keine Informationen geben. Auch das müsse erst noch ausgewertet werden.

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