Viernheim

Focus Krankenwagen für Silly bereits zu zwei Dritteln finanziert / Suche nach geeignetem Fahrzeug

Schnelle Hilfe bei Notfällen

Archivartikel

Viernheim.Hierzulande genügt ein Notruf und innerhalb weniger Minuten ist der Krankenwagen vor Ort. Davon können die Bewohner von Viernheims Partnerstadt Silly in Burkina Faso nur träumen. Dort müssen sich Verletzte und Kranke oft selbst auf den Weg in die Klinik machen. Der Afrikaverein Focus sammelt daher bereits seit November Spenden, um ein Krankenwagen anzuschaffen (wir berichteten).

Mittlerweile liegen schon mehr als 20 000 Euro im Spendentopf, also fast zwei Drittel der benötigten Summe. „Das ist ein super Zwischenergebnis. Da der Krankenwagen auch für das Gelände tauglich sein und eine gewisse Robustheit besitzen muss, ist er natürlich nicht ganz billig. Wir haben einen Kaufpreis von etwa 30 000 Euro veranschlagt“, erklärt Manfred Weidner vom Focus Vorstand. Vorstandsmitglied Wolfgang Pachner hat mit einer österreichischen Hilforganisation Kontakt aufgenommen, die auch Krankenwagen nach Burkina Faso importiert und dort vertreibt. Es werde demnächst Gespräche geben, um einen geeigneten Wagen zu finden.

Arbeitsgruppe gebildet

Der Gemeinderat des Departements Silly hat sich auf Initiative des Ersten Stadtrats Kamou Konate auch schon mit dem Thema Krankenwagen befasst. Inzwischen wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit Details zur Finanzierung der laufenden Kosten befasst. Neben Geld für Treibstoff und Instandhaltung geht es insbesondere um den Fahrerlohn.

Um diese Kosten zu decken, ist eine allgemeine Umlage auf die Bevölkerung vorgesehen. Außerdem muss festgelegt werden, in welchen Fällen der Krankenwagen zum Einsatz kommt.Wie dringend ein Krankenwagen vor Ort benötigt wird, beschreibt Manfred Weidner an einem Beispiel: „Eine hochschwangere Frau ist auf dem Weg zum 80 Kilometer entfernten Hospital in der Provinzstadt Leo gestorben. Denn der Krankenwagen benötigte bereits für die Anfahrt vom Krankenhaus nach Silly fast fünf Stunden. Die Geburt per Kaiserschnitt war für die Hebamme in der dortigen Geburtsstation nicht möglich gewesen.“

Die Liste der Notfälle ließe sich beliebig fortsetzen. Verletzte mit schwerwiegenden Frakturen und offenen Wunden werden notgedrungen mit einem Moped nach Leo gebracht. Schwerkranke verzichten oft ganz auf den Transport. Deshalb bleiben lebenslange gesundheitliche Einschränkungen zurück.

„Die unzureichenden Transportmöglichkeiten in die weit entfernten Krankenhäuser in Leo, Boromo und Koudougou sind ein unhaltbarer Zustand für die 34 000 Bewohner von Silly“, erklärt der Focus-Vorsitzende Klaus Hofmann. „In den Gesundheits- und Geburtsstationen leisten die Krankenpfleger und Hebammen eine hervorragende Arbeit, schwierige Fälle müssen jedoch in die größeren Städte überwiesen werden.“ JR

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