Viernheim

Benefizkonzert THW-Bigband spielt Swing-Klassiker und Weihnachts-Hits / Verein Focus will von Spenden Krankenwagen für Silly kaufen

Schwungvoller Start in leise Zeit

Viernheim.Erstmal hielt sich die Begeisterung in Grenzen. „Spielen wir das beim Rosenmontagsumzug?“, spotteten die Bigband-Musiker bei der Probe. „Das passt doch nicht zu uns.“ Und: „Das wird nichts.“ Aber dann versuchten sie es doch – und verliebten sich. „Das macht Spaß“, ruft Sänger Martin Seifarth am Sonntag noch eilig ins Publikum, da schmettert hinter ihm auch schon die THW-Bigband los: „Eine Muh, eine Mäh, ein Tatütatütatä“. Das leicht umgedichtete deutsche Weihnachtslied ist das Motto des Benefizkonzerts der THW-Bigband – und irgendwie auch des zurückliegenden Jahres.

Vor einem Jahr wurde aus der MSC-Bigband die THW-Bigband. „Seitdem haben wir viel erlebt“, sagt Bandleader Albert Hofmann: der Umzug vom alten Probenraum in die THW-Unterkunft. Neue Bühnen-Outfits in THW-Farben. Völlig ungewohnte Rundumbetreuung durch das THW-Küchenteam bei Konzerten. Und dann noch ein nie gekanntes Sicherheitsbewusstsein. „Als wir heute die Leiter nehmen wollten, um wie immer die Scheinwerfer hier in der alten TSV-Halle einzustellen, hieß es plötzlich: Stopp! Das ist gefährlich“, sagt Hofmann und erzählt unter dem Gelächter des Publikums, wie seine Musiker daraufhin von ihren THW-Kollegen erstmal lernten, was eine sichere Leiter ist, bevor der Konzert-Aufbau weiterging.

Ohne Erklärungen sofort auf einer Wellenlänge sind die Musiker und das THW aber beim Anlass des Konzerts: „Das THW hilft“, macht der Ortsbeauftragte Volker Patzwaldt klar. Und mit ihrem Benefizkonzert ruft die THW-Bigband in diesem Jahr ihr Publikum dazu auf, den Menschen in Viernheims Partnergemeinde Silly in Burkina Faso zu helfen. Wer dort schwer krank wird, muss es bisher allein zum 80 Kilometer entfernten Krankenhaus schaffen. Einen Krankenwagen gibt es nicht.

„Erst Ende Oktober ist eine Frau auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben“, erzählt Manfred Weidner, Vorstandsmitglied des Afrikavereins Focus. Vier Stunden wurde die schwerkranke Frau auf einem Mofa transportiert, so schnell es eben ging über die holprigen Straßen. Aber es war zu langsam – mal wieder. „Das ist nur einer von vielen Fällen, die uns berichtet werden“, sagt Weidner. „Ein Krankenwagen ist dort mehr als notwendig.“ Instand halten sollen ihn die Menschen vor Ort selbst über einen kleinen jährlichen Beitrag pro Dorfbewohner. Aber erst einmal seien weit mehr als zehntausend Euro nötig, um einen Krankenwagen anzuschaffen. „Das Konzert ist der Startschuss für unsere Spendenaktion“, sagt Weidner.

Um Spenden für diesen Krankenwagen zu erspielen, legt sich die Bigband mächtig ins Zeug. Und zwar nicht nur musikalisch, sondern mit vollem Körpereinsatz. Zu Klassikern wie „Wake Me Up Before You Go-Go“ oder „9 To 5“ schwenken die Posaunisten ihre Instrumente und wippen die Trompeter auf und ab. Schon beim Eröffnungs-Lied wird klar: Die 20 Musiker, ihr Chef sowie Sänger Seifarth und Sängerin Christa Allert haben Spaß an der Musik.

Publikum singt mit

Und das steckt schnell das Publikum an. Immer wieder klatschen die Zuhörer der voll besetzten alten TSV-Halle – angeleitet von Dirigent Hofmann – die fetzigen Hits mit oder werden als Background-Chor aktiv. Der erste Teil des Konzerts ist eine bunte Mischung aus Swing, Funk und Soul. Auch Pop-Hits sind dabei, wie „Nur noch kurz die Welt retten“, selbst arrangiert von Albert Hofmann für seine Bigband. Auch das zuerst von den Musikern so skeptisch beäugte Weihnachtslied „Eine Muh, eine Mäh“ hat der Viernheimer eigenhändig Bigband-fähig gemacht. „Mein Sohn hat das ständig gesungen“, erzählt er. „Da habe ich mich nachts hingesetzt und ein Arrangement geschrieben.“

Das Ergebnis reißt mit – und ist die Überleitung zum weihnachtlichen Teil des Abends, der von „Let It Snow“ über „Santa Baby“, für das Sängerin Christa Allert besonders viel Applaus einheimst, bis zum Klassiker „White Christmas“ reicht.

Am Ende klatschen die Zuhörer begeistert und werden mit drei Zugaben belohnt. Eine davon ist „Amazing Grace“, der Testlauf für das große Konzert der Bigband bald in Berlin zum Abschied des THW-Präsidenten (wir berichteten) mit hohen Gästen wie dem Bundesinnenminister. Auch dieses Lied hat Hofmann in Eigenregie „ein bisschen aufgebrochen und wieder zusammengekittet“, wie er sagt. Sehr zum Gefallen seiner Band, die damit das Publikum schwungvoll aus der TSV-Halle und rein in einen gar nicht leisen Advent schickt.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional