Viernheim

Museumsfest Historiker Peter Bilhöfer unterhält Besucher mit Anekdoten / Alte Filmaufnahmen und Mitmachaktionen

Stadtgeschichte zum Anfassen

Viernheim.Laut schallen Lachen und Stimmengewirr durch den Museumsgarten, mischen sich mit dem Hämmern aus der Schmiede und den Sägegeräuschen aus der Steinmetzwerkstatt. Doch Hausmeister Bottich ist lauter. Gerade erzählt er mit tragender Stimme und Kurpfälzer Dialekt vom Jahr 1803, als die Viernheimer hessisch wurden - und das gar nicht lustig fanden. Denn kurz darauf sei eine Fenstersteuer erhoben worden und die Viernheimer hätten obendrein ihren Raps statt wie gewohnt zur Heddesheimer Ölmühle ins weit entfernte Gorxheimertal fahren müssen. Doch Bottich verweilt nicht lange bei dem historischen Fachwerkgiebel, der ihn auf diesen Gedanken gebracht hat. Der Mann im grauen Hausmeisterkittel mit dem vergilbten Cord-Hut auf dem Kopf stiefelt weiter, steuert scheinbar ziellos Pflanzen, Steinkreuze oder Grenzsteine im Museumsgarten an und hat zu allem etwas Spannendes zu erzählen.

Genau so hat sich Gisela Wittemann das vorgestellt. Vor einem halben Jahr hat die Museumsleiterin begonnen, mit ihrem Team das Museumsfest zu planen. "Es sollte nicht nur Essen und Getränke geben", erzählt sie, "sondern auch mehr kulturelle Angebote als sonst. Etwas Besonderes!" Dabei kam ihr Peter Bilhöfer in den Sinn, Historiker, Museumspädagoge und begeisterter Schauspieler. Die Rolle des Hausmeisters Bottich gefiel dem Oppauer sofort. "Ich habe beschlossen, meine Führung durch den Museumsgarten zu machen", erklärt er. "Der hat wahnsinnig viel zu bieten."

Gleich zu Beginn des Fests am Sonntag zieht Bilhöfer mit der ersten Gruppe durch den Garten, quetscht sich durch die Schlange hungriger Gäste, die auf eine Steinofenpizza warten, passiert die Scheune, wo Kinder mit Sägen, Bohrern und Feilen Kunstwerke aus Speckstein herstellen und schiebt sich an der Schmiede vorbei, wo Familien ihre Namen in Lederarmbänder prägen. Es ist voll, und das freut Wittemann. "Wir wollen die Leute auf das Museum aufmerksam machen", sagt sie. Die Bürger sollen sehen, dass das Museum kein Haus voller staubiger Schaustücke ist, sondern ein Ort, an dem es viel Spannendes über die Geschichte der Stadt zu erfahren gibt.

Szenen aus dem Jahr 1965

Auch Bürgermeister Matthias Baaß entdeckt hier immer wieder etwas Neues. Im Erdgeschoss bleibt sein Blick an einem Film über das Leben im Jahr 1965 hängen. An manchen Ecken sah es damals ziemlich ländlich in Viernheim aus. In anderen Räumen, im Scheunenfoyer und im Zollamt laufen Filme, die Bilder von früheren Fronleichnamsprozessionen zeigen, von der Landwirtschaft oder Mode. Eine bunte Mischung, die neugierig auf mehr macht. "Das Museum hat die unterschiedlichsten Facetten", sagt Baaß. "Die Stadt hat in den letzten Jahren viel Geld investiert, um aus dem Museum ein Schmuckstück werden zu lassen."

Bis in den späten Nachmittag hinein schauen sich die Viernheimer dieses Schmuckstück an, erkunden die Ausstellung, versuchen das Quiz zu lösen, spritzen sich aus Versehen bei den Wasserexperimenten nass, betrachten fasziniert die riesigen Werkzeuge in der Schmiede - und sind meist genauso begeistert wie eine junge Besucherin, die gar nicht genug kriegen kann. "Sollen wir noch mal ins Museum?", fragt ihre Mutter beim Verlassen des Fests. "Oh ja", ruft das Mädchen. Und Gisela Wittemann lächelt zufrieden.

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