Viernheim

Vortrag Neurologe Mike Soehendra spricht über Demenz und Alzheimer

Störungen schnell abklären

Viernheim.„Wo ist mein Schlüssel? Wie heißt nochmal dieser Bekannte?“ Mit der Zeit lässt das Gedächtnis nach. Aber ab wann liegt eine Krankheit vor? Darauf ging der Neurologe Mike Soehendra bei seinen Vortrag: „Demenz oder nicht? – Das ist hier die Frage...“ im Ratssaal ein.

Soehendra arbeitet seit 2015 als Facharzt für Neurologie am Zentrum für Neurologie und Seelische Gesundheit am St. Josef-Krankenhaus. Nach seinem Medizinstudium an der Universität Hamburg und seiner Facharztausbildung gründete er die Schlaganfallstation am Kreiskrankenhaus in Heppenheim mit. Danach war er Leiter der Schlaganfallstation der Universitätsklinik Heidelberg.

Organisiert wurde der Vortrag vom Demenznetz Viernheim, dessen Vertreter, Eberhard Schmitt-Helfferich, die zahlreichen Zuhörer begrüßte. Soehendra schilderte lebhaft die Schicksale bekannter Persönlichkeiten, die im Alter an Demenz erkrankten. Dazu gehören Margaret Thatcher, Rita Hayworth, Enid Blyton, Rudi Assauer, Ronald Reagan sowie Charlton Heston und Robin Williams.

Diagnostiziert wurde eine krankhafte Geistesschwäche erstmals von dem Arzt Alois Alzheimer 1901 an der damals 51-jährigen Patientin Auguste Deter. Nach ihrem Tod im Jahr 1906 entdeckte er bei der Untersuchung ihres Gehirns flächenweise zugrunde gegangene Nervenzellen und Eiweißablagerungen in der gesamten Hirnrinde.

Diese degenerative zerebrale Krankheit beginnt meist schleichend und entwickelt sich langsam aber stetig. Neben der Alzheimer-Erkrankung ist die vaskuläre Demenz das häufigste Krankheitsbild. Sie kann durch Infarkte oder gravierende Durchblutungsstörungen im Gehirn entstehen. Auch eine fortschreitende Parkinson-Erkrankung kann Ursache einer Demenz sein.

Zurzeit sind in der Bundesrepublik Deutschland rund 1,2 Millionen Patienten an Demenz erkrankt; jährlich kommen rund 250 000 neue Fälle hinzu. Man brauche deswegen aber nicht in Panik zu verfallen, so Soehendra, da selbst in der Gruppe der 90- bis 95-Jährigen nur jeder Dritte an Demenz erkrankt ist.

Demenz ist meist mit Gedächtnisstörungen, Verlust der Denkleistung und Parkinson-Symptomen, etwa verlangsamten Bewegungsabläufen und Zittern, oder dem Verlust von sozialen Kompetenzen verbunden.

Allerdings müsse „Tüddelichkeit“, die fast jeder schon erlebt hat, deutlich von Demenz unterschieden werden. Es gelte, normale Gedächtnisschwächen, wenn zum Beispiel jemand Schlüssel verlegt, von krankhaften Fehlleistungen, wenn etwa jemand Schlüssel in den Kühlschrank legt, zu unterscheiden. Auf jeden Fall sollte aber jede Gedächtnis- oder Verhaltensstörung zügig und gründlich – zum Beispiel durch Tests mit Neurologen oder Laboruntersuchungen – abgeklärt werden.

Bei der Fragegrunde ging es unter anderem darum, ob bestimmte Verhaltensweisen schon Anzeichen von Demenz sind. Außerdem stand die Frage der Prävention im Vordergrund. Hier gäbe es nur den allgemeinen Rat – so Soehendra: Genug trinken, gesund essen sowie körperlich und geistig fit bleiben. Im Übrigen könne man auch mit leichten Demenz-Symptomen verhältnismäßig gut leben.

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