Viernheim

Menschen in Viernheim Als ehrenamtlicher Stadtbrandinspektor ist Michael Ahnert oft rund um die Uhr im Einsatz / Sorge um die Zukunft der Feuerwehr

Technik entfacht die Leidenschaft

Viernheim.Das Telefon klingelt. Noch während Michael Ahnert zum Hörer greift, kommt ein Kollege in sein Büro gestürmt: „Du, Michel, weißt du...?“ Ahnert schüttelt heftig den Kopf und telefoniert weiter. Da steht schon der Nächste in der Tür: „Ach, Michel, was ich dich noch fragen wollte. . .“ Ahnert stöhnt und lacht gleichzeitig. „So geht das den ganzen Tag: Michel, Michel, Michel.“

Seit Januar ist der Viernheimer offiziell neuer Stadtbrandinspektor. Aber „Herr Ahnert“ nennt ihn auf der Feuerwache trotzdem niemand. Denn der Neue ist schon länger im Dienst als die meisten seiner Kollegen. „Mit zwölf bin ich zur Feuerwehr und seit ich 17 bin, habe ich einen Melder und fahre Einsätze, Tag und Nacht“, sagt der 58-Jährige. Neu ist nur eines: Er ist jetzt der Chef. „Und damit auch ein bisschen sowas wie die Mutter der Kompanie“, sagt Ahnert schmunzelnd.

Dabei wollte er eigentlich nie Stadtbrandinspektor werden. „Dazu gehört viel zu viel Verwaltungsarbeit“, seufzt er und deutet mit der Hand auf die Ordner im Regal hinter seinem Schreibtisch. „Mich hat an der Feuerwehr immer viel mehr die Technik interessiert. Schon mit zwölf. So ein Feuerwehrauto“, sagt er grinsend, „das ist halt was Tolles“.

Aber als die Viernheimer Wehr im Januar dringend einen neuen Stadtbrandinspektor brauchte, ließ er sich doch überzeugen, das Ehrenamt für die nächsten fünf Jahre zu übernehmen. „Ich habe das Glück, schon seit 1986 hauptamtlicher Feuerwehrmann in Viernheim zu sein“, erklärt Ahnert. Nur so sei zusätzlich das Ehrenamt als Stadtbrandinspektor in einer Stadt von der Größe Viernheims zu stemmen. Diese Aufgabe neben einem anderen Job – womöglich sogar außerhalb Viernheims – zu erfüllen, sei rein zeitlich kaum machbar.

Seit Ahnert Chef der Feuerwehr ist, hat er alle Hände voll zu tun. „Das Telefon klingelt dauernd“, sagt er: Feuerwehrzufahrten müssten kontrolliert, Einsatzberichte geschrieben, Gebäudepläne auf Brandschutz geprüft, Kommunalpolitiker vor der Investition in neue Ausrüstung beraten werden. „Aber ich habe ein gutes Team“, betont Ahnert. „Sonst würde das neben meiner normalen Arbeit gar nicht funktionieren.“ Denn eigentlich ist der Viernheimer gemeinsam mit vier Kollegen von der Stadt Viernheim fest angestellt, um Feuerwehrautos und -geräte zu warten, Brände zu löschen oder zu Autounfällen auszurücken. „Wenn der Alarm losgeht, können wir fünf sofort ein Auto besetzen und innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten am Einsatzort sein“, sagt er. Von den insgesamt 71 aktiven freiwilligen Feuerwehleuten in Viernheim arbeiten nur zehn in der Nähe und können tagsüber in kürzester Zeit vor Ort sein.

Während die Zahl der ständig verfügbaren Aktiven sinkt, schnellt die Zahl der Einsätze aber immer weiter in die Höhe: „305 mal sind wir 2017 ausgerückt – Tendenz steigend“, erklärt der Chef der Feuerwehr. Nur ein Drittel davon seien Brände, der Rest technische Hilfeleistungen zum Beispiel bei Unfällen. „Dafür stellen viele Arbeitgeber ihre Angestellten heute nicht mehr frei“, sagt der 58-Jährige.

„Dass es immer weniger freiwillige Feuerwehrleute gibt, die jederzeit ausrücken können, ist ein großes Problem in Deutschland. Denn hier ist die Feuerwehr nicht wie in anderen Ländern Europas rein hauptamtlich organisiert, sondern stützt sich auf Freiwillige“, erklärt Michael Ahnert. Seit er Stadtbrandinspektor ist, ist das nun auch sein Problem – und zwar rund um die Uhr. Denn selbst, wenn seine Schicht als angestellter Feuerwehrmann zu Ende ist, bleibt er immer noch ehrenamtlicher Chef der Wache – und damit meist Einsatzleiter, wenn der Alarm in der Nacht, am Wochenende oder mitten an Heiligabend losschrillt. „Das geht nur, wenn die Familie Verständnis dafür hat“, sagt er. „Mein Sohn musste, als er klein war, viel auf seinen Vater verzichten.“

Abwechslungsreiche Arbeit

Trotzdem sagt der Viernheimer immer noch voller Überzeugung: „Es ist mein Traumjob!“ Der Feuerwehrmann liebt die Abwechslung an seiner Arbeit, das Zusammentreffen mit anderen Menschen, das Helfen. Und wenn ihm die Verwaltungsarbeit als Chef mal zu viel wird? Ahnert lacht. „Dann wasche ich dreckige Einsatzklamotten oder schwinge den Besen durch die Fahrzeughalle.“ Und er wartet auf den nächsten Einsatz. „Ganz ehrlich: Ich stehe lieber acht Stunden bei Regen im Einsatz auf der Autobahn als dass ich am Schreibtisch sitze!“

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