Viernheim

Energie Rathaus scheitert im Ringen um künftige Trassenführung / Netzbetreiber Amprion will Stromleitung im Jahr 2023 in Betrieb nehmen

Ultranet rückt nah an die Stadt

viernheim.Die Stadt ist mit ihren Vorstellungen zur Trassenführung der Hochspannungsleitung Ultranet gescheitert. Die Bundesnetzagentur hat einer Trassenführung über Worms eine Absage erteilt, zum Bedauern des Viernheimer Bürgermeisters Matthias Baaß. Auch über die Gemarkung seiner Stadt führt der nun definierte, rechtsrheinisch verlaufende Korridor. Fernab des besiedelten Stadtgebiets quert er das Autobahnkreuz an der A6 und die Viernheimer Heide.

Als ein „dringliches Energiewendeprojekt“ bezeichnet der Netzbetreiber Amprion das Vorhaben. Die Nord-Süd-Stromtrasse von 340 Kilometern Länge wird laut Plan ab dem Jahr 2023 Gleichstrom zwischen Osterath in Nordrhein-Westfalen und Philippsburg in Baden-Württemberg befördern, und das nicht zu knapp. 2000 Megawatt elektrische Leistung sollen dann übertragen werden. „Bei günstigen Wetterverhältnissen können dann Windkraftanlagen den Süden der Republik versorgen“, sagt Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon. Die Hochleistungs-Trasse könne aber auch in umgekehrter Richtung bedient werden, fügt sie hinzu. Wenn etwa bei sonnigem Wetter viel Solarstrom im Süden anfalle und dann nach Norden transportiert werden müsse.

Bevor aber überhaupt etwas läuft, steht das langwierige Planfeststellungsverfahren an, das nun vorbereitet wird. Beim Bau von Ultranet sollen nach Angaben von Amprion-Sprecherin Bouillon zwar bereits bestehende Streckenverläufe genutzt werden, allerdings in Form eines sogenannten Ersatzneubaus: Auf rund 18 Kilometern sollen 83 der rund 40 Meter hohen Freileitungsmasten abgerissen und dafür 54 geringfügig höhere Masten errichtet werden. Grund sei das hohe Alter der Infrastruktur in dem Bereich und die technischen Anforderungen an die Standsicherheit. In anderen Gebieten sollten aber die bestehenden Masten auch für die Ultranet-Gleichstromleitungen genutzt werden. „Auch im Planfeststellungsverfahren wird die Stadt Viernheim ihre Interessen einbringen“, sagt Bürgermeister Matthias Baaß dieser Zeitung. In dem Verfahren wird der konkrete Leitungsverlauf innerhalb des feststehenden Korridors bestimmt. Es wird absehbar ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Widerstand gegen Ultranet gibt es in der Region bislang vor allem in Lampertheim, zumindest bei der Lokalpolitik. Die Freileitungen würden im Stadtgebiet Wohngebäude im Abstand von wenigen hundert Metern passieren. Vertreter von CDU und FDP forderten dort bereits, die Stromleitungen als Erdkabel unterirdisch verlaufen zu lassen, um Beeinträchtigungen der Bürger zu vermeiden. Das aber sehen die Pläne von Amprion nicht vor.

Kein Widerstand der Bürger

So sollen die neuen Gleichstromleitungen oberirdisch direkt neben den bestehenden Wechselstromleitungen geführt werden. Wohl auch deshalb, da bei Neubauten strengere gesetzliche Richtlinien einzuhalten wären als bei einer Nutzung bestehender Infrastruktur. Ultranet ist den Planungen zufolge nur eine von mehreren „Strom-Autobahnen“ in Deutschland. Andernorts laufen Bürgerinitiativen Sturm gegen das Vorhaben. Im „Aktionsbündnis Ultranet“ etwa sammeln sich Bürger, die gesundheitliche Schäden vermuten und den Preisverfall von Immobilien fürchten.

In Viernheim sorgt sich nach Angaben von Bürgermeister Baaß derzeit kein Grundstücksbesitzer um den Wert seiner Ländereien. Jedenfalls liege der Stadtverwaltung bisher keine Beschwerde im Zusammenhang mit der neuen Trasse vor. Auch durch Widerstand oder Protest sind die Viernheimer bisher nicht in Erscheinung getreten. Und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Viernheim sieht weder Gefahren für Menschen noch für Vögel. „Leitungen könnten dann gefährlich werden, wenn sie Zugvögeln im Weg sind“, sagt BUND-Vorstand Peter Dresen. Das geschehe aber vor allem bei Neubauten. Amprion als Träger des Vorhabens plant seinerseits, noch stärker in der Öffentlichkeit präsent zu sein und für die Trasse zu werben. Ein Besuch ist auch in Viernheim geplant, um Bürger über das Vorhaben Ultranet zu informieren. Sogenannte Bürger-Infomärkte sollen zwischen dem 9. und dem 11. April sowohl in der Brundtlandstadt als auch in Biblis, Bürstadt und Lampertheim stattfinden. Orte und Zeiten will Amprion noch mitteilen.

Im März soll zudem in Lampertheim ein Treffen stattfinden, bei dem Träger öffentlicher Belange eingeladen sind. Das sind die Spitzen von Städten und Gemeinden, die dann Einwände äußern können.

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