Viernheim

Neubaugebiet Bannholzgraben-Bewohner befürchten Lkw-Lärm und Abgase vor der Haustür / Protest gegen weitere Zufahrt

„Unsinnige Straßen verhindern“

Viernheim.Die Proteste rund um das geplante Baugebiet Bannholzgraben II reißen nicht ab: Am Mittwochabend versammelten sich etwa 20 Anwohner von Astrid-Lindgren-Weg, Mark-Twain- und Wilhelm-Busch-Straße auf dem Spielplatz des Quartiers, um ihren Unmut über eine mögliche Baustraße entlang ihrer Grundstücke zu äußern. Zudem machten sie deutlich, dass sie den Bau einer weiteren Zufahrtsstraße – ob vom Alten Weinheimer Weg oder dem Wiesenweg kommend – für unnötig halten und daher grundsätzlich ablehnen. An dem Ortstermin nahmen Vertreter der SPD-Fraktion teil. Das Gespräch will die Gruppe aber auch noch mit den anderen Parteien suchen.

Mit teils drastischen Worten kritisierten die Bürger Verwaltung und Stadtverordnete: Entscheidungen würden in „Wild-West-Manier“ getroffen, von Unvernunft, Inkompetenz und Klientelpolitik war ebenso die Rede. Die Bewohner kündigten an, im Zweifelsfall den Rechtsweg beschreiten zu wollen.

Reiner Hieske erklärte den Sozialdemokraten die Verärgerung der Bewohner am südwestlichen Rand des künftigen Baugebiets: Eine etwaige Baustraße im Bereich des bereits vorhandenen Wirtschaftswegs bedeute „sechs bis acht Jahre den ganzen Tag über Verkehrslärm und Abgase“. Überhaupt nicht nachvollziehen können die Familien, dass laut einem Plan sogar eine Haltebucht am Spielplatz vorgesehen sei. Für die Kinder sei er dann nicht mehr zu gebrauchen. „Die Lkw stehen hier mit laufendem Motor und stinken vor unseren Fenstern“, blickte Hieske in die Zukunft. Und darüber hinaus müssten etliche Bäume weichen. „Wir sollten doch auf die Natur achten“, hieß es mehrfach.

Bernhard Moog schlug deshalb vor, die Baustraße an den Wiesenweg anzubinden – und zwar über einen etwas von der Bebauung entfernten, nordöstlich gelegenen Feldweg. „Dann müsste kein Baum gefällt werden“, sagte Moog. Und Heike Kamuff ist sich sicher: „Das kostet weniger Geld und stört niemanden.“

Nicht hinnehmen wollen die Bannholzgraben-Bewohner auch den Bau einer dauerhaften Erschließungsstraße. Im Fall einer Zufahrt über den Alten Weinheimer Weg wären sie – ebenso wie bei der Baustraße – eventuell sogar unmittelbar betroffen.

SPD-Fraktion zeigt Verständnis

Hieske kritisierte, dass sich die Parlamentsmehrheit aus CDU, UBV und FDP dafür ausgesprochen habe, den Grünzug innerhalb des neuen Gebiets zu verlegen und den Michael-Ende-Weg nicht als Zufahrt nutzen zu wollen. Damit werde die vorgesehene Planung „auf den Kopf gestellt“. Die vorhandenen Straßen „reichen in ihrer Dimension zu mehr als 100 Prozent aus“, so Hieskes Überzeugung. Das belege schließlich auch das Gutachten des Büros von Mörner. Wieso die Parteien nun noch ein weiteres Verkehrsgutachten auf den Weg gebracht haben, verstehen die Bannholzgraben-Bewohner nicht. „Es ist schon verwunderlich, dass man das erste Gutachten einfach außer Acht lässt“, meinte etwa Olga Tessitore.

Mit Verständnis reagierten die SPD-Politiker auf solche Aussagen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dieter Rihm betonte, auch seine Partei sei der Überzeugung: „Wir brauchen keine weitere Zufahrt.“ Allerdings sehe dies die Mehrheit im Parlament nun einmal anders. „Wir müssen realistisch sein“, erklärte Rihm, „die Straße wird kommen“. Gleichzeitig räumte er ein, mit der Baustraße habe sich die Politik noch nicht ausreichend beschäftigt. „Die Einwände sind nachvollziehbar“, so der Sozialdemokrat.

Anwohner Andreas Thiele fasste die Position der Initiative abschließend zusammen: „Wir sind nicht gegen das Baugebiet, aber gegen unsinnige Straßen.“

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