Viernheim

Evangelische Kirche Gruppe des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung besucht ISL Schaumstoff-Technik

Verpackung für Trägerrakete kostet 45 000 Euro

Viernheim.„Verpackung: schön – nötig – überflüssig“ lautet in diesem Jahr das Motto der Betriebsbesuche, die das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Zusammenarbeit mit den Dekanaten veranstaltet. Die Verantwortlichen des Dekanats Bergstraße haben dabei die ISL Schaumstoff-Technik GmbH in Viernheim besucht.

Geschäftsführer und Vertriebsleiter Thomas Heinlein führte die 18 Besucher, die aus Bensheim, Heppenheim, Darmstadt, Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Frankfurt und sogar Wetzlar kamen, durch die großen Produktionshallen. Laut einer Mitteilung des Dekanats ist jeder Bundesbürger pro Jahr für rund 38 Kilogramm Plastikverpackungsabfälle verantwortlich.

Heinlein erklärte jedoch, dass die Verbraucher keinen Einfluss auf die Verpackungen haben, die das Viernheimer Unternehmen produziert. Denn sie gelangen erst gar nicht in den Handel, erläuterte der Geschäftsführer. Die ISL stellt Verpackungen für Industrieprodukte her. Dabei gibt es keine große Serienfertigung, betont Heinlein. Vielmehr entstehen maßgeschneiderte Produkte etwa für den Transport von Herz-Lungen-Maschinen, von Sportgeräten oder von Klimaanlagen für Flugzeuge. Ein großer Abnehmer ist die Automobilindustrie. Der Wert einer einzelnen Verpackung reicht von ein paar Cent bis zu 45 000 Euro. So teuer war die Verpackung einer Trägerrakete für die Raumfahrt. Ausgetüftelt werden die Produkte der ISL von einer zehnköpfigen Entwicklungsabteilung. Dort wird nicht gesägt, gehämmert oder geschnitten. Die Spezialisten arbeiten am Computer.

Maschinen verursachen Lärm

Bis zu 180 Mitarbeiter sind in den Produktionshallen tätig. Bei laufendem Betrieb tragen sie Ohrenschützer. Denn die Wasserstrahlmaschinen, mit denen hier Schaumstoffplatten zugeschnitten werden, verursachen Lärm. Zudem ist es schweißtreibend heiß. Die Klebemaschinen, für die Schaumstoffe geben Wärme ab. Daher müssen die Produktionshallen auch im Winter nicht beheizt werden.

Bei der Verpackungsherstellung fällt reichlich Abfall an. „Was passiert damit“, wollten die Fachreferentin des evangelischen Dekanats Bergstraße Sabine Allmenröder und ihre Kollegin Heike Miehe vom Zentrum gesellschaftliche Verantwortung wissen. „Diese Abfälle sind in der Recycling-Industrie sehr beliebt, weil sie aus reinem Material bestehen und nicht verschmutzt sind“, erklärt Heinlein. Seine Firma kann sie daher zur Wiederverwertung verkaufen.

Die ISL selbst setzt in der Produktion kein recyceltes Material ein. Heinlein nannte auch gleich den Grund dafür: „Unsere Verpackungen müssen so stabil sein, dass sie sich nicht verformen oder nachgeben. Sie müssen, wenn nötig, auch große Temperaturunterschiede aushalten. Das können wir bei wiederverwerteten Material nicht garantieren.“

Das Motto der Betriebsbesuche fand Heinlein für sein Unternehmen übrigens nicht ganz passend. Er sagte: „Unsere Verpackungen sind weder schön noch sind sie überflüssig. Sie sind einfach funktional.“ red

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