Viernheim

Austausch Gäste des Freundeskreises Yaa Soma berichten über ihren Aufenthalt / Schulen und Tagesstätten besucht

„Viel weniger Kinder in den Klassen“

Viernheim.. „Man entdeckt immer etwas Neues”, betont Gilbert Kaboré. Der Vorsitzende von Yaa Soma in Burkina Faso ist inzwischen zum vierten Mal in Deutschland. Der Verwaltungsmitarbeiter am Collège wird diesmal von dem Lehrer Joël Yameogo begleitet. Kurz vor ihrem Rückflug nach Burkina Faso berichten die afrikanischen Gäste zusammen mit den Yaa-Soma-Mitgliedern in Viernheim bei einem Pressegespräch von den vielen Aktivitäten während des Besuchs. „Wir haben in den vergangenen Tagen viel Programm gehabt, aber auch unsere Partner- und Freundschaft intensiviert“, bilanziert Wencke Stülpner.

Zunächst besuchten die Austauschpartner Schulen. „Es sind viel weniger Kinder in einer Klasse“, hat Lehrer Yameogo dabei festgestellt. Die deutschen Schüler hätten zudem mehr Material zur Verfügung. Dennoch sind gute Schulerfolge möglich, wie Kaboré mitteilt: In den über 100 Schulen, die Yaa Soma unterstützt, haben über 70 Prozent der Schüler das Schuljahr mit guten und sehr guten Noten beendet.

Außerdem wurden die Kitas Entdeckerland und Kirschenstraße besucht. Auch das ist Neuland für die Burkinabe. „Kindergärten gibt es bei uns nur in den Städten, und da ist es mehr ein reines Aufpassen auf die Kinder“, berichtet Gilbert Kaboré. Joël Yameogo ist beeindruckt von der frühen Förderung: „In Burkina Faso sind Kindergärten keine staatlichen Einrichtungen, sondern werden privat geführt.“

Neben der Arbeit zum Thema Bildung ist Yaa Soma bei jedem Treffen bemüht, weitere Seiten von Deutschland zu zeigen – Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten. Dem stand aber erst einmal eine aufregende Anreise im Weg, mit einem unplanmäßigem Aufenthalt in Mailand und dem Verschwinden der Koffer. „Wir haben dann spontan im Sozialzentrum eingekauft“, sagt Gaby Weik, „und drei Tage später kamen die Koffer“. Auf dem Programm standen neben Besuchen in Vogelpark, Zoo und Luisenpark auch die Besichtigung eines Milchhofs und einer Brauerei. Darüber hinaus erhielten die Gäste einen Einblick in das Projekt Solidarische Landwirtschaft (Solawi), das dem System in Burkina Faso ähnelt: Es wird zusammengearbeitet, weil man zusammen mehr erreichen kann als alleine.

Vom Badesee fasziniert

Fasziniert waren die beiden Gäste vom Badesee: „In Burkina Faso gibt es kein Wasser, und schon gar nicht zum Baden”, sagt Wencke Stülpner lachend. Natürlich sprechen die Mitglieder von Yaa Soma auch darüber, woran es derzeit fehlt und wofür Spenden benötigt werden. Gilbert Kaboré berichtet von einem besonderen Moment: Die burkinischen Yaa-Soma-Mitglieder hatten gerade Schulbänke in einem Dorf abgegeben, als sie auf dem Rückweg von Menschen aus dem Dorf Tamissi angesprochen wurden. Dort gehen die Kinder zwar zur Schule, die Eltern finanzieren das Schulmaterial. Aber die Infrastruktur ist bescheiden: Die Kinder sitzen auf niedrig gemauerten Lehmbänken. „Wenn es anfängt zu regnen, dann schwimmen die Bänke weg, dann gibt es keine Schule mehr“, sagt Kaboré. Deshalb zielt ein Teil der Sommer-Spendenaktion darauf, Bänke für diese Schule zu finanzieren. Eine Bank kostet 50 Euro.

Das zweite Anliegen betrifft die Gesundheitsversorgung. „In den Gesundheitsstationen werden vorwiegend Schwangere betreut, aber die restliche Versorgung ist nicht gut”, erklärt Stülpner. Menschen würden weggeschickt, weil keine Medizin vorhanden sei oder die Menschen dafür kein Geld hätten. In einigen Schulen dagegen gibt es spezielle Medizin-Boxen. Für 150 Euro werden sie mit Medikamenten gegen Kopf- und Bauchschmerzen, Durchfall, Fieber und kleinere Verletzungen ausgestattet.

Der Wunsch von Joël Yameogo ist es, für möglichst viele Schulen eine Box anzuschaffen. „Viele Kinder werden krank und verletzt in die Schule geschickt, weil ihnen dort geholfen werden kann.“ su

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