Viernheim

Vortrag Rechtsanwältin Ute Müllers erläutert den juristischen Umgang mit Immobilien / Testament handschriftlich verfassen

Vom Kauf bis zum Vererben

Viernheim.Geht ein Kunde in eine Bäckerei und legt beim Kauf von Brötchen das Geld auf die Ladentheke, hat er einen Kaufvertrag nach Paragraf 433 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geschlossen. Die beteiligten Parteien hätten dabei meistens das Gefühl, ein „Geschäft“ gemacht zu haben, erklärte Ute Müllers. Handele es sich allerdings beim Gegenstand der Transaktion um Immobilien – wie Grundstücke, Häuser oder Eigentumswohnungen – komme es zu recht komplizierten Verfahren der Eigentumsübertragung. Genau damit beschäftigte sich die Rechtsanwältin und Notarin in ihrem Vortrag „Kaufen – Schenken – Erben“, zu dem die Volkshochschule in die Kulturscheune eingeladen hatte.

Neben Ute Müllers nahmen Steuerberater Michael Tatsopoulos aus Mannheim und der Viernheimer Sachverständige für Immobilienbewertung, Werner Hanf, an der gut besuchten Veranstaltung teil. Die Referenten gingen auf die Themenbereiche Immobilienkauf, Steuern, Bewertung von Immobilien, Schenkungen und Besonderheiten des Erbrechts ein. Die Besucher nutzten die Möglichkeit, Zwischenfragen zu stellen und beteiligten sich rege an der anschließenden Diskussion.

Der Kauf einer Immobilie, so die Notarin, geschehe in der Regel in drei Phasen: Vorbereitung und Verhandlungen, Beurkundung und Vollzug. Während die Phase eins ausschließlich Sache des Käufers und des Verkäufers sei, komme in den Phasen zwei und drei der Notar zum Zug.

Der Kaufvertrag muss formuliert werden und allen Beteiligten vorgelesen werden. Die Fälligkeit des Kaufpreises ist zu bestimmen, und es müssen eventuelle Lasten auf der Immobile dargestellt beziehungsweise gelöscht werden, so Müllers. Wichtig sei es, eine Vormerkung des Verkaufs ins Grundbuch einzutragen. Nach der Begleichung der Grundsteuer – in Hessen sind dies sechs Prozent – und dem Bezahlen der Kaufsumme kann dann die Eintragung des neuen Besitzers ins Grundbuch erfolgen.

Steuerliche Abschreibung

Michael Tatsopoulos informierte die Zuhörer über die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten sowie die Abzugsfähigkeit der Reparaturkosten. Ebenso wurden Sonderfälle bei Vermietung und bei Eigentumswohnungen behandelt. Werner Hanf erläuterte mit vielen Beispielen aus der Praxis die drei verschiedenen Bewertungsverfahren von Immobilien und die Voraussetzungen, welche solche Gutachten zu erfüllen haben. Außerdem beschäftigten sich die Referenten mit dem Thema Schenkung. Dabei wurde vor allem auf die Zehn-Jahres-Frist – nach der Schenkungen nicht mehr zurückgefordert werden können – und die Möglichkeit von „Kettenschenkungen“ eingegangen.

Abschließend setzte sich Ute Müllers mit der Vererbung auseinander. Die Rechtsanwältin stellte zunächst die gesetzliche Erbfolge vor und beleuchtete dann ausführlich das Prinzip des „Berliner Testaments“, bei dem sich die Ehepartner als Alleinerben einsetzen und Kinder zunächst leer ausgehen. In jedem Fall müssten Testamente, die nicht bei einem Notar erstellt worden seien, vollständig per Hand geschrieben und eigenhändig unterschrieben sein, betonte Ute Müllers.

Nach den Vorträgen nutzte das Publikum die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen. Hierbei wurden unter anderem die Vorteile eines notariell erstellten Testaments oder das Instrument einer „Pflichtteilstrafklausel“ erörtert.

Nach Ende der Veranstaltung, die von Doris Hannemann vom Amt für Kultur, Bildung und Soziales moderiert wurde, bildeten sich kleine Runden von Zuhören und Referenten, bei denen individuelle Probleme diskutiert wurden. Laut Volkshochschule wird Ute Müllers im kommenden Frühjahr einen Vortrag über Versorgungsvollmachten und Patientenverfügungen halten.

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