Viernheim

Ehrenamt Musical Factory aus Mainz überzeugt beim Anerkennungsabend im Bürgerhaus mit einer gelungenen Mischung aus Musik, Choreographie und Schauspiel

Vom Tanz der Vampire bis Sister Act

Archivartikel

Viernheim.Als gegen Ende einer fast zweieinhalbstündigen Show der Extraklasse „Thank You For The Music“ von Abba erklingt, singen viele aus dem Publikum mit. Das hat seine volle Berechtigung: Denn der Dank für die Musik, aber genauso für die Tänze und die schauspielerischen Einlagen, die die Musical Factory aus Mainz im Bürgerhaus zweieinhalb Stunden lang geboten haben, ist mehr als angebracht.

Beim Anerkennungsabend der Stadt für Ehrenamtliche nehmen die acht Musiker, acht Sängerinnen und fünf Sänger das Publikum mit auf eine Busreise „zu den größten Musicals der Welt“. So kündigt es „Busfahrer“ Heinz an – dessen eigentliche Aufgabe es freilich ist, die Trompete zu spielen. Zur Seite steht ihm übrigens ein Viernheimer, Björn Lindenthal an der Posaune.

Wonnegau-West: So heißt die aktuelle Produktion: Zur kammerspielartigen Rahmenhandlung gehören neben der Busfahrt, die in Wonnegau-West 20 Minuten lang unterbrochen wird, Rolf (Helle Polte) und Britta (Silke Jarzina). Die beiden haben gerade Silberhochzeit gefeiert – und gehen gemeinsam auf Tour. Während sie darauf hofft, dass die „erotische Spannung“ der populären Melodien ihrer Ehe neuen Schwung verleiht, zeigt er sich alles andere als „amused“. Rolf nörgelt: Andrew Lloyd Webber habe das Musical erfunden für Menschen, „die für die Oper zu doof sind“.

20 verschiedene Kostüme

Die so gescholtenen mehreren Hundert Gäste im Saal lassen sich von dem Miesepeter nicht irritieren. Ohnehin liefert er sich mit Britta – perfekt inszenierte – Wortgefechte vor allem deshalb, um die Zeit bis zum nächsten Kostümwechsel unterhaltsam zu überbrücken. Aufwendig gefertigte Kostüme gibt es viele – immer maßgeschneidert für die Musikstücke, die zu hören sind.

„Da wir zurzeit drei verschiedene Programme spielen, haben wir 20 Kostüme für jeden im Einsatz“, berichtet Band-Organisatorin Tanja Günsch dem „Südhessen Morgen“. Die Musical Factory hat eine eigene Kostümgruppe unter Leitung der Modedesignerin Kerstin Bürger-Bröckl. Die meisten Kleider seien „selbst entworfen und von uns genäht“, so Tanja Günsch.

So tritt die Truppe beim abschließenden Abba-Medley beispielsweise in goldglitzerndem Outfit ins Rampenlicht. Zu Stücken des Musicals Hair erscheinen Hippies mit bunten Klamotten und Peace-Anhängern auf der Bühne, und bei Sister Act vermitteln die langen, blau schimmernden Roben von der ersten Sekunde an Gospel-Feeling.

Insgesamt 27 Stücke haben die Sänger, Tänzer und Musiker aus Mainz mit ins Bürgerhaus gebracht – plus der obligatorischen Zugabe von zwei Songs. Die Akteure beginnen mit einem Medley, das „Footloose“, „Maniac“, „Fame“ und „What a feeling“ vereint, ganz zuletzt erklingt „Super Trouper“ von Abba. Dazwischen bieten die Mainzer vieles von dem, was das Musical-Herz begehrt, etwa „Aquarius“ und „Good Morning Starshine“ aus Hair, „Jesus Christ Superstar“ – oder aus Dirty Dancing „Time Of My Life“ und „She’s Like The Wind“. Gebührend gewürdigt werden auch die Musicals Sister Act und Tanz der Vampire.

Fast durchweg treten die Sänger mit ihrer Chorleiterin Silva Merkel auch als überzeugende Solisten in Erscheinung. Und alle stellen daneben ihre hervorragenden tänzerischen Qualitäten unter Beweis. Die Choreographien hat Petra Hofbauer mit ihnen einstudiert. Einige der Abläufe lasse man von freiberuflichen Kräften entwickeln, sagt Tanja Günsch. Aber ansonsten erledigen die Mitglieder der Musical-Factory fast alles selbst – und zwar nebenberuflich. Jeder, sagt die Band-Organisatorin, bringe sich „sehr gut mit seinem beruflichen Know-how ein“ – etwa als Architekt (im Bühnenbau), Grafikdesignerin oder Visagistin.

Zusammengefunden hat sich die Factory vor 30 Jahren – im Umfeld der Maria-Ward-Schule und des Willigis-Gymnasiums in Mainz. Dabei hat die Gruppe so ganz und gar nichts Fabrikartiges. Von Anfang an sei es das Ziel gewesen, „immer alles live auf die Bühne zu bringen“ – egal ob Tanz, Gesang, Schauspiel oder Musik. Zwei bis drei große und einige kleinere Auftritte stemmt die Musical Factory pro Jahr, entstanden sind seit 1989 neun Produktionen.

„Wir wollten mal zeigen, dass die Heizung funktioniert“, spielt Bürgermeister Matthias Baaß zu Beginn auf die hohen Temperaturen im Bürgerhaus an. Es hätte ihrer nicht bedurft. Schließlich heizt schon die Factory den begeisterten Gästen ein: Eine Besucherin bekräftigt am Ende: „Die könnten jedes Jahr nach Viernheim kommen.“

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